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Tesla Model X 90D im Test: Dieses Elektro-SUV kann fast alles

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Tesla Model X 90D im Test  

SUV: Dieser Stromer bereitet umweltfreundlich Vergnügen

25.04.2017, 20:07 Uhr | Jürgen Strein, mid

Tesla Model X 90D im Test: Dieses Elektro-SUV kann fast alles. Bis auf die hinteren Flügeltüren ist das Design eher klassisch. (Quelle: Mid)

Bis auf die hinteren Flügeltüren ist das Design eher klassisch. (Quelle: Mid)

Zwei Megatrends in einem Auto vereint: Das Tesla Model X trifft als rein elektrisch angetriebenes SUV ziemlich exakt den momentanen Zeitgeist in der Autobranche.

Der Neuzugang in der automobilen Oberklasse ist als über 100.000 Euro teurer Siebensitzer mit Flügeltüren – außen wie innen – eine beeindruckende Erscheinung.

Tesla Model X: 2,5 Tonnen schwer und umweltfreundlich?

Wir hatten natürlich kein filigranes Autochen erwartet, aber als der X 90D breitbeinig auf den Parkplatz rollt, können wir uns doch ein "Wow, was für ein Trumm!" nicht verkneifen. Und dieses fünf Meter lange, zwei Meter breite und zweieinhalb Tonnen schwere Luxusgefährt soll sich – mit Motoreigenschaften wie ein Sportwagen – sogar umweltfreundlich bewegen lassen?

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Model X teilt sich viele Komponenten mit dem Model S

Tatsächlich, das geht. Zum guten ökologischen Gewissen kommen ausgezeichnete Fahreigenschaften, bequemes Mobiliar im Innenraum, viel Platz für Koffer und Kisten und freie Sicht in den Himmel dank einer weit nach hinten gezogenen Panorama-Windschutzscheibe.

Dazu gesellt sich das prickelnde Gefühl, in einem Avantgarde-Auto unterwegs zu sein. Avantgarde, Vorreiter, ist der Tesla zweifellos beim Antrieb. Zwei Elektromotoren, jeweils einer an der Vorder- und Hinterachse, treiben das Fahrzeug an. Die Technik des SUV ist übrigens weitgehend identisch mit der Limousine Model S.

Voll-SUV mit Fahrleistungen eines Sportwagens

Der Fahrer darf am Lenkrad des Model X getrost alles vergessen, was er bisher an Erfahrungen mit Verbrennungsmotoren mitbringt. Die Kraft der beiden Triebwerke entfaltet sich unmittelbar nach dem Durchdrücken des Gaspedals. Die E-Motoren beschleunigen das schwere SUV ohne "Löcher" hoch bis zur maximalen Geschwindigkeit von abgeregelten 250 km/h.

Fünf Sekunden von Null auf Hundert war der Wert des getesteten X 90D. Es geht aber auch noch schneller, mit dem Model X P 90D (3,4 Sekunden) oder der angekündigten Variante P 100 D (3,0 Sekunden).

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Diese Werte erreicht Tesla nicht durch einen Wechsel der Hardware, also mit anderen Motoren, sondern mit geänderter Software. Welch Wunder, dass die Tesla-Nerds dem superschnellen Modus in der Limousine den Begriff "insane" ("verrückt") verpasst haben, beziehungsweise "ludicrous" ("aberwitzig") jetzt beim X.

Keine Chance gegen Tesla Model X 90D

Mit solcher Power unter dem Blechkleid juckt es doch gelegentlich im rechten Fuß. Auch wenn der Fahrer eigentlich vom Typ her ein eher gemütlicher Diesel-Freund ist. Ein leichtes Kribbeln ereilt ihn zum Beispiel, wenn ein aufgemotztes Mittelklasse-Coupé auf der A81 die Steinbacher Höhe hoch vorbeipreschen will.

Der rechte Fuß senkt sich. Ein paar hundert Meter kann er noch mitsprinten, dann bleibt er im Rückspiegel zurück. Gegen die unbändigen 525 PS der beiden Elektromotoren und ihrem Drehmoment von 600 Newtonmeter über die gesamte Leistungsbreite ist unter der Motorhaube eines Benziners kein Kraut gewachsen.

Reale Reichweite: bis zu 380 Kilometer

Zur – in diesem Fall verkehrspolitisch völlig unkorrekten – Tesla-Freude gesellt sich aber auch der Tesla-Frust: Die Anzeige für die restliche Reichweite ist bei diesem Bergaufbeschleunigen praktisch im freien Fall nach unten gestürzt. Der Hersteller selbst verspricht bei kompletter Batterieaufladung Reichweiten von mehr als 500 Kilometer. Realistisch sind allerdings allenfalls 350 bis 380 Kilometer möglich – bei moderater Fahrweise. Immer noch sehr viel mehr, als andere Elektrofahrzeuge bisher erreichten.

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Der Grund dafür ist die geniale Lösung der Tesla-Techniker für das Batterie-Problem: Sie verwenden keine einzelne große Batterie für die Speicherung der Power, sondern viele kleine Lithium-Ionen-Zellen, die im Unterboden eingebaut sind. Die sorgen dafür, dass der Tesla X mit respektabler Reichweite bewegt werden kann. Und mit gutem Gewissen, wenn man die Batterien mit umweltfreundlichem Strom auflädt.

2,5-Tonnen-Tribut: 27 Kilowattstunden pro 100 Kilometer

Aber am besten nicht über die normale Steckdose. Das geht zwar, eine volle Ladung dauert allerdings auf diese Weise rund 35 Stunden. Schneller – nämlich in sechs Stunden – kann man mit einer in der Garage installierten Drehstrom-Ladestation dieses Ziel erreichen.

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Das derzeitige Nonplusultra ist der Tesla-Supercharger, der an ausgewählten Autohöfen, in Deutschland sind es rund fünf Dutzend, in einer knappen Stunde die Batterie fast voll auflädt und das auch noch kostenlos. Im Test verbrauchte der Tesla rund 27 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Das entspricht, wenn man nicht kostenlos am Supercharger lädt, einem Preis von rund acht Euro für 100 Kilometer.

Klassische SUV-Karosse mit Flügeltüren

Im Vergleich zu so viel technischer Innovation ist den Designern des Tesla vergleichsweise wenig eingefallen. Der X sieht aus wie viele andere SUV auch. Nur die Flügeltüren zum Einstieg in die zweite und dritte Reihe geben ihm ein futuristisches Aussehen. Eine weitere Besonderheit ist die riesige Panorama-Frontscheibe. Und wenn zwei Personen mit dem X unterwegs sind, können sie fantastische 2180 Liter Kofferraumvolumen nutzen.

Tesla Model X mit niedrigem Schwerpunkt

Der Innenraum ist solide und gediegen. Zum Beispiel erinnert das Multifunktionslenkrad sehr an Modelle von Mercedes. Hier sticht der 17-Zoll-Bildschirm hervor, über den fast alle Funktionen der Tesla-Technik gesteuert werden.

Die im Unterboden eingebauten Batterien erlauben es nicht nur, dass der Tesla X mit 1,65 Meter für ein SUV erstaunlich niedrig ausfällt. Sie sorgen außerdem für einen tief liegenden Schwerpunkt und damit indirekt für ein stabiles Fahrverhalten in Kurven oder bei Seitenwind.

Ungewohnte Glücksgefühle durch Elektroautos

Nach einer Woche im X haben sich beim Tester Momente des Tesla-Glücks eingestellt: Wenn man praktisch geräuschlos durch das Wohnviertel gleitet; wenn man den Benzinern gezeigt hat, was eine Harke ist oder wenn man an den Supercharger-Stationen an so idyllischen Orten wie Triefenstein, Gramschatz oder Bonfeld beim Lesen eines Romans oder beim Spaziergang durch ein nahe gelegenes Landschaftsschutzgebiet sein Leben für eine Stunde entschleunigt.

Doch auch E-Auto-Frust macht sich breit

Und Momente des Tesla-Frusts: Wenn in der Theater-Tiefgarage wieder mal kein Platz breit genug für den X war oder wenn man schon wieder fiebern muss, ob die Batterie-Ladung bis zum nächsten Supercharger reicht. Und wenn man sich fragt, wann es solch ein Auto zu einem bezahlbaren Preis geben wird.

Vorfreude auf das erschwingliche Tesla Model 3

Tesla jedenfalls hat offenbar schon mit der Testproduktion des "Model 3" begonnen, das noch 2017 in den Verkauf kommt. Reichweite: ab 350 Kilometer in der Basisversion, Preis: 32.000 Euro. Da wird Elektrofahren im Tesla schon eher erschwinglich.

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