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Autosalon Genf 2011

Jaguar E-Type: Sexy wie ein Minirock

08.03.2011, 15:47 Uhr | Roman Büttner, Spiegel Online

Jaguar E-Type: Sexy wie ein Minirock. Jaguar E-Type: Design-Ikone wird 50 Jahre alt (Foto: Jaguar)

Jaguar E-Type: Design-Ikone wird 50 Jahre alt (Foto: Jaguar)

Mythos Jaguar E-Type: Die Formen sind so legendär, dass die Designer noch heute Gestaltungsmerkmale zitieren. Dabei hatten die Briten gar nicht mit dem Erfolg gerechnet, lediglich 1000 Exemplare kalkulierten die Planer damals ein. Jetzt - 50 Jahre nach der Präsentation - ist diese Baureihe eine Ikone.

Jaguar E-Type: 50 Jahre alte Design-Ikone

Bei Sportwagen ist die Grenze zwischen Schönheit und übertriebener Aggressivität oft fließend. Die Flitzer im Stile eines Ford Mustangs sollten vor allem die jungen Wilden ansprechen - entsprechend maskulin ist das Design. Bei einem Porsche 911 sieht es schon anders aus. Klar, einen gewissen Biss strahlen alle Generationen aus, doch die Formen wirken wesentlich dezenter. Doch der Höhepunkt in Bezug auf sportliches Autodesign ist für viele Enthusiasten der Jaguar E-Type, dessen Premiere die Briten am 15. März 1961 auf dem Genfer Auto-Salon feierten.

Erfolg kam für Jaguar überraschend

Auf die Reaktionen während der Messe am Lac Léman war Jaguar nicht vorbereitet. Ursprünglich war der Nachfolger des XK 150 als Kleinserie mit rund 1000 Exemplaren geplant. Doch schon das Design des gelernten Luftfahrtingenieurs Malcolm Sayer begeisterte die Massen - ebenso wie später die Fahrleistungen. Besonders auffällig ist die rund zwei Meter lange Motorhaube aus insgesamt zwölf Blechen mit der markanten Wölbung, um dem Reihensechszylinder ausreichend Platz zu bieten. Doch auch die kompakte Fahrgastzelle, das Heck und die ovale Kühleröffnung des Wagens tragen sehr zur harmonischen Linienführung bei. Diese Form des Lufteinlasses zitiert Jaguar übrigens noch heute in den Modellen der XK-Baureihe.

Enzo Ferrari: Das schönste Auto der Welt

Kaum ein Wagen symbolisiert heute das Autodesign der sechziger Jahre so sehr wie der Jaguar E-Type. Zusammen mit dem Minirock hat dieses Auto den Stil der Zeit geprägt. Selbst Enzo Ferrari, der nur selten Komplimente für fremde Fabrikate übrig hatte, soll den E-Type als das schönste Auto der Welt bezeichnet haben.

Zugeständnisse für die USA

Vom Reiz des E-Type waren vor allem die Amerikaner angetan. Etwa 70 Prozent der insgesamt 75.520 gebauten Exemplare exportierten die Briten in die USA. Doch der Erfolg in Übersee erforderte Konsequenzen, die nicht allen gefielen. Um die dortigen Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen, mussten zuerst die Frontscheinwerfer dran glauben. In der ersten Generation waren die Leuchten noch von einer zusätzlichen Scheibe überdeckt. Doch weil genau das in den USA verboten war, verzichteten die Briten auf diese zusätzliche Verglasung bereits ab 1967. Ein weiteres Zugeständnis an die amerikanischen Vorschriften war eine mit unansehnlichen Kunststoffpuffern versehene Frontstoßstange, die viel von der Eleganz der ursprünglich Form nahm. Allerdings sorgte die Nachfrage aus den USA für den V-12-Motor in der Serie III, die zwischen 1970 und 1975 gebaut wurde.

Altes Auto, gute Übersicht

Wer moderne Autos gewohnt ist und sich das erste Mal in einen E-Type zwängt, dürfte überrascht sein. Zwar geht es im Innenraum recht eng zu, doch der Fahrer hat dank der schmalen A-Säule eine gute Übersicht. Trotz der langen Haube ist das Ende am Bug gut zu erkennen und selbst die Sicht nach hinten ist trotz der kleinen Heckscheibe noch ok. Im Fußraum hat man ebenfalls wenig Platz. Die Pedale sind so eng beieinander, dass es mit breitem Schuhwerk durchaus schwierig ist, Gas, Bremse und Kupplung zu koordinieren.

Alltagstauglicher Sportwagen

Hat man sich daran gewöhnt, funktioniert das Spiel mit den Pedalen sehr gut. So gut, dass Jaguar-Fan Fritz Rinck mit seinem E-Type Baujahr 1968 und 4,2-Liter-Motor sogar in den Urlaub fährt. "Ich will kein Auto fürs Museum, ich will damit fahren", sagt der Unternehmer aus Niedersachsen. Er schwärmt davon, entspannt bei niedriger Drehzahl über schwedische Autobahnen zu fahren und bei Gelegenheit seinem Oldtimer die Sporen zu geben. Was er meint, merken wir bei der Spiegel-Online-Fahrt sehr schnell. Zwar reagiert das Aggregat mit seinen 265 PS sehr spontan und erfordert einen feinfühligen Gasfuß. Doch auch bei 1500 Umdrehung macht der Wagen Spaß. Die Beschleunigung aus dem Drehzahlkeller ist auch nach heutigen Maßstäben beeindruckend. Voll ausfahren möchte Rinck seinen E-Type trotzdem nicht. "Die Maschine ist äußerst robust und hat schon rund 275.000 Kilometer auf dem Tacho, aber ich muss sie nicht ausreizen."

Sportwagen mit schlechten Bremsen

Auch wenn der E-Type hinreißend schön ist und die Motorleistungen überzeugen, der Sportwagen offenbart schnell einige Schwächen. Die Konstrukteure hatten offenbar eben nur dies im Sinn und haben es versäumt, entsprechend dimensionierte Bremsen zu installieren. Der damals überaus fortschrittliche Bremskraftverstärker und die Beläge waren einfach zu klein. Auch das Fahrwerk macht die Hatz bei höheren Geschwindigkeit zur kraftvollen Arbeit. Außerdem ist das Blech recht anfällig für Rost und nicht optimal verarbeitet. Oft stehen Heckdeckel und Türen etwas hervor aus der Karosserie.

Jaguar E-Type kostet heute 100.000 Euro und mehr

Das der E-Type so viele Käufer fand, liegt nicht nur an der schwungvollen Blech, sondern auch am unschlagbaren Preis. Während Ferrari für seinen 250 GT mit vergleichbaren Leistungsdaten Anfang der Sechziger rund 50.000 Mark verlangte, kostete der Brite gerade einmal etwas mehr als die Hälfte davon. Wer heute dem Charme des E-Type erliegt, muss freilich tiefer in die Taschen greifen. Besonders das Cabrio ist sehr begehrt und ist entsprechend teuer. Für ein Fahrzeug im makellosen Zustand sind schnell mehr als 100.000 Euro fällig.

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