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ADAC-Sprecher Heraeus: So soll der Neustart gelingen

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ADAC-Beirat Heraeus über die Krise  

"Die Enttäuschung war gigantisch"

08.05.2014, 09:51 Uhr | dpa-AFX, dpa

ADAC-Sprecher Heraeus: So soll der Neustart gelingen. Der ADAC braucht jetzt den Neustart (Quelle: imago)

Der ADAC braucht jetzt den Neustart (Quelle: imago)

Der Skandal um den ADAC-Preis "Gelber Engel" hat den Autoclub in eine schwere Krise gestürzt. Nach einer Flut von Vorwürfen, zwei Enthüllungsbüchern und eine Welle von Kündigungen will der ADAC nun den Neustart versuchen. ADAC-Beirat Heraeus mahnt Reformen an, betont aber gleichzeitig, dass diese Zeit benötigen werden.

Für viele Kritiker hat ein selbstherrlicher und allzu machtbewusster Verband das bekommen, was er verdient hat. Viele der Tausenden von Mitarbeitern des Großunternehmens sind verunsichert, manche bangen um ihre Jobs. Rund 290.000 Mitglieder des Vereins haben ihre Konsequenzen gezogen und sind aus dem ADAC ausgetreten. Am Samstag tagt die Hauptversammlung der taumelnden Organisation in Saarbrücken. Der ADAC hofft auf einen Neustart - und vor allem darauf, dass in den kommenden Monaten wieder alles gut wird.

ADAC: Wachstum trotz vieler Kündigungen

Vor allem hofft der ADAC, das ramponierte Image wieder ein wenig polieren zu können. Dabei haben die Entrüstungsstürme, die in den vergangenen Monaten über den Club hinweg gezogen sind, weniger konkreten Schaden angerichtet als befürchtet. Zwar ist die Zahl von 290.000 Kündigungen in den ersten vier Monaten enorm hoch, die Austrittswelle konnte den seit Jahren anhaltenden Zustrom von neuen Mitgliedern aber nur bremsen. Zum 30. April hatte der ADAC 18.960.216 Mitglieder, immerhin 17.415 mehr als zu Jahresanfang. Das Ziel, in diesem Jahr die Marke von 19 Millionen Mitgliedern zu knacken, ist also nur vertagt. Trotz aller Vorwürfe sind viele dem ADAC treu geblieben.

ADAC-Beirat fordert Reformen

Der ADAC braucht aus Sicht seines Beirats umfassende Reformen, um die Vertrauenskrise der vergangenen Monate überwinden zu können. "Nach der manipulierten Auto-Wahl sind beim ADAC eine Reihe von Schwächen und Defiziten deutlich geworden, die teilweise auch das Grundverständnis dieses Clubs berühren", sagte der Sprecher des neuen Gremiums, der Unternehmer und Unicef-Deutschland-Chef Jürgen Heraeus. Er sehe die klare Bereitschaft, die Fehler der Vergangenheit auch zu korrigieren. Der Beirat soll den Autoclub beim Weg aus der Krise beraten.

Klare Trennung

Damit das Projekt gelingen kann, müsse der Club vor allem seine Unternehmen abgrenzen. "Der ADAC muss viel klarer als bisher zwischen seinen Vereins- und Wirtschaftsinteressen trennen. Wenn das nicht gelingt, sehe ich den Status des Vereins in Gefahr", sagte der Manager. In den vergangenen Jahren sei das nicht immer gelungen. "Mit dem stürmischen Wachstum gab es etliche Fehlentwicklungen." Eine Organisation könne dann leicht vergessen, was ihr Zweck sei. Dann stehe nicht mehr der vereinsbestimmte Erfolg im Vordergrund.

"Die Enttäuschung war gigantisch"

Die heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit auf die Vorgänge beim ADAC könne er gut verstehen. "Der ADAC war der Inbegriff einer Vertrauensorganisation. Und plötzlich konnte jeder sehen, dass Fehler gemacht wurden und jeder bemerkte plötzlich die fehlende Transparenz. Die Enttäuschung war gigantisch", sagte Heraeus. Es sei wichtig, dass es keine Kritik an den Helfern auf der Straße gegeben habe. "Jetzt, wo alles auf dem Tisch ist, hat der ADAC die große Chance, sich zu erneuern." Dazu gehöre die Trennung zwischen Profis und Ehrenamt.

Heraeus: Reformen brauchen Zeit

Der Reformprozess werde einige Zeit brauchen, sagte der Krisenmanager. Es sei ein gewaltiges Vorhaben, einen Verein mit fast 19 Millionen Mitgliedern und 8900 Beschäftigten neu auszurichten. "Wenn der ADAC die nächsten sieben Monate intensiv nutzt - und danach sieht es zur Zeit aus - dürften Ende des Jahres sichtbare Ergebnisse vorliegen." Natürlich brauche der ADAC aber auch erfolgreiche wirtschaftliche Einheiten, um die Mitglieder zufriedenzustellen. Dabei dürfe aber nicht der eigentlich Zweck verloren gehen. "Sonst drohen Sanktionen durch die Politik", erklärte Heraeus.

Der ADAC-Beirat ist neben Heraeus mit der Deutschland-Chefin von Transparency International, Edda Müller, dem früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier und dem Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft, Rupert Graf Strachwitz, besetzt.

Noch kein neuer Präsident in Sicht

Die Suche nach einem Präsidenten gestaltet sich indes als schwierig. Nach dem - je nach Sichtweise der Beteiligten - Rauswurf oder Rücktritt von Peter Meyer hat August Markl die Führung des Vereins übernommen. Ambitionen, den Job zu behalten, hat er zwar nicht. "Bisher konnten wir aber leider keinen geeigneten Kandidaten finden", sagte er der "Zeit".

ADAC: Weniger Kommerz, mehr Service

Und so will sich der ADAC erst reformieren und dann eine neue Spitze wählen. Über die Neuerungen soll in Saarbrücken diskutiert werden. Der prominent besetzte Beirat soll den Club bei den Umbauten unterstützen. Weniger Kommerz und mehr Service soll es geben. Umfassend wolle sich der Club zu seinem Vereinsstatus bekennen - und hofft darauf, auch einer bleiben zu dürfen.

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