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Insektenentferner im Test: Diese Mittel helfen wirklich

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Hartnäckige Verkrustungen  

Diese Insektenentferner helfen wirklich

29.10.2015, 15:48 Uhr | Annette Napp | Auto Motor und Sport

Insektenentferner im Test: Diese Mittel helfen wirklich. Wie viel spezielle Insektenentferner wirklich bringen, testete "Auto Motor und Sport" an zehn Produkten. (Quelle: Dino Eisele I Auto Motor und Sport)

Wie viel spezielle Insektenentferner wirklich bringen, testete "Auto Motor und Sport" an zehn Produkten. (Quelle: Dino Eisele I Auto Motor und Sport)

Wenn das Auto einem Fliegenfriedhof gleicht, sind Waschanlagen häufig überfordert. Spezielle Insektenentferner sollen helfen. Wie viel sie wirklich bringen, testete "Auto Motor und Sport" an zehn Produkten.

Insekten sind Freud und Leid zugleich. Sie bestäuben Blüten und halten unser Ökosystem in Gang. Mitunter gehen sie uns aber auch gehörig auf die Nerven. Aus Sicht der Autofahrer besonders, wenn ihre kläglichen Überreste die Frontpartie des Autos überziehen. Ignorieren sollte man den Fliegendreck nicht, sondern möglichst schnell entfernen. Ansonsten wird die Mischung aus Eiweiß und dem Chitin-Panzer der Insekten innerhalb kurzer Zeit richtig fest, Motorabwärme und Sonneneinstrahlung brennen sie mitunter sogar in die obere Klarlackschicht ein.

Waschanlagen entfernen nicht alle Insekten

Ähnliches gilt für Vogelkot. Ausschlaggebend dafür ist die sogenannte Glasübergangstemperatur, ab der der Lack weich wird – und das variiert von Auto zu Auto. Auch von der Windschutzscheibe sollten die kleinen Tierchen runter, bevor ihre harten Krusten die Wischergummis beschädigen. Doch moderne Waschanlagen sind mit solch hartnäckigem Schmutz oft überfordert. Sanfte Textilbürsten schonen zwar den Lack, reinigen aber nicht immer gründlich.

Insektenentferner versprechen Abhilfe 

Nachhelfen können Sie mit speziellen Insektenentfernern. Vor der Wäsche aufgesprüht, egal ob vor der Handwaschbox oder der Waschstraße, weichen sie die Insektenüberreste ein und lösen diese von der Karosserie. Wie effizient sie sind, hat auto motor und sport zusammen mit dem Labor der Firma Kärcher geprüft. Dafür wurden an Tankstellen, im Baumarkt, im Autozubehörhandel und im Internet zehn Produkte aus verschiedenen Preisklassen gekauft.

Mancher Spezialreiniger hat seine Mühe

Doch nicht alle überzeugen in puncto Reinigungswirkung. Sowohl unter Laborbedingungen als auch im Praxistest an mehreren im Alltag verschmutzten Fahrzeugen entfernen einige Reiniger nur mit Mühe knapp zwei Drittel des Schmutzes. Am schlechtesten in diesem Kapitel schneidet das Produkt von RS 1000 ab. Die beste Reinigungsleistung erzielt der Michelin-Insektenentferner, der zudem Testsieger ist.

Ein Lob verdient er zusätzlich für das EU-Ecolabel, das nur vergeben wird, wenn nachweislich keine umweltschädlichen Stoffe enthalten sind. Manch andere Produkte dagegen können zu gesundheitlichen Problemen führen. Zwar erzielt das Produkt von Sonax vor allem im Praxistest gute Ergebnisse, die enthaltenen Limonene können aber Allergien auslösen.

Nicht besonders gesundheitsförderlich

Auch die Mittel von Aral, Armor All und Dr. Wack können in verschiedener Form der Gesundheit schaden. Über den Insektenentferner von Würth ist in diesem Punkt keine Aussage möglich. Da der Reiniger nur an Fachpersonal abgegeben werden darf, gibt das Etikett keinerlei Informationen zu den Inhaltsstoffen – doch über Zwischenhandel im Internet kann mittlerweile jeder an das Produkt gelangen. Daher sollte Würth in diesem Punkt nachbessern. Die gemessenen pH-Werte liegen allesamt im unkritischen Bereich. Kein Produkt überschreitet die Grenze von 11,5 und ist als ätzend einzustufen.

Sorglose Benutzung birgt Gefahr für die Scheinwerfer

Allerdings zeigt der Test, dass man mit den Reinigern nicht allzu sorglos hantieren sollte. Denn einige Produkte hinterlassen bei der Prüfung Spuren an den verschiedenen Materialien. So erzeugt der Insektenentferner von Armor All bei längerer Einwirkzeit derartige Spannungsrisse im Polycarbonat, dass der Kunststoff zerbricht. Scheinwerfer- und Blinkerabdeckungen bestehen oft aus diesem Material. In Fugen oder Kanten kann sich im Alltag die Flüssigkeit sammeln und Schäden verursachen. Dies ist ein Grund, warum der Armor-All-Reiniger im Test Schlusslicht ist. Die Proben bei Liqui Moly, Nigrin und Sonax zeigen nach drei Stunden Einwirkung ebenfalls kleine Spannungsrisse. Daher sollte auf jede Anwendung eine gründliche Autowäsche folgen.

Der Lack wird meistens geschont

Positiv überrascht dagegen die Lack-Materialverträglichkeit. Weder bei 25 Grad Celsius Raumtemperatur noch bei 80 Grad greifen die Reiniger die Farbschicht an. In der Praxis kann es dennoch Probleme geben, denn nicht alle Lacke sind gleich. Insbesondere Reparaturlacke haben teils andere Eigenschaften und sind empfindlicher. Deshalb gilt generell die Empfehlung, die Insektenentferner nur auf abgekühlten Oberflächen und nicht in der prallen Sonne zu verwenden. Derartige Hinweise schreiben fast alle Hersteller auf die Verpackung. Lediglich Armor All verzichtet darauf.

Unterschiede bei der Handhabung

Die übrigen Anleitungen und Hinweise auf den Etiketten sind korrekt und vollständig. Allerdings geben nicht alle Hersteller eine genaue Einwirkzeit an. So zeigen sich im Umgang einige Unterschiede. Während der Liqui-Moly-Reiniger 5 bis 15 Minuten einwirken soll, genügen den anderen Mitteln bereits wenige Minuten. Auch die Konsistenz variiert. Vorteilhaft sind unter anderem zähflüssige Reiniger, die gut an der Karosserie haften und nicht so schnell antrocknen, sondern den Schmutz gut aufweichen (Dr. Wack, Liqui Moly, Nigrin, Sonax).

Ebenfalls angenehm sind Produkte, die fein zerstäuben und sich gut auf der Oberfläche verteilen (Dr. Wack, Michelin, Shell, Würth). Praktisch ist die auffallend orange Farbe des Dr.-Wack-Reinigers, da er so zielgerichtet aufgesprüht werden kann. Beim Thema Preis lässt sich keine eindeutige Tendenz feststellen. Während der Michelin-Reiniger aufgrund nachwachsender Rohstoffe mehr kostet, ist das fast gleichwertige Sonax-Produkt am günstigsten.

Insektenentferner: So wurde getestet

Im Labor des unabhängigen Reinigungsgeräteherstellers Kärcher überprüfen wir zum einen die Materialverträglichkeit der zehn chemischen Reiniger. Wir testen an Wischergummi, Polycarbonat (das häufig für Scheinwerfer- und Blinkergehäuse verwendet wird) und lackiertem Blech, ob die Flüssigkeiten das Material angreifen. Den pH-Wert und die Trockensubstanz, also wie viel Reinigungsmittel in der Flüssigkeit enthalten ist, messen wir dort ebenfalls. Zum anderen beurteilen wir die Reinigungswirkung unter standardisierten Bedingungen. Dafür wischt die Maschine dreimal über ein lackiertes Blech mit speziellem Testschmutz. Außerdem müssen die Produkte im Praxistest an verschiedenen Fahrzeugen beweisen, ob sie auch mit eingetrockneten Fliegenresten aus dem Alltag klarkommen.

Günstig und effektiv: Hausmittel im Test 

Die gute Nachricht: Sie können auf die Chemie verzichten und viel Geld sparen. Allerdings müssen Sie dafür etwas Zeit mitbringen. Denn schon mit klarem Wasser und einem normalen Schwamm lassen sich gute Reinigungsergebnisse erzielen, wenn die Fliegenreste lange genug vorher einweichen. Feuchte Küchen- oder Handtücher leisten hier gute Hilfe. Die vielfach empfohlene Zeitung dagegen kann besonders auf Lack unschöne Flecken hinterlassen, wenn sie doch einmal antrocknet. Wer etwas Einweichzeit sparen möchte, kann auf einen Insektenschwamm zurückgreifen. Im Baumarkt gibt es schon für wenige Euro Exemplare, die sogar den Lack reinigen, ohne Kratzer zu hinterlassen. Sanftes Reiben und viel Wasser zum Spülen entfernen selbst mehrere Tage alte Fliegenreste problemlos. Alternativ taugt dafür auch eine Nylonstrumpfhose. Spüli-Wasser ist zwar nicht chemiefrei, aber günstig und unterstützt die Prozedur im Praxistest merklich.

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