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Michalak  

Der Recycling-Roadster

27.03.2007, 13:40 Uhr | Spiegel-Online, t-online.de

Michalak C7 (Foto: Michalak)Michalak C7 (Foto: Michalak) Von Tom Grünweg

Ist der Smart Roadster tatsächlich tot? Bei Bernd Michalak lebt der Zweisitzer weiter. Leichter, puristischer und sportlicher, als es das Original je war. Und billiger auch. Einziger Nachteil: Man muss den C7 selbst montieren. Aber gerade das ist der Reiz an der Sache.#

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Bernd Michalak will es einfach nicht in den Kopf: Da stürmen Tausende jeden Samstag die Baumärkte und stampfen ganze Häuser in Eigenregie aus dem Boden. Aber an ihrem Wagen können sie nicht einmal mehr die Glühbirnen wechseln. "Von der Industrie eingeschüchtert, hält jeder ein Auto für so komplex, dass er partout die Finger davon lässt", klagt der Mainzer Designer und verspricht tatendurstigen Autofreunden nun Abhilfe. Inspiriert von der großen Kit-Kar-Szene in England hat er einen kleinen Roadster für die Do-It-Your-Self-Gesellschaft entwickelt, mit dem Wolfsburg, Rüsselsheim oder Sindelfingen auch in Wattenscheid, Rosenheim und Sachsenhausen liegen.

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Roadster ab 8900 Euro
Der kleine Zweisitzer, der draußen vor Michalaks Werkstatt voller Charme in der ersten Frühlingssonne glänzt, wird nicht nur am Stück ausgeliefert. Sondern auch in Einzelteilen. Michalak verkauft für Preise ab etwa 8900 Euro einen Rollwagen voller Einzelteile und eine Bauanleitung so dick wie eine Ausgabe des Spiegel, mit deren Hilfe aus einem ganz gewöhnlichen Smart der puristischste Roadster diesseits des Lotus Elise wird.

Auffälliges Design
Der bereits ein rundes Dutzend mal verkaufte Bausatz besteht aus einem Gitterrohrrahmen samt Bodenplatte, über den eine Kunststoffkarosserie mit langer, schlanker Haube, freistehenden Kotflügeln und bootsförmigem Heck gespannt wird. Das Design des 3,50 Meter kurzen und 0,96 Meter flachen C7 ist frisch, eigenständig und ausgesprochen auffallend. Denn auf solche Nebensächlichkeiten wie Seitenscheiben oder ein Verdeck muss der Kunde verzichten - oder sie gegen Aufpreis nachrüsten.

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Smart, neu zusammengebaut
Die Technik ist bekannt und bewährt. Eigentlich ist der C7 nur ein demontierter und mit ein paar neuen Teilen wieder zusammengebauter Smart. Fahrwerk, Lenkung, Bremsen, Elektronik, Sitze und Instrumente stammen ebenso vom Original wie ABS, ESP und Airbag, die man bei Kit-Cars sonst eher selten bekommt. Außerdem übernimmt der Entwickler natürlich die gesamte Antriebseinheit aus Motor, Getriebe und Hinterachse, die mit nur vier Schrauben befestigt ist. "Auf diese Weise wird aus einem gebrauchten oder verunfallten Kleinwagen im Handumdrehen ein neuer Sportwagen", sagt Michalak.

Sauberes und schnelles Leichtgewicht
Und die Bezeichnung Sport meint Michalak durchaus ernst. Schließlich wiegt der Zweisitzer nur zirka 660 Kilo, so dass er mit den ganz gewöhnlichen Smart-Dreizylindermotoren schon gewaltig Dampf entwickelt. 0 auf 100 in unter zehn Sekunden und ein Spitzentempo von mehr als 200 km/h sind für den C7 möglich. Dabei steht es dem Käufer frei, ob er als Basis den 101 PS starken Motor aus dem Smart Brabus nimmt oder sich mit dem 45-PS-Diesel begnügt, um damit den weltweit sparsamsten Roadster zu fahren. "Ein Durchschnittsverbrauch von unter vier Litern und durchschnittlich 88 Gramm CO2 pro Kilometer sind ja in Zeiten der aktuellen Umwelt-Diskussion kein schlechtes Argument", sagt Michalak.

Neue Basis geplant
Wie die Kunden bastelt auch er stets weiter am C7. So plant er für etwas mehr Komfort gerade eine Heizung, mitlenkende Kotflügel sollen den Showeffekt steigern, und an erweiterten Stauraum hat er auch gedacht: Im Computer ist die Shooting-Brake-Variante schon fertig. Außerdem will er dafür sorgen, dass man als Basis künftig auch die zweite Smart-Generation nutzen kann.

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Zusammenbau ohne großes Know-how
"Viel Know-how braucht man für die Montage nicht", verspricht der Mainzer, "und auch keine Spezialwerkzeuge." Es wird nicht geschweißt, das Auto muss nie auf die Hebebühne, und Spenglerarbeiten fallen auch nicht an. "Eine gute Woche Urlaub, eine leere Garage und ein voller Werkzeugkasten sind alles", sagt Michalak, der dennoch um die Befürchtungen seiner Kunden weiß. Deshalb bietet er einen unter Automobilherstellern einzigartigen Service: Wer sich die Arbeiten alleine nicht zutraut, dem besorgt er eine Ferienwohnung und räumt die eigene Werkstatt frei. Dann können vorsichtige Hobby-Schrauber unter Profiaugen arbeiten. "Aber keine Sorge", sagt Michalak. "Wer die Möbel von Ikea zusammen bauen kann, wird auch mit dem C7 keine Probleme haben. Und falls doch, kann jedes Smart-Center helfen."

Papa verschwindet in der Werkstatt
Natürlich heißt das Endziel Fahrspaß. Doch für den Designer ist der Weg dahin mindestens genau so wichtig: "Wir verkaufen nicht nur ein Fahrzeug, sondern geben dem Kunden auch das Vertrauen in die eigene Stärke zurück", philosophiert der Entwickler. Der Autofahrer, dem die Hersteller oft sogar die Fähigkeit zum Reifenwechsel absprechen, wird in seiner Vision zum Westentaschen-Daimler, der daheim im Hobbykeller das Auto neu erfindet oder zumindest montiert. Statt zur Selbsterfahrungsgruppe bei Meditation und Yogitee in die Garage zu Radmutter und Schraubenschlüssel? "Warum nicht. Schließlich ist es ein tolles Gefühl, wenn man tatsächlich sein eigenes Auto gebaut hat", schwärmt Michalak und wünscht sich möglichst viele Väter, die mit ihren Söhnen übers Wochenende in der Werkstatt verschwinden. "Früher haben wir unsere Autos mit Lego gebaut, jetzt ist der Bausatz halt ein bisschen größer."

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