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Supersportwagen auf dem Wasser: 41’ SD GT3

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Superboliden auf dem Wasser

16.02.2016, 09:51 Uhr | Christian Sauer

Supersportwagen auf dem Wasser: 41’ SD GT3. Das neue Powerboat von Cigarette Racing und Mercedes-AMG. (Quelle: Daimler AG)

Das neue Powerboat von Cigarette Racing und Mercedes-AMG. (Quelle: Daimler AG)

Unser Autor Christian Sauer fuhr mit dem brandneuen, 2200 PS starken Powerboat vom Cigarette Racing Team, das zusammen mit Mercedes-AMG gestaltet wurde. Außerdem stellen wir die spektakulärsten Kooperationen anderer Auto- und Boots-Hersteller vor.

Foto-Serie mit 21 Bildern

Pünktlich zur Miami International Boat Show wurde die 41' SD GT3 vorstellt, die diesmal vom Design vom Mercedes-AMG GT3 Rennwagen inspiriert wurde. Die ideale Gelegenheit, den schwimmenden Boliden in den Gewässern Floridas während einer kurzen Fahrt zu testen.

Ein "Spielzeug für große Kinder"

Bei zwei 1100-PS-V8 mit jeweils 9,0 Liter Hubraum ist das Powerboat jedoch nicht gerade sparsam im Kraftstoffverbrauch. Doch gerade für die US-amerikanischen Kunden – insgesamt rund 50 Prozent aller, gefolgt von den Arabern – sollte der verschwenderische Umgang mit Benzin kein Problem sein. Wenn der 1325-Liter-Tank bei hohem Tempo nach gut einer Stunde leer ist, wird eben ohne Reue wieder vollgetankt. Im Mittelmeer oder auf einigen deutschen Flüssen wie dem Rhein, wo tatsächlich auch ohne Tempolimit mit solchen Booten gefahren werden darf, sieht das sicher anders aus.

Wer mehr als 800.000 Dollar für ein 12,50 Meter langes und 3,35 Meter schmales "Spielzeug für große Kinder" ausgibt, wird sich wohl um Tankfüllungen keine Gedanken machen. Es geht schließlich um den Kick. Zwar bietet das Cigarette Racing Team noch schnellere Modelle wie die 50' Marauder an, aber selbst die 150 km/h bei unserer Testfahrt mit dem bereits verkauften AMG-Einzelstück fühlen sich schon "verdammt geil" an.

Untermalt vom brachialen Sound des V8-Doppelpacks werden wir in die Sitze gepresst. In schnellen Kurven bleibt das 9-Tonnen-Geschoss mit weniger als einem Meter Tiefgang sehr gut kontrollierbar und der Geradeauslauf überrascht mit seiner Stabilität.

Hightech trifft Luxus

Anders als bei klassischen Performance Boats von Cigarette finden sich hier im Cockpit keine Rundinstrumente mit Chromzierrat.

Stattdessen gibt es hier drei hochauflösende 17-Zoll-Touchscreens zur Anzeige der zahlreichen Fahrdaten und zur Bedienung nahezu aller Funktionen – auch des lautstarken JL-Audio-Soundsystems. Einen weiteren Unterschied stellen das feste Hardtop und die große Windschutzscheibe dar, die zusammen subjektiv mehr Sicherheit als ohne sowie mehr Schutz vor der Sonne und vor dem sprichwörtlich "atemberaubenden" Fahrtwind bieten – zumindest für den Piloten in der Mitte am Steuerrad und seine zwei Co-Piloten daneben.

Auf den an sich bequemen Sitzgelegenheiten dahinter oder vorn im Bug prescht der Fahrtwind dagegen mit voller Wucht ins Gesicht. Wer Brillen oder Caps nicht gesichert hat, ist sie eigentlich schon los. Durch den Wegfall der extrem flachen Kabine mit Liegen wie bei den anderen Modellen, können in unserem Fall locker bis zu zwölf Personen mitgenommen werden und übernachten kann theoretisch auch ein Pärchen unter Deck. Auf Anregung von Gorden Wagener, Leiter Design Daimler AG, sorgen die seetaugliche Lederausstattung und der Teak-Vollholzboden für ein luxuriöses Yacht-Feeling. "Für das 41’ SD GT3 haben wir einige überraschende Design-Elemente von unserem Mercedes-AMG GT3 verwendet," so der Mercedes-Chefdesigner mit Faible für schnelle und schicke Boote.

Von James Bond zur Drogenmafia

Besonders in den USA haben sogenannte Offshore-Powerboats eine lange Tradition. Natürlich gab und gibt es auch andere Hersteller, aber Cigarette Racing hat sich über die Jahrzehnte zum Synonym für die gesamte Bootsklasse entwickelt. 1969 vom begeisterten Rennboot-Fahrer Don Aronow gegründet, rasten die ebenso langen wie schlanken PS-Boliden nicht "nur" bei Rennen allen anderen Konkurrenten davon. Auch in der legendären TV-Serie Miami Vice und in James Bond ("Lizenz zum Töten") waren die "Guten" damit den "Bösen" zumeist voraus. Doch es gab auch eine andere Seite: Drogenhändler nutzten die schnellen Boote zum Transport der wertvollen Ware.

Es war also kein Zufall, dass Firmengründer Don Aronow 1987 von der Drogenmafia direkt vor dem Firmensitz erschossen wurde, weil er die Werft erst einer Unterweltgröße verkaufen wollte, dann aber zurückzog und von einem Teil des bereits bezahlten Geldes nichts mehr wissen wollte. Danach wechselte Cigarette Racing mehrfach den Besitzer, bis der Unternehmer Skip Braver die Werft 2002 kaufte und seitdem erfolgreich führt.

Faszination an Land und auf dem Wasser

Inzwischen bauen knapp 100 Mitarbeiter am Stadtrand von Miami rund 50 Boote im Jahr – ausschließlich auf Bestellung und größtenteils in Handarbeit aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Hinsichtlich Farben und Materialien werden nahezu alle Kundenwünsche erfüllt, seien sie noch so ausgefallen. Ähnlich individuell, schnell und mehr als ausreichend motorisiert sind auch viele Kunden von Mercedes-AMG auf öffentlichen Straßen oder auf Rennstrecken unterwegs. Bei den Parallelen lag eine Zusammenarbeit der beiden High-Performance-Marken also nahe und seit 2007 besteht inzwischen die kreative Kooperation. 2010 wurde dann die erste Cigarette im AMG-Look zu Wasser gelassen und seitdem wird jedes Jahr pünktlich zur Miami International Boat Show eine weitere Paarung eines neuen AMG-Modells mit optisch dazu passendem Powerboat präsentiert. Bis auf eine Ausnahme – der Studie "Concept Cigarette AMG Electric Drive" mit Antriebs-Komponenten des rein elektrischen SLS AMG Coupé Electric Drive – sorgen allerdings keine Motoren von Mercedes für Vortrieb. Stark genug wären sicherlich vor allem die AMG-V8-Motoren, aber der Aufwand für die Marinisierung, also dem Einsatz auf dem Wasser, wäre enorm. Stattdessen vertraut Skip Braver mit seinem Team lieber auf die großvolumigen Motoren von Mercury Racing. Je nach Modell sind entweder bis zu vier Außenborder am Heck oder noch häufiger zwei Innenborder im Heck installiert. ​Doch die deutsch-amerikanische Kooperation stellt nur ein Beispiel für das Engagement von Automobil-Herstellern auf dem Wasser dar. In unserer Fotoshow zeigen wir weitere spektakuläre "Toys".

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