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Ducati Multistrada 1200 S Enduro - Fahrbericht

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Die neue Ducati ist eine Kampfansage an BMW

29.03.2016, 13:42 Uhr | Ulf Böhringer/SP-X

Ducati Multistrada 1200 S Enduro - Fahrbericht. Die 160 PS starke Multistrada 1200 Enduro (Quelle: fbn/SP-X)

Die 160 PS starke Multistrada 1200 Enduro (Quelle: fbn/SP-X)

Ducati drängt mit Macht in neue Segmente: Nach den Cruisern stehen jetzt die Reiseenduros auf dem Eroberungsplan. Mit der Enduro-Variante der Multistrada 1200 S wollen die Italiener BMW attackieren.

So viel wie in den letzten zwölf Monaten hat sich im Segment der hubraum- und leistungsstarken Reiseenduros, die bislang von der BMW R 1200 GS dominiert wird, noch nie zuvor getan: Nach der KTM 1290 Super Adventure vor rund einem Jahr und der überarbeiteten Triumph Tiger Explorer XCA vor wenigen Wochen bringt jetzt auch noch Ducati ein Monster-Offroadbike: Die 160 PS starke Multistrada 1200 Enduro ist zugleich das erste Motorrad aus Bologna, das auf losem Untergrund Furore machen soll.

Obenraus gibt's kein Halten Basis der Enduro-Version ist die seit zwei Jahren bekannte Multistrada 1200 S mit dem kräftigen 1200er-Zweizylinder mit variabler Ventilsteuerung DVT. Nur das Motormapping des Triebwerks musste für den Einsatz in der Enduroversion modifiziert werden; es überzeugt rundum (und kann übrigens von den Werkstätten auch auf bereits ausgelieferten DVT-Multistradas

aufgespielt werden). Das Ansprechverhalten des Motors ist nun wesentlich feiner, das Triebwerk nimmt in den Gängen eins und zwei schon ab 1500 Touren Gas an und zieht selbst im höchsten Gang schon ab ca. 2200 U/min. saftig durch. Obenraus gibt’s mit den vorhandenen 160 PS bekanntlich eh' kein Halten.

Dass eine artgerecht, nämlich gasig bewegte 1200er gut gefüttert werden muss, erstaunt nicht. Die vom Bordcomputer angezeigten 6,5 Liter gehen deshalb in Ordnung. Dank des 30-Liter-Tanks ist Reichweite nur ein untergeordnetes Thema. 

Zweiarmschwinge für bessere Fahrstabilität 

Stark verändert hat Ducati das Fahrwerk: Neben vielen Detailmodifikationen wurde die schöne Einarmschwinge durch eine neue Leichtmetallguss-Zweiarmschwinge ersetzt, um die nötige Fahrstabilität zu gewährleisten. Bodenfreiheit und Federwege wuchsen um drei Zentimeter. Das semiaktive Dämpfungssystem DSS wurde angepasst; wir nutzten onroad die Programme Road (passt für Touring gut) und Sport (beruhigt bei härterer Fahrweise deutlich die Front), abseits des Asphalts wählten wir "Enduro". Diese Einstellung lässt bei reduzierter Traktionskontrolle viel Schlupf auf losem Untergrund zu, deaktiviert das ABS des Hinterrads und stellt die Dämpfung offroadorientiert, nämlich weich ein.

Wir kamen damit sowohl auf Sandwegen, aber auch auf steinigen, sehr ruppigen Pfaden ausgezeichnet zurecht. Nicht verstellbar ist die Serien-Sitzhöhe von 87 Zentimetern; zwei kostenpflichtige Sondersitze mit je +/- 2 cm stellen die nötige Varianz her. Die Ergonomie stimmt beim Fahren im Sitzen wie im Stehen gleichermaßen; dank der schlanken Fahrzeugtaille und des verstellbaren Rohrlenkers plus höhenverstellbarem Bremspedal ist die Fahrzeugkontrolle durchweg ausgezeichnet. Die Befestigung der Alukoffer konnte noch nicht überzeugen – eventuell ein Vorserien-Problem. Die Koffer liegen dank des abgeänderten Endschalldämpfers relativ dicht am Motorrad an und sind auch ausreichend groß. Mit montierten Koffern ist das Heck (1,02 m) zwei Zentimeter breiter als die Front.

LED-Kurvenlicht, aber kein Schaltassistent

Um eine Berganfahrhilfe ("Vehicle Hold Control") erweitert wurde die ohnehin schon sehr reichhaltige Elektronik-Ausstattung; sie soll bei Steigungen und Gefällen bis zu 46 Prozent funktionieren. Alle anderen Helfer (Traktionskontrolle, Tempomat, Kurven-ABS, Wheelie-Kontrolle, LED-Kurvenlicht, schlüsselloses Startsystem) aus der Multistrada 1200 S sind an Bord geblieben. Schade, dass es auch für die Multistrada Enduro keinen Schaltassistenten, keine elektronische Reifendruckkontrolle und auch keine Blinker-Rückstellautomatik gibt. Auch die Integration eines Navi hat Ducati sich gespart. Typisch Ducati ist das "Jammern" beim Starten des Motors. Keiner dieser Kritikpunkte ist jedoch ein "No go". Dennoch passen diese Ungereimtheiten nicht zum hohen Anspruch von Ducati und auch nicht zum Fahrzeugpreis von 19.990 Euro. Schlussendlich muss man Ducati für seine Multistrada 1200 Enduro große Anerkennung zollen: Die Konzeption ist gut, auch die Umsetzung ist gelungen und in nahezu allen Punkten zudem sehr praxisgerecht. Für einen Hersteller, der bislang keine Offroad-Kompetenz vorzuweisen hat, ist diese Duc sogar ein unglaublich starker Aufschlag. Jetzt braucht’s einen langen Atem, um die bislang ganz und gar nicht offroad-affinen Ducati-Kunden begeistern zu können.

Technische Daten Ducati Multistrada 1200 Enduro

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylindermotor in L-Konfiguration, 1198 ccm Hubraum, 118 kW/160 PS bei 9500/min., 136 Nm bei 7500/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kette. Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen; vorne 48 mm Upside-down-Telegabel, Federvorspannung einstellbar, Dämpfung semiaktiv angesteuert, 200 mm Federweg, Lenkungsdämpfer; hinten Aluminiumguss-Zweiarmschwinge, semiaktiv angesteuertes Zentralfederbein, Vorspannung elektronisch justierbar, 200 mm Federweg; Aluminiumfelgen mit Stahlspeichen; Reifen 120/70 R 19 (vorne) und 170/60 R 17 (hinten). 320 mm Doppelscheibenbremse vorne, 265 mm Einscheibenbremse hinten. Assistenzsysteme: Kombinations-ABS mit Kurvenfunktion und Offroad-Programm, Traktionskontrolle, Ride-by-Wire mit 5 Motor-Mappings, Berganfahr-Hilfe, Wheelie-Kontrolle, Geschwindigkeits-Regelanlage, elektronische bzw. semiaktive Fahrwerksverstellung, Antihopping-Kupplung, LED-Kurvenlicht, schlüsselloses Startsystem. Maße und Gewichte: Radstand 1,59 m, Sitzhöhe 87 cm, Gewicht fahrfertig 254 kg; Tankinhalt 30 l. Fahrleistungen: 0-100 km/h ca. 3,2 s, Höchstgeschwindigkeit ca. 250 km/h. Normverbrauch lt. EU4 5,6 l/100 km, Testverbrauch lt. Bordcomputer 6,5 l/100 km. Preis: 19.990 Euro, Travel-Pack (Alu-Koffer mit Trägern, Griffheizung, Lenkertasche) 1665 Euro.

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