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Bootsführerschein: Die Lizenz zum Ablegen

13.09.2016, 11:46 Uhr | Uwe Kauss, wanted.de

Bootsführerschein: Die Lizenz zum Ablegen. Die Verantwortung für Schiff und Mannschaft trägt der Skipper.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Verantwortung für Schiff und Mannschaft trägt der Skipper. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Raus aufs Wasser. Den Motor starten, Leinen los, und dem Horizont entgegen. Allerdings nur mit dem richtigen Bootsführerschein: Motorboot oder Segelyacht, Meer oder Fluss – die richtige Lizenz ist der Schlüssel zum Wassersport. Welche Scheine für welche Schiffe nötig sind, was sie kosten und wie viel Zeit man zum Bestehen benötigt, erklärt Prüfer, Ausbilder und Lehrbuch-Bestsellerautor Rolf Dreyer.

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Der strenge Prüfer gratuliert den erschöpft dreinschauenden Männern und Frauen nach bestandener Prüfung zum Sportbootführerschein See und lächelt: "Sie haben heute die Lizenz erworben, mit der der Sie Ihr Boot überall auf der Welt versenken dürfen." Alle lachen. Ein alter Witz unter Wassersportfans, aber er enthält einen wahren Kern. Denn wer an der Nord- oder Ostsee ein Schiff mit mehr als 15 PS führen will, benötigt den Sportbootführerschein (SBF) See. Boote mit weniger Motorleistung und weniger als 15 Meter Länge lassen sich dort führerscheinfrei fahren. Das ist allerdings nicht genug für einen lässigen Törn entlang der Küste.

Mit so einem Motorboot fährt man raus zum Angeln, dreht eine Runde um den Hafen oder tuckert in die Bucht zum Schwimmen. Maritime Erlebnisse sind ohne Führerschein verdammt selten. Und nicht nur an der Küste: Wer auf Binnenseen und Flüssen die Bugwelle genießen will, braucht den "Sportbootführerschein Binnen" unter Segel oder Motor. "Auf dem Rhein, allen Landesgewässern und dem Bodensee sind dabei sogar nur Boote mit fünf PS führerscheinfrei", erklärt Rolf Dreyer. 

Zertifikat weltweit anerkannt

"Der 'Sportbootführerschein See' erschließt die Welt des Yacht- und Bootsports", schwärmt Dreyer, "ob Sylt oder Seychellen – damit lassen sich überall Motorboote mieten und losfahren. Sei es eine Megayacht oder ein kleines Schlauchboot." Der amtliche Führerschein ist durch ein Zertifikat der UN weltweit anerkannt.

Doch eine Segelyacht lässt sich damit nicht chartern: "Dazu benötigt man den Sportküstenschifferschein, kurz SKS." Um ihn zu absolvieren, ist der 'Sportbootführerschein See' notwendig, dazu kommt eine umfangreiche Theorie- und Praxisausbildung mit mindestens 300 gefahrenen Seemeilen. Darin wird das Wissen vermittelt, um als Skipper die Verantwortung für eine Segelyacht samt Mannschaft zu übernehmen. "Charter-Unternehmen wollen sich vor Übergabe einer 200.000 Euro teuren Yacht überzeugen, dass der Charterer das Boot führen kann. Segeln gehört aber weder zum Ausbildungs- noch zum Prüfungsstoff des SBF See. Die Versicherungen verlangen daher den SKS vom Skipper. Liegt der nicht vor, zahlen sie bei einem Schaden nicht", erklärt Dreyer.

Zeit und Geld sparen

Einsteigern empfiehlt der Ausbilder, mit dem 'Sportbootführerschein See' zu beginnen, auch wenn er nur auf Binnengewässern unterwegs sein will. "Es ist nach meiner Erfahrung recht selten, dass jemand ausschließlich dort fahren will. Wer aber so einsteigt, spart viel Zeit und Geld", beschreibt er das Vorgehen. Der Grund: "Wer den SBF See besteht, bekommt beim SBF Binnen unter Motor ein Drittel der Theorie sowie die Praxisprüfung erlassen". Denn die theoretische und praktische Vorbereitung benötige viel Zeit und Konzentration.

"Der Weg zum Bootsschein ist anspruchsvoller als zum Autoführerschein", warnt er vor dem häufigen Unterschätzen des Prüfungsstoffes. "Die Komplexität ist höher, denn mit dem Straßenverkehr wachsen wir auf. Wir können an der Ampel Rot und Grün unterscheiden. Doch mit den Regeln, Signalen und Zeichen auf Wasserstraßen können die meisten Kursteilnehmer zum Start nichts anfangen. Da muss man sich rein arbeiten."

Anspruchsvolle Fragen

Bei der Prüfung zum SBF See werden 30 von 285 teils sehr anspruchsvollen Fragen im Multiple Choice-Verfahren mit je vier dicht beieinander liegenden Antwortmöglichkeiten abgefragt. Dazu sind einige ziemlich komplexe Navigationsaufgaben zu lösen. Hat man diesen Teil bestanden, folgt die praktische Prüfung: Hier müssen beispielsweise oft verwendete Knoten geknüpft werden, das Peilen, das Beherrschen des Schiffs in kritischen Situationen, ein Mann-über-Bord-Manöver sowie das An- und Ablegen absolviert werden.

Bei der Theorieprüfung zum Binnenschein für Segel und Motor sind sogar 300 Fragen zu beherrschen. Einige Verkehrsregeln und Schifffahrtszeichen haben auf Binnengewässern eine andere Bedeutung als auf See – da gilt es, umzudenken. Auch die praktische Segelprüfung ist relativ anspruchsvoll, und manche Prüfer sind dabei ziemlich streng. "Da muss man schon was dafür tun", sagt Dreyer.

Preise variieren stark

Wer den 'Sportbootführerschein See' absolviert, benötigt viel Zeit: "In meinen Wochenendkursen arbeiten wir einmal samstags und sonntags, danach muss man je nach Talent mindestens zehn Lernabende einplanen, um die Prüfung zu bestehen", erläutert Rolf Dreyer den Aufwand. Dazu kommen mindestens fünf Praxisstunden. Das kostet, je nach Yachtschule, an der Küste etwa zwischen 450 und 600 Euro, dazu kommen Lehrbücher, Navigationsbesteck und die rund 80 Euro teure Prüfungsgebühr. Wird der Binnenschein gleich dran gehängt, lassen sich 200 bis 300 Euro sparen. Doch die Preise variieren in Deutschland stark: "Am günstigsten sind die Kurse an der Nord- und Ostsee, um einiges teurer sind sie dagegen in Baden-Württemberg", weiß Dreyer. Dazu kommen noch die Kosten für die ärztliche Untersuchung, um Farbenblindheit, Schwerhörigkeit und schwere Krankheiten wie Epilepsie auszuschließen. Ohne sie keine Prüfung. Daher sollte man knapp 1000 Euro und viel Zeit einplanen, bis es losgehen kann.

Kontrollen sind nicht selten

Juristische Schlupflöcher, um die Führerscheinpflicht zu umgehen, gibt es übrigens keine. "Wer die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und in Deutschland lebt, braucht einen deutschen Bootsführerschein", klärt Dreyer auf. Wer woanders lebt, darf in deutschen Gewässern mit dem ausländischen Schein maximal zwölf Monate fahren. Danach ist die Bootsscheinprüfung fällig. Eine Anerkennung von ausländischen Scheinen gibt es nicht – da sind die Behörden sehr streng. Wer aber ohne gültigen Führerschein auf dem Wasser bei einer gar nicht so seltenen Kontrolle erwischt wird, zahlt 150 Euro Bußgeld – beim zweiten Mal kann es passieren, dass nicht nur der Boots- sondern dazu auch gleich der Autoführerschein einkassiert wird. Da gilt: Verkehr ist Verkehr.
 

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