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Die Stickoxide, ihre Gefahren und Grenzwerte

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107.000 Tote pro Jahr durch Abgase?  

Die Stickoxide, ihre Gefahren und Grenzwerte

25.08.2017, 17:23 Uhr | Reuters

Die Stickoxide, ihre Gefahren und Grenzwerte. Abgase aus dem Auspuff eines Autos (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Toa55)

Die Schadstoffe aus dem Auspuff können zu chronischen Herz-Kreislauferkrankungen führen. (Quelle: Toa55/Thinkstock by Getty-Images)

Über die Gefahren und gesundheitsschädigende Wirkung von Stickoxiden, wie sie als Abgase von Dieselfahrzeugen ausgestoßen werden, wird derzeit viel diskutiert. Dabei klafft zwischen den Grenzwerten für den Straßenverkehr sowie am Arbeitsplatz eine große Kluft. Lesen Sie hier einen Überblick zum Thema.

Welche Gefahren gehen von Stickoxiden aus?

Stickstoffoxide sind Gase, die die Atemwege reizen. Dies ist insbesondere ein Problem für Asthmatiker. Die Schadstoffe können zudem zu chronischen Herz-Kreislauferkrankungen führen. Auch die Lungenfunktion kann dauerhaft beeinträchtigt werden. Ebenso können Allergien ausgelöst oder verschlimmert werden.

Die Europäische Umweltagentur (EUA) geht für das Jahr 2012 von 10.400 vorzeitigen Todesfällen in Deutschland durch Stickstoffdioxid (NO2) aus. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) verweist zudem darauf, dass Stickoxide zum Klimawandel beitrügen. Sie sorgten zudem für sauren Regen und eine Verschmutzung der Umwelt. Abgase sind eine Belastung für Mensch und Natur.

Welche Grenzwerte gelten bei Stickoxiden?

Im Straßenverkehr dürfen europaweit 40 Mikrogramm im Jahresmittel nicht überschritten werden. 18 Mal im Jahr darf der Spitzenwert höher als 200 Mikrogramm liegen. Laut Umweltbundesamt (UBA) war das im Jahr 2016 in Stuttgart jedoch 35 Mal und in Darmstadt 28 Mal der Fall.

Am Arbeitsplatz ist in Deutschland eine weitaus höhere Belastung zulässig. So gilt an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk, wo mit einer erhöhten Stickoxidbelastung zu rechnen ist, ein Grenzwert von 950 Mikrogramm – das ist fast 24 Mal so viel wie im Straßenverkehr. In normalen Büros dürfen es 60 Mikrogramm sein.

Warum sind im Job höhere Grenzwerte erlaubt?

Laut einem Sprecher des Umweltbundesamts liegt dieser unterschiedlichen Bemessung die Annahme zugrunde, dass der Außenluft alle Menschen rund um die Uhr ausgesetzt sind – und damit auch empfindliche Personen wie Kinder, Alte, Kranke oder schwangere Frauen. In Büros befänden sich dagegen weder Kinder und in der Regel seien die Arbeitnehmer gesund. Außerdem werde im Büro nur eine gewisse Zeit des Tages verbracht.

"Die Voraussetzung ist natürlich, dass die, die dort arbeiten, auch gesund sind und auch ständig arbeitsmedizinisch betreut werden", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Dem UBA-Sprecher zufolge strebt ein zu seiner Behörde gehörender Ausschuss aber eine Aktualisierung der Bewertung für Stickoxide im Innenraum an.

Unterschiedliche Grenzwerte an Arbeitsplätzen und im Straßenverkehr

Nach Ansicht des Sprechers des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Eckehart Rotter, passen die unterschiedlichen Grenzwerte an Arbeitsplätzen und im Straßenverkehr nicht zusammen. Die 950 Mikrogramm für Arbeitnehmer gälten schließlich nicht nur ein Mal am Tag, sondern täglich acht Stunden, die ganze Woche und das gesamte Berufsleben. Eigentlich müsse man fragen, warum die für die Arbeitstätten zuständige Ministerin Andrea Nahles den Wert nicht ebenfalls auf 40 Mikrogramm herabsetze.

Wie verlässlich sind die Angaben zu Todesopfern?

Der Bund und andere Umweltorganisationen nutzen wie die UBA die oben genannten Zahlen der Europäischen Umweltagentur. Es gibt aber auch Verbände, die höhere Zahlen nennen. Das Umweltbundesamt stellt derzeit eigene Berechnungen für Deutschland an.

Zur Berechnung von mit Stickstoffdioxid und anderen Luftschadstoffen und Lärm verbundenen Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen wird laut Umweltbundesamt ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickeltes Konzept zu umweltbedingten Krankheitslasten verwendet. Umwelt- und Gesundheitsdaten werden dabei verknüpft und statistisch ausgewertet. Auf Basis der Herzinfarkt-Häufigkeit in Deutschland und Daten zur Lärmbelastung der Bevölkerung kann beispielsweise geschätzt werden, welcher Anteil der Herzinfarkte in Deutschland auf Umweltlärm zurückzuführen sind.

10.000 oder 107.000 Tote pro Jahr durch Abgase?

Laut VDA-Sprecher Rotter beruhen die Zahlen zu den vorzeitigen Todesfällen nicht auf einer wissenschaftlichen Grundlage. Er verweist dazu auf den Abschlussbericht des Abgas-Untersuchungsausschusses des Bundestages. Die Experten bezeichnen die Aussage, jährlich würden 10.000 Menschen durch Verkehrsemissionen sterben, darin als nicht haltbar. "Epidemiologisch ist ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und bestimmten NO2-Expositionen im Sinne einer adäquaten Kausalität nicht erwiesen", heißt es wörtlich.

Doch ein Forscherteam der Organisation Environmental Health Analytics in Washington kam unlängst zu drastischen Ergebnissen: Demnach liegt die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Stickoxide für die weltgrößten Automärkte bei 107.000 Menschen pro Jahr. Die Wissenschaftler schätzen, dass allein 38.000 Menschen im Jahr 2015 starben, weil Abgasgrenzwerte nicht eingehalten wurden – davon 11.400 in der EU.

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