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Autonomes Fahren: Faktor Mensch schwer programmierbar

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Roboterautos  

Autonomes Fahren: Menschliche Dummheit lässt sich nicht programmieren

12.05.2017, 15:57 Uhr | Tom Krisher, AP

Autonomes Fahren: Faktor Mensch schwer programmierbar. Autonomes Fahren: Faktor Mensch ist noch ein Problem (Quelle: dpa/Uli Deck)

Wir biegen falsch ab, missachten Stoppschilder: Roboterautos sind vom Menschen noch überfordert (Quelle: Uli Deck/dpa)

Sie biegen falsch ab, missachten Stoppschilder und fahren zu schnell: Das Verhalten menschlicher Autofahrer überfordert selbstfahrende Wagen noch heillos. Um die Robotaxis mit der Unberechenbarkeit vertraut zu machen, brauchen die Entwickler gewaltige Datenmengen – und viel Geld.

Robotertaxis sind gesittet. Sie halten an jedem Stoppschild und beherzigen sämtliche Regeln, die sie kennen. Menschliche Fahrer sind dagegen unberechenbar. Doch beide sollen sich in wenigen Jahren die Straße teilen. Diese Aussicht bereitet den Entwicklern der Robotaxis großes Kopfzerbrechen.

Programmierung ist Programmierung...

Ein selbstfahrendes Auto wird so programmiert sein, dass es Tempolimits einhält. Viele Autofahrer übertreten Geschwindigkeitsbegrenzungen routinemäßig um 16 bis 24 Kilometer pro Stunde. Ein autonomes Kraftfahrzeug würde niemals über eine durchgezogene Linie fahren, Menschen tun das ständig. Schwierig dürfte es auch mit örtlichen Besonderheiten im Straßenverkehr werden, an die sich Autofahrer rasch gewöhnen.

...doch menschliches Verhalten ist komplexer

In den USA zählt dazu etwa der sogenannte California Stop in Los Angeles und anderen Orten: Hier verzichten Autofahrer auf das Anhalten am Stoppschild, wenn die Kreuzung frei ist. Im Südwesten des US-Staates Pennsylvania praktizieren wagemutige Fahrzeuglenker den "Pittsburgh Left" und lassen bei Grün einen entgegenkommenden Linksabbieger durch. In der Stadt Ann Arbor in Michigan überfahren viele Autofahrer während der Rushhour eine durchgezogene Markierung, um sich an der Zufahrt zu einer Schnellstraße als Linksabbieger einzuordnen.

"Es gibt eine endlose Liste von Beispielen, in denen wir Menschen den Zusammenhang kennen", sagt der Computertechnik-Professor Raj Rajkumar, der an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh die Forschung zum autonomen Fahren leitet. "Wir wissen, wann wir Regeln großzügig auslegen und wann wir sie übertreten können."

Friedliche Koexistenz lässt noch auf sich warten

Experten wie er gehen davon aus, dass es noch viele Jahre dauern dürfte bis zu einer friedlichen Koexistenz von Robotaxis und Autos mit Menschen am Steuer. Zwar gilt es als wahrscheinlich, dass die ersten selbstfahrenden Wagen schon in drei bis fünf Jahren in begrenzten Regionen Fahrgäste und Fracht transportieren werden. Doch auf den meisten Straßen wird das schwer fallen, denn die Autos müssen für die jeweiligen örtlichen Eigenheiten und das mutmaßliche Verhalten menschlicher Fahrer programmiert werden. Dafür sind gewaltige Datenmengen und Rechnerkapazitäten nötig, die momentan noch unerschwinglich sind.Autonomes Fahren (Quelle: dpa/Daniel Naupold)Ein autonomes Kraftfahrzeug würde niemals über eine durchgezogene Linie fahren, Menschen tun das ständig (Quelle: Daniel Naupold/dpa)

"Fahrerlose Autos sind sehr stark regelbezogen und verstehen keine gesellschaftlichen Umgangsformen", erklärt Missy Cummings, Direktorin des Humans and Autonomy Lab der Duke University in North Carolina, das sich mit menschlichen und computerbasierten Entscheidungsprozessen befasst.

Weltweite Unterschiede bei Verkehrsregeln

Zudem unterscheiden sich Verkehrsregeln und Straßenverhältnisse weltweit drastisch: Sie reichen von engen, verstopften Verkehrsadern in Europa bis zu anarchischen Verhältnissen in den gigantischen Staus von Peking. In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi teilen sich Luxusautos die überfüllten Straßen mit Fahrrädern, Motorrollern, Lastwagen, Kühen und Elefanten.

Aggressives Verhalten ist für Roboautos nicht vorhersehbar

Hinzu kommt das Problem des aggressiven Fahrens. Gefährliche Fahrweisen wie etwa das Abdrängen anderer Autos oder das unerlaubte Linksabbiegen vor dem entgegenkommenden Verkehr sind für Roboterfahrzeuge natürlich unvorhersehbar. In Indien etwa wechseln Fahrer ständig ohne zu zögern von einer Spur auf die andere.

Vereinzelt sind schon Autofahrer bewusst Fahrzeugen wie dem Tesla in den Weg gefahren, weil sie wissen, dass das Elektroauto mit automatischen Notbremsen ausgestattet ist. Der Sprecher der Einheit für autonomes Fahren beim japanischen Hersteller Toyota, John Hanson, sagt dazu: "Es ist schwierig, beim Programmieren menschliche Dummheit oder absichtliche Manipulationen der Technologie zu berücksichtigen."

2030 sollen Roboautos sehen und denken können wie Menschen

Kathy Winter, Vizepräsidentin für automatische Fahrlösungen beim US-Chiphersteller Intel, zeigt sich dennoch optimistisch, dass Roboterautos noch vor dem Jahr 2030 wie Menschen sehen und denken werden können. Schon heute sammeln Autos mit Sensoren für Fahrassistenzsysteme Daten über Verkehrsschilder, Fahrbahnmarkierungen und menschliches Fahrverhalten. Winter hofft nach eigenen Worten, dass die Hersteller diese Informationen für eine große Datenbank zur Verfügung stellen werden. Von Intel und anderen Unternehmen entwickelte künstliche Intelligenzsysteme könnten dann auf die Daten zugreifen und schnelle Entscheidungen nach menschlichem Vorbild treffen.

Gigantische Rechenleistung nötig

Programmierer sind zuversichtlich, dass die autonomen Fahrzeuge eines Tages auch mit dem Verkehr in Peking zurechtkommen werden. Doch das kann dauern, wie John Zeng von der britischen Beratungsfirma LMC Automotive Consulting betont, die auf den Automarkt der Zukunft spezialisiert ist. Bis die chinesischen Regulierungsbehörden selbstfahrende Autos als sicher genug für eine breite öffentliche Nutzung erachten, dürften noch mindestens zehn Jahren vergehen.

Intel-Expertin Winter geht davon aus, dass autonome Wagen in anderthalb Stunden – das ist die durchschnittliche Zeit, die ein Mensch pro Tag hinter dem Steuer verbringt – vier Terabyte an Daten sammeln, verarbeiten und analysieren können. Das entspricht der Speicherung von mehr als 1,2 Millionen Fotos oder 2000 Stunden Film. Eine solche Rechnerleistung kostet laut Zeng derzeit mehr als 100.000 Dollar (92.000 Euro) pro Auto. Doch je mehr solcher Fahrzeuge gebaut werden, desto stärker könnten die Kosten sinken.

Sind Autos mit Menschenverstand möglich?

Eines Tages werden Roboterfahrzeuge in Anlehnung an den gesunden Menschenverstand so programmiert sein, dass sie in begründeten Fällen auch durchgezogene Linien überfahren, beschleunigen oder eine Lücke finden, um sich auf Schnellstraßen in den Verkehr einzufädeln.
Wissenschaftler der Carnegie Mellon haben ihren Autos schon den "Pittsburgh Left" beigebracht: Die Wagen warten jetzt vor dem Losfahren bei Grün mindestens eine Sekunde ab, bis die Kreuzung frei ist. Sensoren überwachen zugleich den kreuzenden Verkehr und registrieren, ob ein Fahrer an einem Stoppschild oder einer roten Ampel anhalten wird. Eines Tages sollen die einzelnen Fahrzeuge dann auch miteinander vernetzt sein, um Unfälle zu vermeiden.
Skeptiker weisen dennoch darauf hin, dass computergestützte Autos niemals exakt wie Menschen werden denken können. Zu ihnen gehört Ed Long von der New Jersey State Police, der im Straßenverkehrsamt arbeitet. "Ich glaube nicht, dass man jemals die Fähigkeit einer Person wird nachbilden können, im jeweiligen Moment den richtigen Schritt zu erkennen", sagt er.

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