Startseite
Sie sind hier: Home > Auto > Nachhaltigkeit >

PieDrive: Autonomes Fahren per Fingerzeig an der TU Darmstadt

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Autonomes Fahren  

Der digitale Chauffeur "PieDrive" gehorcht auf jeden Fingerzeig

29.10.2014, 12:49 Uhr | t-online.de,

PieDrive: Autonomes Fahren per Fingerzeig an der TU Darmstadt. PieDrive - so funktioniert autonomes Fahren im Simulator (Quelle: Patrick Schäfer/t-online.de)

PieDrive - so funktioniert autonomes Fahren im Simulator (Quelle: t-online.de/Patrick Schäfer)

Im Jahr 2020 steige ich in mein Auto. Nachdem ich den Motor gestartet habe, wische ich mit vier Fingern auf dem Touchpad in der Mittelkonsole nach vorne, das Knurren des Motors wird lauter, die Geschwindigkeit steigt auf die vorgeschriebenen 30 km/h, die mir das Head-up-Display anzeigt. An der Kreuzung gebe ich mit einem Fingerwisch in das linke Feld das nächste Manöver ein - abbiegen nach links. Plötzlich lege ich vier Finger auf das Touchpad und ziehe sie nach hinten. Ich bremse abrupt - mir ist schlecht geworden und ich steige aus.

Anscheinend leide ich unter der sogenannten "Simulator-Krankheit", die für mein Unwohlsein verantwortlich ist. Dabei wollte ich doch das neue Bediensystem "PieDrive" selbst erfahren. Immerhin, ein paar hundert Meter weit bin ich mit meinem teilautonomen Zukunfts-Auto gekommen.

PieDrive-Forscher: Autonomes Fahren ist die Zukunft

Viele Autofahrer können mit automatisiertem Fahren noch nichts anfangen. Dabei ist es nicht mehr weit weg. Spätestens 2050 fahren wir vollautomatisiert, meint Michaela Kauer, die unter anderem die Nutzerakzeptanz im Forschungsprojekt "Conduct by wire" an der TU Darmstadt untersucht. Rund die Hälfte der Probanden im Simulator stünden dem autonomen Fahren in bestimmten Alltagssituationen offen gegenüber - beispielsweise, wenn es um die nervige Fahrt zur Arbeit im Berufsverkehr ginge. Die andere Hälfte will die Kontrolle behalten.

"pieDrive" 
Zukunftskonzept: Autofahren per Fingerzeig

Im Fahrsimulator der TU Darmstadt testen Ingenieure diese neuartige Fahrzeugsteuerung. Video

Doch jener Idee des "Fahrspaß" zum Trotz ist die technische Basis für autonomes Fahren bereits vorhanden: Kameras, Radar und Laser ermöglichen die Unterstützung von adaptiven Tempomaten, Spurwechselassistenten mit Lenkunterstützung, Tote-Winkel-Warner und Notbremsassistenten schon heute. In Zukunft könnte das alles in einem System gebündelt werden, so die Idee der Forscher an der TU Darmstadt.

Kinderleichte Bedienung

Benjamin Franz erläutert mir die Steuerung von PieDrive, die über ein Touchpad auf der Mittelkonsole des Fahrzeuges erfolgt. Darüber wird das Auto per Fingerbefehl dirigiert. Einzelschritte vom Blick in den Spiegel bis zum Spurwechsel entfallen - sie werden bei "PieDrive" als ein einziges Manöver zusammengefasst. Die Funktionen werden auf dem Head-up-Display auf der Windschutzscheibe als halbkreisförmiges Schema (Pie = Kuchen) abgebildet. Die sogenannte Trajektorie zeigt mir den zukünftigen Fahrweg meines Autos an - eine Art Vorschau. Lenkrad und Gaspedal sind zwar noch vorhanden, aber die brauche ich die meiste Zeit nicht mehr.

Schnittstelle Mensch-Maschine

Das System arbeitet intelligent: So ist das Manöver "Spurwechsel" nicht verfügbar, wenn sich auf der Fahrbahn nebenan ein Fahrzeug befindet. Das ist gut für meinen Stresspegel, weil das Auto mich nicht mit Warntönen belästigt.

Ein Chauffeur namens "PieDrive"

"PieDrive" macht theoretisch auch vollautomatisiertes Fahren möglich. Im Simulatortest übernimmt er Überlandfahrten, auf der Autobahn und in der Stadt die Aufgabe eines unsichtbaren Chauffeurs: kritische Situationen an Kreuzungen werden problemlos gemeistert. Das Auto stoppt ohne mein Zutun vor Zebrastreifen oder bremst ab, wenn mir die Vorfahrt genommen wird.

UMFRAGE
Wie finden Sie die Idee des autonomen Fahrens?

Automatisiertes Fahren vor Herausforderungen

Aber es gibt noch jede Menge technische und verkehrsrechtliche Probleme zu lösen. Der aktuellen rechtlichen Lage entsprechend lässt sich das System jederzeit vom Fahrer überstimmen. Das kann aber nicht das Modell der Zukunft sein. Denn eines ist klar: So schnell wie ein Computer kann kein Mensch reagieren. Und es ist sinnlos, automatisiertes Fahren anzubieten, wenn in kritischen Situationen der fehlerbehaftete menschliche Fahrer übernehmen soll.

Und wie sieht der Verkehr aus, wenn halbautonom gesteuerte Fahrzeuge auf "wirkliche" Fahrer treffen? Vorausgesetzt, es ist klar, wer selbst fährt und wer nicht: Würden die "Selbstfahrer" den autonomen Fahrzeuge nicht immer die Vorfahrt nehmen, da sie ja wissen, dass das andere Fahrzeug auf jeden Fall bremst?

Autonomes Fahren 
RS7 rast ohne Fahrer über den Hockenheimring

Die Ingolstädter zeigen im Rahmen des DTM-Finales ihren Stand der Technik. Video

Wir verlernen das Autofahren

Und noch wichtiger: Wir werden das Autofahren, wie wir es heute kennen, verlernen. Denn wenn die Entwicklung hin zum vollautomatisierten Fahren weitergetrieben wird - und die Autoindustrie macht daraus keinen Hehl - werden wir in Zukunft das Steuer den Algorithmen überlassen. Einzelne Fahrmanöver wie ein Fahrspurwechsel werden vergessen, da wir sie schlicht nicht mehr brauchen werden. Manuelles Autofahren wird der Vergangenheit angehören. Das ist die Zukunft der Mobilität.

In Zukunft nur noch sicher

Den sogenannten Fahrspaß wird es in Zukunft im hocheffizient gesteuerten Massenverkehr wohl nicht mehr geben. Aber die Automatisierung hat neben dem Komfort-Aspekt noch eine gewichtige, positive Seite: Die Unfallquote würde deutlich sinken. Zwar halten sich 72 Prozent der deutschen Verkehrsteilnehmer laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt für gute Autofahrer.

Foto-Serie mit 5 Bildern

Doch gerade in kritischen Situationen wie beim Spurwechsel, Abbiegen und an Kreuzungen lauern Gefahren. Allein für 2013 hat das Statistische Bundesamt über 350.000 Unfälle mit Personenschäden durch das Fehlverhalten von Autofahrern gezählt. Oder, provokant gefragt: wo bleibt da der Fahrspaß?

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

AnzeigeGebrauchtwagensuche
Welcher ist Ihr nächster?

Finden Sie hier Ihren neuen Gebrauchten:

 


Anzeige
shopping-portal