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Marussia: Russlands Antwort auf Ferrari

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Russland liebt den Lamborghinski

12.11.2010, 14:41 Uhr | Benjamin Bidder, Moskau, Spiegel Online

Marussia: Russlands Antwort auf Ferrari. Marussia B-1 (Foto: Marussia)

Marussia B-1 (Foto: Marussia)

Ausgerechnet auf dem Gelände einer ehemaligen Rüstungsfabrik soll Russlands Aufstieg zur Sportwagen-Nation beginnen: Bei Moskau wird der Marussia gebaut, eine Kreuzung aus Lamborghini und Ferrari. Demnächst soll der rasende Russe sogar in der Formel 1 mitmischen.

Russlands Glamourprojekt

Betonplatten, Stacheldraht, Einheitsgrau: In dem Industriegebiet nordöstlich von Moskau hat sich seit dem Untergang des Sowjetreichs auf den ersten Blick nicht allzu viel getan. Doch hier, auf vom Gelände einer ehemaligen Rüstungsfabrik, gleich neben dem Kühlschrank-Hersteller "Schneeflöckchen", ist eines von Russlands Glamourprojekten zu finden.

Marussia B-2 verfügt über 420 PS

In einer blitzsauberen Werkhalle schrauben Arbeiter eine Luxuskarosse zusammen, die so gar nicht nach Sozialismus riecht, sondern eher nach Miami und Côte d'Azur. Das Auto mit der Modellbezeichnung B-2 hat nichts gemein mit klapprigen Ladas und Wolga-Karossen. Er sieht stattdessen aus wie eine Kreuzung aus Ferrari und Lamborghini, hat bis zu 420 PS und schnittige Scherentüren. Die westliche Fachpresse lobt den Wagen bereits als "Rakete auf Rädern".

Die Firma Marussia hat die Werkshalle angemietet. Im Namen steckt "Russia", und Jefim Ostrowski, einer der vier Investoren, möchte das durchaus als Programm verstanden wissen. "Wir wollen zeigen, dass das neue Russland nicht nur ein modernes Auto für den eigenen Markt schaffen kann, sondern eines für die ganze Welt", sagt Ostrowski, 42, der sich selbst gern als "Architekt von Lebensart" bezeichnet. Der russische Dandy trägt das Haar schulterlang und hat eine kleine goldene Brille auf der Nase.

PS-starker Traum aus Aluminium, Karbon und extra-festem Stahl

In den Werkshallen fertigen 150 Mitarbeiter in weißen Overalls seinen neuen Flitzer: ein PS-starker Traum aus Aluminium, Karbon und extra-festem Stahl, der auch in der Luftfahrtindustrie verwendet wird. Sie bauen ein neues Auto für ein neues Russland: dynamisch wie das boomende Moskau und kraftvoll wie die Nation, die Premierminister Wladimir Putin zu neuer Größe führen will.

Marussia setzt auf Exklusivität

Wenn es um die Unterstützung der heimischen Autoindustrie geht, legt Putin gern selbst Hand an. Im September tourte er am Steuer eines im gelben Lada durch Sibirien. Den ersten in Wladiwostok vom Band laufenden Geländewagen brachte er gleich selbst an den Mann und verkaufte den Jeep, Typ "Patriot", seinem Freund Silvio Berlusconi.

Russlands Antwort auf Ferrari

Russland gilt in Europa als aussichtsreichster Pkw-Wachstumsmarkt, allein im September stieg die Zahl der Neuzulassungen um 55 Prozent. Nach dem Vorbild von Japan und Südkorea will Putin eine schlagkräftige Kraftfahrzeugbranche formen: Bis 2020 sollen Russlands Autobauer ihre Jahresproduktion auf drei Millionen Pkw verdoppeln. Ostrowski träumt seit 1994 von einem eigenen Sportwagen, von Russlands Antwort auf Ferrari. Anfang der Neunziger aber, die Sowjetunion war gerade untergegangen, stürzte das Land zunächst in die Armut. "Über welche Investitionen und Innovationen konnte man damals sprechen?", sagt der Unternehmer.

40 Sportwagen haben die Fertigung inzwischen verlassen. Ostrowskis Partner Nikolai Fomenko, Ex-Rocksänger und Ex-Rennfahrer, schwärmt schon von mehr als 700 Bestellungen, davon "nicht wenige aus dem westlichen Ausland und zwanzig schon im Voraus bezahlt". In drei bis vier Jahren will das Unternehmen bis zu 10.000 Autos im Jahr verkaufen. "Mehr wäre gefährlich", sagt Fomenko. Marussia setze auf Exklusivität.

Bald soll auch ein Luxus-Jeep aus russischer Fertigung den europäischen Markt erobern, Kostenpunkt 50.000 Euro. "Wir wollen Teil der neuen Russland-Mode in der Welt sein", sagt Ostrowski.

Ein Hauch von Formel 1

Damit die Welt dies auch merkt, will Marussia vom kommenden Jahr an in der Formel 1 mitfahren. Vorige Woche ist eifrig verhandelt worden, um sich an einem der bestehenden Teams zu beteiligen. Als Übernahmekandidat gilt, neben Toro Rosso und HRT, vor allem Virgin Racing. Es wäre der logische Partner. An diesem Donnerstag, vor dem letzten Grand Prix der Saison in Abu Dhabi, soll der Einstieg bekanntgegeben werden.

Den Moskauer Showroom von Marussia durchweht schon ein Hauch von Formel-1. An den Wänden der Filiale an der mondänen Twerskaja-Straße unweit des Kreml hängen Fotos von Testfahrten in Monaco. Im Herzen der Hauptstadt lockt Marussia betuchte Kunden mit seinem B-1-Modell: sechs Zylinder, von null auf hundert Stundenkilometer in 4,2 Sekunden. Der Motor stammt vom britischen Hersteller Cosworth.

Auch Bremsen von Formel 1 inspiriert

Wie in der Königsklasse hält nur ein einzelner Bolzen die Aluminium-Felgen des Marussia. Auch die Scheibenbremsen haben sich die Russen bei den Formel-1-Ingenieuren abgeschaut. Blau-weiß-Rot spiegelt sich das Firmenlogo in Russlands Nationalfarben auf der purpurfarbenen Karosse. "Genau genommen", korrigiert der Verkäufer, "ist es der Farbton 'purple sky'."

Ein Passant betritt den Salon. Taras Kretjuk, ein schlaksiger junger Mann, kann nur gucken. Mit seinem Gehalt als Werbefachmann kann er von Russlands Ferrari nur träumen. Sanft streicht er über die Karbon-Karosse: "Marussia" ist auf Russisch die zärtliche Koseform des Namens Maria." "Endlich ein Auto, das Russland keine Schande macht", freut sich der 33-Jährige. "Nie wieder Lada."

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