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Elektroauto: Austin in Texas ist die Öko-Oase der USA

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Öko-Oase Austin in Texas  

Elektrisch gegen das Vorurteil fahren

13.03.2015, 12:44 Uhr | Benjamin Bessinger, SP-X

Elektroauto: Austin in Texas ist die Öko-Oase der USA. BMW i3 in Austin. (Quelle: Spotpress)

BMW i3 in Austin. (Quelle: Spotpress)

"So etwas habe ich in meinen vielen Jahren als BMW-Händler noch nicht erlebt.“ Wenn Steve Late an die Markteinführung des i3 im letzten Sommer zurück denkt, schüttelt er noch immer ungläubig den Kopf: "Über 300 Testfahrten an einem Tag und das ganze Wochenende Hochbetrieb - das hat es vorher noch nie gegeben. Selbst bei der Premiere von M3 und M4 war hier lange nicht so viel los."

Austin in Texas ist Öko-Hochburg

In San Francisco, in Los Angeles, im Silicon Valley, und ja, vielleicht auch in New York hätte man sich das noch vorstellen können. Doch Lates Autohaus steht nicht an der Westküste oder in Manhattan, sondern mitten in Texas, in der Landeshauptstadt Austin. Ausgerechnet im Mutterland des Pick-Up-Trucks, dort wo Ford die meisten F-150 verkauft, Toyota den Tundra baut und man schon einen BMW X5 für einen kompakten Geländewagen hält, dort rennen sie dem BMW-Händler fast die Bude ein und gieren nach einem elektrischen Kleinwagen, der sich neben den Pritschenlastern verliert wie ein Spielzeugauto.

Late war vom Ausmaß des Ansturms überrascht, aber gewundert hat ihn die Resonanz eigentlich nicht. Denn Austin mag zwar in Texas liegen, hat aber politisch und in der Weltanschauung mit Texas so wenig gemein wie München mit Bayern: "Austin ist anders", sagt Late über die Kapitale des Cowboy-Staates und bezeichnet die mit knapp 900.000 Einwohnern eher kleine Stadt als eine Insel im See der Klischees und Vorurteile.

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Hier wird auf die Demokraten gesetzt

Die Menschen sind nicht nur jünger als im Rest des Landes, weil die über 50.000 Studenten der University of Texas den Altersschnitt auf 34 Jahre drücken. Sie gehen auf einem der viele Kilometer langen Trails im Zentrum und am Colorado River lieber zu Fuß, als dass sie das Auto nehmen würden und freuen sich darüber, dass ihre Partymeile auf der 6th Street abends sogar ganz für den Verkehr gesperrt wird. Seit den massiven Protesten gegen den Vietnam-Krieg in den Siebzigern sind sie politisch liberaler und wählen als einziger County in Texas beharrlich die Demokraten.

In der Regel mit Basecap und Flip-Flops statt mit Stetson und Cowboystiefeln sitzen sie in den Labors von Technologiekonzernen wie Dell und Samsung und sind durchweg lässiger als die Ölprinzen und Rinderbarone mit ihren Stetsons und Cowboystiefeln in den Business-Metropolen. Und nicht erst seit in Austin 1980 die mittlerweile weltgrößte Biomarkt-Kette "Whole Foods" ihren ersten Laden eröffnet hat, machen sie sich Gedanken über die Gesundheit, die Umwelt und all das andere Öko-Zeugs, über das sie überall sonst in Texas so herzlich lachen.

"Klar werden auch in Houston oder Dallas i3 verkauft", räumt BMW-Regionalleiterin Christine Fleischer ein. Und angesichts der größeren Einwohnerzahlen und der zusätzlichen Verkaufspunkte vielleicht sogar ein paar mehr als in Austin. "Aber während man sie in Austin aus Überzeugung kauft, fährt man sie dort nur wegen des Images", sagt Fleischer ein wenig abschätzig. "Genau wie sich die Frauen dort schon vor dem Frühstück schminken, weil es immer nur um den schönen Schein geht."

Rege nachfrage nach dem BMW i3

Entsprechend präsent ist der aus Karbon gebackene BMW-Würfel mittlerweile auf den Straßen von Austin. Rund 100 Autos hat Late bereits verkauft und erst so ganz langsam gelingt es ihm, beim i3 auf die in Amerika übliche "Vorratshaltung" umzustellen. Denn Amerikaner sind es gewohnt, sich beim Händler ein Auto auszusuchen und es gleich mit nach Hause zu nehmen, erzählt der BMW-Verkäufer.

Auf den i3 dagegen mussten seine Kunden oft mehrere Wochen warten. Und bis er die über 50 Vorbestellungen für den i8  abgearbeitet hat, wird es wohl 2016, vielleicht sogar 2017 werden, räumt er ein.

Wenn man mit dem i3 durch die Stadt stromert, fühlt man sich auch als Tourist gleich wie eingebürgert. Die Locals nicken anerkennend und wissen sehr wohl, was es mit diesem Auto auf sich hat. Und wer sich in der Rushhour auf der Congress Avenue dem Capitol entgegen staut, dem fallen noch eine ganze Reihe anderer Elektrofahrzeuge auf.

Das Modell S von Tesla sieht man öfter als die Oberklasse-Limousinen aus Deutschland, der Nissan Leaf und der Chevrolet Volt sind merklich präsenter als im Rest des Landes. Und wo man geht und steht, stolpert man über einen Smart. Der ist zwar meist noch konventionell angetrieben, gehört dafür aber mittlerweile so sehr zum Stadtbild wie der blanke Bullenschädel mit den langen Hörnern, den die Texas Longhorns im Logo und die Einwohner deshalb alle auf den Fanshirts tragen.

"Wo sonst?"

Kein Wunder: Hier in Austin hat Daimler vor fünf Jahren zum ersten Mal in den USA sein Carsharing-Projekt Car2Go gestartet. "Wo sonst?", fragt Kundendienstchefin Dana Golding, die heute fast 400 Autos im Einsatz hat und über 50.000 Nutzer zählt - darunter natürlich auch den Bürgermeister.

Dass Elektrofahrzeuge bei den Bürgern der Hauptstadt so hoch im Kurs stehen, liegt auch an den städtischen Energiebetrieben. Zwar verdanken Staat und Stadt ihren Wohlstand nicht zuletzt auch dem Mineralöl, das in ganz Texas gefördert wird. Doch "Austin Energy" hat frühzeitig auf alternative Energien gesetzt, Millionen in die Windkraft investiert und ein spendables Förderprogramm für Öko-Autos aufgelegt.

Wer sich ein Elektroauto kauft, den unterstützt die Stadt mit einem 50 Prozent Zuschuss für die Ladesäule, und wer als Unternehmer was für die Infrastruktur tun möchte, der bekommt ebenfalls Geld aus der Stadtkasse. Kein Wunder, dass nicht nur vor den Bioläden von Whole Foods mittlerweile die Stromtankstellen wie Pilze aus dem Boden sprießen. "In Dallas oder Houston musst du stundenlang suchen, bis du mal eine der 10, 20 Ladesäulen gefunden hast", schimpft BMW-Händler Late. "Bei uns gibt es mittlerweile fast 300 und damit beinahe an jeder Ecke eine.

"Lasst Austin so schräg bleiben"

Auch da ist Austin anders", freut sich Late über seine Heimatstadt. Auf ihre ungewöhnliche Gesinnung sind die Bürger von Austin so stolz, dass sie es jedem unter die Nase reiben, sagt der BMW-Händler und zeigt auf einen Aufkleber, den man in der Stadt an jedem zweiten Auto sieht: "Keep Austin Weird - lasst Austin so schräg, wie es ist."

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