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Fiat-Chef Sergio Marchionne: Lancia vor dem kompletten Aus

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Lancia  

Fiat-Chef Marchionne will kompletten Rückzug nach Italien

15.01.2014, 08:54 Uhr | t-online.de, dpa, SP-X

Neues von Fiat: Die Traditionsmarke Lancia soll offenbar komplett aufgegeben werden - auch Adaptionen von Chrysler-Modellen sind demnach nicht mehr geplant. Derweil bangen die Italiener auch, ob Fiat nach der Fusion mit Chrysler zu einem amerikanischen Unternehmen wird.

Fiat will offenbar Lancia komplett zurückziehen

Lancia wird es in Zukunft wohl nur noch in Italien geben und selbst dort will man sich auf den Kleinwagen Ypsilon beschränken. Entsprechende Pläne äußerte Fiat-Chef Sergio Marchionne gegenüber der italienischen Tageszeitung "La Repubblica". Wann genau sich die Italiener aus den übrigen Märkten zurückziehen ist unklar. Der Verkauf von Lancia-Modellen in Deutschland geht vorläufig weiter. Der Service für Kunden der Marke ist über das Netz von Fiat gegeben.

Lancia spielt keine Rolle mehr

Aktuell bietet Lancia neben dem Ypsilon das Kompaktmodell Delta und verschiedene von Chrysler adaptierte amerikanische Fahrzeuge an - den Thema, das Cabrio Flavia und den Van Voyager. Insgesamt konnte die Marke auf dem deutschen Markt im vergangenen Jahr allerdings nur rund 1600 Neuzulassungen verbuchen. Den Lancia Ypsilon gibt es in der aktuellen Form seit 2011. Ob es vom Ypsilon einen Nachfolger geben wird, ist unklar.

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Fiat-Chrysler: Italien oder USA?

Gute sechs Minuten braucht Fiat-Chef Sergio Marchionne auf einer Presseveranstaltung in Detroit, um eine simple Frage zu beantworten: Wo wird der Hauptsitz des gemeinsamen Autokonzerns sein, wenn die Fusion mit der US-Tochter Chrysler unter Dach und Fach ist? Weiterhin in Italien? Oder doch in den USA? Die Journalisten auf der Automesse in Detroit sind gespannt. Genauso wie halb Italien.

Tendenz Richtung Amerika

"Über eine Firmenzentrale zu reden, ist fast schon anachronistisch", holt Marchionne weit aus. Diejenigen, die etwas zu entscheiden hätten, reisten sowieso um den Globus. "Ich lebe bevorzugt in einem Flugzeug. Ein Flugzeug hat keine Adresse." Aber, so sagt der Manager, ein derart großer Konzern brauche auch "Zugang zu flüssigen, effizienten Kapitalmärkten". Und wo sitzen die potentesten Investoren? An der New Yorker Wall Street. Die Aussagen versetzten am anderen Ende der Welt die mächtigen Gewerkschaften in Alarmbereitschaft. "Es besteht die Gefahr, ein industrielles Erbe und Kompetenzen zu verlieren", warnte Maurizio Landini, Chef der italienischen Gewerkschaft FIOM. In die gleiche Kerbe hatte in der Vergangenheit schon Flavio Zanonato geschlagen, der Minister für wirtschaftliche Entwicklung.

Fiat-Fusion mit Chrysler ein zweischneidiges Schwert

Dabei hatte der Politiker die eigentliche Fusion mit Chrysler noch als "sehr positive Nachricht" gelobt. Denn ohne die US-Tochter stünde der italienische Traditionskonzern schlecht da. Während der Markt in Europa vielerorts am Boden liegt oder sich nur zögerlich erholt, floriert das Geschäft in Nordamerika. Chrysler schreibt Gewinne - und gleicht damit zum guten Teil die Verluste bei Fiat selbst aus. Angesichts dieser Machtverteilung kursieren schon länger Befürchtungen, dass das Herz des Autokonzerns künftig in den Vereinigten Staaten schlagen könnte. Marchionne selbst sagt, dass die USA wegen der guten Geschäfte für das Unternehmen "besonders wichtig" seien.

Italienische Autos aus Amerika

"Uns interessiert, ob die Technologie weiter in Italien entwickelt wird. Das ist der industrielle Wert, den wir bewahren müssen", sagt Luigi Angeletti, Chef der Gewerkschaft UILM. Die Arbeitnehmervertreter argwöhnen, dass mit einer Verlegung des Hauptsitzes am Ende auch Kompetenzen und Know-how für die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone verloren gehen könnten. Eine Entscheidung steht kurz bevor. Bis zum 20. Januar will Fiat auch die restlichen Anteile an Chrysler aufgekauft haben. Am 29. Januar trifft sich dann der Verwaltungsrat und entscheidet aller Voraussicht nach über den künftigen Firmensitz. Marchionnes Wort hat hier Gewicht. Gerade erst hat der Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann bekanntgegeben, dass der Fiat-Boss noch mindestens drei weitere Jahre bleiben werde. Das klingt nach Einigkeit.

Marchionne lenkt - aber wohin?

Ist die ganze Standortdiskussion aber vielleicht auch nur ein Teil von Marchionnes Machtpoker mit den Gewerkschaften, um Zugeständnisse bei Lohn und Arbeitsbedingungen zu erreichen? Der Manager ist ein gewiefter Taktiker, das hat er mehrfach bewiesen. Seit 2004 führt er Fiat. Viele Beobachter sagen, nur seinetwegen gebe es das Unternehmen überhaupt noch. Seit 2009 lenkt er zudem Chrysler. Marchionne war es, der den am Boden liegenden US-Autobauer wieder in die Spur brachte.

Die Metallarbeiter-Gewerkschaft UILM zeigt jedenfalls demonstrativ Gelassenheit. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Fiat direkt nach dem Kauf von 100 Prozent der Chrysler-Anteile den Transfer des Sitzes ins Ausland ankündigt", sagt deren Chef Rocco Palombella. "Das wäre falsch, und ich denke nicht, dass sie das tun werden." Bei den versammelten Journalisten in Detroit blieb ein anderer Eindruck zurück.

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