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Was gegen Pendler-Stress helfen kann

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Neuer Rekord beim Pendeln  

Gesund zur Arbeit und zurück: Das hilft gegen Pendler-Stress

31.07.2017, 12:34 Uhr | dpa

Was gegen Pendler-Stress helfen kann. Tägliches Pendeln bedeutet Stress. Was Sie dagegen tun können. (Quelle: dpa/Martin Gerten/dpa)

Tägliches Pendeln bedeutet Stress. Was Sie dagegen tun können. (Quelle: Martin Gerten/dpa/dpa)

Pendler kennen das: wieder ein Stau, die Nerven liegen blank. Träge rollt das Auto durch den Berufsverkehr. Diesen Stress muss allerdings niemand aushalten. Dagegen lässt sich etwas unternehmen – zum Beispiel mit Heavy Metal.

Der Blutdruck steigt, der Puls pocht, die Atmung wird schneller. Pendeln kann Stress auslösen oder verstärken. "Je weiter der Weg ins Büro ist, desto problematischer", sagt Verkehrspsychologin Andrea Häußler vom Tüv Süd in Stuttgart.

Anzahl der Pendler steigt

Der Anteil der Pendler in Deutschland liegt nach aktuellen Zahlen des Bonner Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung bei 59,4 Prozent aller Berufstätigen – ein neuer Rekordwert. Die meisten Pendler gibt es demnach in München und Frankfurt am Main, den größten Zuwachs in Berlin. Neben der Zahl der Pendler ist auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswege gestiegen.

Und: Mehr als jeder vierte Erwerbstätige (26 Prozent) hat sogar einen täglichen Arbeitsweg von mindestens einer Stunde. Das ergibt sich aus dem vergangenen Mikrozensus. Der Pendleranteil sei weitgehend unabhängig von Alter und Bildung, sagt Heiko Rüger vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden: Gependelt wird also fast immer und überall.

Unterschied bei Männern und Frauen

Ein Unterschied zeigt sich jedoch bei den Geschlechtern: "Frauen ohne Kinder sind annähernd so pendelmobil wie Männer. Werden sie aber Mütter, dann reduziert sich die Pendelbereitschaft und auch die tatsächliche Pendeldauer", erläutert der Soziologe.

Gesundheit leidet

Verschiedene Studien zeigen zudem: Wächst die Pendelstrecke, sinkt bei vielen Menschen die mentale und physische Gesundheit, genau wie die Lebenszufriedenheit. "Eine aktuelle Studie findet für Personen mit langen Pendelstrecken beispielsweise erhöhte Risiken für Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Migräne", erklärt Rüger. Man sehe aber auch Zusammenhänge zu psychosomatischen Beschwerden wie Erschöpfungszuständen, Verspannungen, Schlafstörungen und sogar Depressionen.

Doch nicht alle Pendler leiden unter ihrer Situation. Verkehrspsychologin Andrea Häußler sagt: Machen sie es für einen tollen Job, gehen Pendler in der Regel gelassener mit dem Stress um. Wer unterwegs bei guter Musik oder einem spannenden Buch abschalten kann, leide ebenfalls weniger unter der Fahrerei. "Alles, was entspannt, ist erlaubt", sagt die Expertin. "Ob Heavy-Metal-Musik oder Hörspiele im Auto, stricken oder ein Smartphone-Spiel im Zug – Hauptsache man nimmt die Pendelzeit nicht als verlorene oder anstrengende Zeit wahr."

Diese Faktoren spielen eine Rolle

Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland pendeln zu ihrem Arbeitsplatz. (Quelle: dpa/Paul Zinken)Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland pendeln zu ihrem Arbeitsplatz. (Quelle: Paul Zinken/dpa)

Auch die gewählten Verkehrsmittel, Arbeitszeiten und die Fahrtdauer spielen eine Rolle. Andrea Häußler pendelt selbst jeden Tag eine Stunde nach Stuttgart – allerdings mit dem Zug. Die meisten Pendler fahren laut Mikrozensus mit dem Pkw (66 Prozent), nur rund 14 Prozent sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Ist die Verkehrsanbindung zum Arbeitsplatz gut, lässt sich die Pendelzeit in öffentlichen Verkehrsmitteln freier gestalten. Nur wer mit Zug oder Bus lange unterwegs ist, öfter umsteigen oder mit häufigen Ausfällen und Verspätungen rechnen muss, fährt besser mit dem Auto.

Das ist beim Pendeln tabu

Für Autofahrer sollten knapp geplante Termine vor Abfahrt oder hektisches Organisieren unterwegs tabu sein. "Wenn man ins Auto steigt, sollte man den beruflichen Stress hinter sich lassen, durchatmen und abspannen", rät Häußler. "Sonst steigt das Unfallrisiko." Auch regelmäßige Pausen und gesunde Ernährung sind wichtig, sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. "Obst und Wasser oder Tee sind gesünder als Fastfood und süße Limonade."

So ist sogar gesundes Pendeln möglich

"Eine Studie belegt zum Beispiel, dass Pendler im öffentlichen Nahverkehr schlanker und gesünder sind, da sie mehr Laufstrecke als Autofahrer haben", erklärt Wahl-Wachendorf. Auch Bevölkerungsforscher Heiko Rüger sagt: Wer einen Teil der Strecke läuft oder mit dem Rad fährt, bleibt eher fit.

"Pendler sollten gründlich planen, wann sie losfahren und wie sie Stress vermeiden können", empfiehlt Heiko Rüger. "Wichtig ist, für Ausgleich durch Sport, Entspannung und ausreichend Schlaf zu sorgen. Falls möglich, lassen sich die Pendler bei Hausarbeit und Kinderbetreuung entlasten."

Wann lohnt sich Pendeln nicht mehr?

Ebenfalls wichtig: Pendler sollten ihre Wohn- und Lebenssituation gelegentlich infrage stellen. Die optimale Reiseroute könne sich genauso verändern wie die eigene Gesundheit oder berufliche Wünsche. Vielleicht ist ja die Zeit für einen Umzug gekommen? "Da muss ich mich fragen: Bin ich der Typ dazu oder würde mich das vielleicht stressen?", sagt Häußler. "Wenn ich umziehe, kann ich an meinem Leben, das ich im Heimatort führe, nicht mehr teilhaben. Ich falle aus meinem sozialen System raus, das ist für die Familie belastend, das Vereinsleben klappt nicht mehr."

Ein Gespräch mit dem Chef oder dem Betriebsrat bietet sich ebenfalls an, wenn das Pendeln zur Belastung wird. Flexible Arbeitszeiten durch Gleitzeit oder Tage im Home Office reduzieren nicht nur Stress, sondern können sogar die Kreativität fördern.

Außerdem könnten Arbeitgeber ihre Beschäftigten bei der Finanzierung der Pendelkosten unterstützen, ergänzt Marta Böning, Referatsleiterin Individualarbeitsrecht beim Deutschen Gewerkschaftsbund. "In vielen Unternehmen konnten Betriebsräte entsprechende Regelungen bereits durchsetzen." Solche flexiblen Arbeitszeit-Modelle haben noch einen Vorteil: Je mehr Pendler auch mal zu Hause arbeiten können, desto weniger Autos sind auf der Straße.

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