31.08.2011, 08:43 Uhr | Tom Grünweg, Spiegel Online
Vor vier Jahren enthüllte VW eine Studie namens up! "Das wird der neue Käfer", orakelten damals viele. Das Auto wird laut VW im Bereich zwischen 9500 und knapp unter 10.000 Euro angesiedelt werden. Der Kleinwagen ist geräumig, sparsam und vor allem viel günstiger als Golf oder Polo. Eben ein wirklicher Volkswagen.
Beim VW Polo reicht die Preisliste bis 23.585 Euro, einen VW Golf kann man mühelos auf einen Preis von mehr als 40.000 Euro treiben. Volksnah ist Volkswagen damit nicht mehr. Das haben offenbar auch die Verantwortlichen in Wolfsburg erkannt - und reagiert. Nach vier Jahren Entwicklungszeit und mehreren Designstudien bringt VW jetzt mit großem Brimborium den Kleinwagen up! auf den Weg. Er soll nicht nur zum großen Star der bevorstehenden Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt werden, sondern ab Dezember vor allem den boomenden Kleinwagenmarkt aufmischen.
Gelingen soll das dem VW up! durch ein charmantes Design, sparsame Motoren und eine optimale Raumausnutzung; vor allem aber auch mit Hilfe niedriger Preise und flexibler Finanzierungsmodelle. "Gerade ein kleiner Wagen muss erschwinglich sein", heißt es aus Wolfsburg, als sei dies eine neue Erkenntnis. "Wenn man so will, demokratisiert der up! damit - wie einst der Käfer in den fünfziger Jahren - erneut das Autofahren", tönt es aus dem VW-Marketing.
Viel Auto fürs Geld wird der up! durchaus zu bieten haben. Denn obwohl der Wagen lediglich 3,54 Meter lang ist, und damit fast einen halben Meter kürzer als der VW Polo, verspricht VW üppige Platzverhältnisse für bis zu vier Insassen. Immerhin misst der Radstand 2,42 Meter. Die Breite des up! ist mit 1,64 Meter hingegen eher bescheiden, die Höhe von 1,48 Meter aber deutet auf große Kopffreiheit hin. Der Kofferraum fasst 251 Liter, bei umgeklappter Rücksitzlehne wächst das Ladevolumen gar auf 951 Liter.
Dazu gibt es ein farbenfrohes Interieur mit zeitgemäßen Details: So wird zum Beispiel das Navigationssystem zum sogenannten Portable Infotainment Device, das Navigation, Telefon, Information und Unterhaltung vereint und oberhalb der Mittelkonsole ins Armaturenbrett gesteckt wird. Wer das Auto verlässt, kann das Ding einfach mitnehmen. Im Wagen jedoch soll es, anders als vergleichbare Systeme, mit der Fahrzeugelektronik kommunizieren und zum Beispiel auch die Informationen des Bordcomputers oder der Abstandsregelung anzeigen; erweiterbar ist das Gerät außerdem durch spezielle up!-Apps.
Ebenfalls neu sind die sogenannten up!-Boxes. Das sind handliche Schachteln für den Kofferraum, in denen Kleinigkeiten zusammengepackt sind: So gibt es eine Kidbox mit Windeltasche, Kuscheltier, Spielzeug und Brotdose, eine Citybox oder eine Travelbox. Besonders stolz sind die Entwickler auf die City-Notbremsfunktion. Sie überwacht per Lasersensor den Bereich vor dem Fahrzeug und löst im Gefahrenfall automatisch eine Vollbremsung aus. Das System, das viele Unfälle entschärfen und einige ganz verhindern kann, ist zwar generell nicht neu, in einem Kleinwagen jedoch wird es bislang von keinem anderen Hersteller angeboten.
Weil Platz die oberste Prämisse war, hätte Designchef Klaus Bischoff den up! eigentlich als rollende Schuhschachtel zeichnen müssen. "Eine viereckige Box wäre für einen Kleinwagen im Hinblick auf die Raumökonomie die ideale Form", sagt Bischoff. "Beim up! haben wir es geschafft, aus einer solchen Box ein klares und kraftvolles Design herauszuschälen, ohne dabei die Raumausnutzung aus den Augen zu verlieren." Tatsächlich wirkt der up! eher cool als kantig und trägt ein freundliches Lächeln auf der Frontpartie.
Mit dem up! führt VW nicht nur eine neue Baureihe ein, sondern es gibt auch frische Motoren. In der Studie von 2007 steckte der Antrieb als Reminiszenz an den Käfer noch im Heck, doch inzwischen wurde das Konzept verworfen und aus dem up! ein Auto mit Frontmotor. Bei den neuen Aggregaten handelt es sich um Dreizylinder-Benziner mit einem Liter Hubraum. Anfangs gibt es zwei Varianten mit 60 oder 75 PS, die es auf Wunsch auch mit einem Start-Stopp-System und anderen Spritspartechniken gibt.
Das sparsamste Modell soll 4,2 Liter verbrauchen, was einem CO2-Ausstoß von 99 Gramm je Kilometer gleichkäme. Wem das noch zu viel ist, dem bieten die Niedersachsen bald auch einen up! mit Erdgasmotor. Der leistet 68 PS und kommt im besten Fall auf einen CO2-Ausstoß von 79 g/km. Von einem Dieselantrieb ist in den ersten offiziellen Verlautbarungen zwar noch nicht die Rede, doch wird es in vielen Ländern kaum ohne einen Selbstzünder gehen. Deshalb ist ein up! TDI wohl nur eine Frage der Zeit. Fest steht, dass es den up! auch mit Elektroantrieb geben wird. "Das ist für 2013 geplant", sagen VW-Verantwortliche.
Bei einer up!-Version wird es übrigens nicht bleiben. Schon mit dem Reigen der Designstudien hatte VW deutlich gemacht, dass auch andere Karosserievarianten möglich sind, etwa ein Miniatur-Van, wie durch die Studie Space up! demonstriert. Außerdem lief die Entwicklungsarbeit nicht umsonst unter dem Projektnamen "New Small Family".
Und es wird nicht nur bei VW noch weitere Ableger geben, darunter auch eine abgespeckte Billigversion für Schwellenländer wie China oder Indien. Sondern auch bei den Konzernmarken Seat und Skoda wird längst an up!-Ableitungen gearbeitet. Nur Audi ist offenbar außen vor. Der für die IAA avisierte A2-Vorbote jedenfalls nutzt eine eigene Architektur.
31.08.2011, 08:43 Uhr | Tom Grünweg, Spiegel Online
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