16.09.2010, 11:43 Uhr | ADAC
Gegenwärtig gibt es nur wenige Ladestationen für die ersten Elektroautos (Foto: RWE)
Zurzeit kommen die ersten Elektroautos auf den Markt. Angesichts hoher Spritpreise und schwindender Ölreserven setzen viele Experten und auch die Autoindustrie ihre Hoffnungen in die Elektromobilität. Die Autobauer investieren derzeit Milliarden in die Entwicklung der neuartigen Fahrzeuge. Doch das könnte sich als teurer Irrtum erweisen. Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck betrachtet das E-Auto als "kolossalen Flop".
Im Interview mit dem Magazin "Stern" malt Lohbeck für Privat-Pkw eine düstere Zukunft aus. Er geht davon aus, dass das privat genutzte Auto in 50 Jahren "nicht mehr Statussymbol der Gesellschaft" sein wird. Es werde wahrscheinlich noch ein paar Autos geben, aber nur kleine Fahrzeuge.
Elektroautos dürften die bisherigen Sprit-Modelle kaum ablösen können. "Die Vorstellung eines 'All-purpose-Autos' mit Elektroantrieb ist absurd". Gegenwärtig sei das Auto das "private Wohnzimmer", es fährt zwei oder auch 2000 Kilometer, befördert laut Lohbeck eine oder mehrere Personen. Es fährt mit nur einer Person oder der ganzen Familie. Diese Art von Fahrerlebnis könne ein Elektroauto nicht leisten.
In der Tat bieten die aktuellen E-Autos nur eine äußerst geringe Reichweite, die gerade mal für den Stadtverkehr reicht. Das Wiederaufladen der Batterie dauert mitunter Stunden. Überdies sind die aktuellen Elektroautos sehr teuer. So soll der Elektro-Kleinwagen Mitsubishi i-MiEV, der Ende 2010 in Europa auf den Markt kommt, weit über 30.000 Euro kosten. Für das Geld bekommen die Kunden auch einen gut ausgestatteten 3er BMW. Vor allem die Kosten für die Batterie machen die ersten Elektro-Wagen derzeit so kostspielig.
Bei einer Massenproduktion dürften die Preise aber rasch sinken. Doch bis es soweit ist, fordern viele Experten und Politiker Subventionen für Elektroautos und den Ausbau eines flächendeckenden Netzes von Ladestationen. Doch davon hält Greenpeace-Experte Lohbeck wenig: Er befürchtet, dass die Atom- und Stromversorger damit lediglich ihre Vormachtstellung im Energiebereich auf den Bereich der Mobilität ausweiten würden.
Stattdessen spricht sich der Öko-Lobbyist für eine systematische Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) aus, etwa durch einen Nulltarif für Bus und Bahn. Damit würde man "auf einen Schlag sehr viel bewegen", so der Greenpeace-Repräsentant. Die Zukunft gehöre ohnehin neuen, individuellem Mobilitätskonzepten wie etwa dem Car-Sharing. "Ein Auto nicht zu besitzen, aber es dann zu nutzen, wenn man es benötigt – das ist der entscheidende Aspekt".
16.09.2010, 11:43 Uhr | ADAC
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