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Ducati: Erster Ausritt mit dem Höllenhobel Ducati Diavel

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Ein brachialer Teufel mit 162 PS

10.02.2011, 10:15 Uhr | Von Roman Büttner, Spiegel Online

Ducati: Erster Ausritt mit dem Höllenhobel Ducati Diavel. Unterwegs mit der neuen Ducati Diavel (Foto: Ducati)

Unterwegs mit der neuen Ducati Diavel (Foto: Ducati)

Sie sieht aus wie Metall gewordene Brachialgewalt - die neue Ducati Diavel. Trotz der enormen Motorleistung von 162 PS lässt sie sich jedoch fast spielerisch dirigieren. Der Fahrer braucht vor allem eines: Selbstbeherrschung.

Power ist alles bei der Ducati Diavel

Power-Cruiser - so heißen Motorräder, die alles im Überfluss bieten: Leistung, Drehmoment, Hubraum und eine ordentliche Portion Komfort. Natürlich gehört auch eine entsprechend respekteinflößende Silhouette dazu, die die Kraft auch im Bummeltempo auf dem Boulevard sichtbar macht. Die italienische Motorradschmiede Ducati hat jetzt mit der neu vorgestellten Diavel das Thema Power-Cruiser auf ihre Weise interpretiert. Dabei legten die Italiener entschiedenen Wert auf den Aspekt Power.

Ducati Diavel: bullige Einheit aus Tank und Motor

Die Kraft wird schon auf den ersten Blick sichtbar: Lenker und Vorderreifen erscheinen zwar noch recht zierlich, doch hinter der Gabel baut sich eine bullige Einheit aus Tank und Motor auf, die von großen Kühleröffnungen flankiert sind. Dahinter folgt eine tiefe Sitzbank und ein ziemlich radikaler Abschluss: Zwei kurze und mächtige Auspufftüten und ein Hinterreifen, der ist fast so breit ist wie ein Pneu auf einem aktuellen BMW M3.

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Ducati will Harley Konkurrenz machen

Für Ducati steht mit dem neuen Modell viel auf dem Spiel. Mit weltweit 5000 bis 6000 pro Jahr verkauften Einheiten soll die Diavel rund 15 Prozent der Gesamtverkäufe ausmachen. Besonders den amerikanischen Markt haben die Italiener im Visier. Die Diavel soll sich dort als Konkurrenz zu den schweren Dampfern von Harley-Davidson etablieren.

Hilflos beim Starten

Noch bevor man sich an der etwas brachial anmutenden Schönheit satt gesehen hat, entsteht der Wunsch nach einer Probefahrt. Doch prompt sieht man sich mit dem typisch italienischen Laisser-faire konfrontiert. Die Diavel ist mit einem sogenannten Hands-Free-System ausgestattet. Der Fahrer braucht den Zündschlüssel nur in der Tasche zu haben; um die Maschine zu starten, muss er einen Schalter am Lenker umlegen und erweckt mit einem Startknopf den V2 zum Leben. Der Hightech-Gimmick funktionierte allerdings nur unzureichend: Wir mussten das Procedere mehrfach durchspielen, bis der Motor ansprang.

Tiefes Grollen beim Motorstart

Wenn das Testastretta genannte Aggregat allerdings erst einmal läuft, erzeugt es sofort den typischen Ducati-Sound - ein tiefes Grollen begleitet von leichten Vibrationen, die die Kraft regelrecht fühlbar machen. Beim Fahren in der Stadt wird sofort deutlich, wie Ducati Cruisen definiert. Trotz des massigen Auftritts ist die Maschine mit 210 Kilogramm in der Standardversion deutlich leichter als ihre Artgenossen und geradezu spielerisch zu dirigieren. Dank der nur 77 Zentimeter hohen Sitzbank haben auch kleinere Fahrer keine Probleme beim Aufsitzen und an der Ampel. Der Bummel auf dem Boulevard ist mit der Diavel eine leichte Übung.

Wie vom Nachbrenner eines Kampfflugzeugs befeuert

Doch man merkt schnell - allein dafür hat Ducati die Diavel nicht gebaut. Erst auf der Landstraße zeigt der Power-Cruiser, was in ihm steckt. Und dann macht auch der Name Sinn - im Bologneser Dialekt bedeutet Diavel Teufel. Das 162 PS starke Kraftpaket brüllt auf und drückt die Maschine vehement nach vorn. Ab rund 7000 Umdrehungen wird es dann ernst. Wie vom Nachbrenner eines Kampfflugzeugs befeuert, stürmt die Diavel los. Man muss schon aufpassen, dass dabei das Vorderrad auf dem Boden bleibt.

Ducati Diavel: Starke Nackenmuskeln sind nötig

Wer will, kann das Motorrad auf bis zu 255 km/h beschleunigen. Starke Nackenmuskeln vorausgesetzt, denn selbst der optional erhältliche Miniatur-Windschild hält den Wind kaum ab. Wirklich genießen kann man die Fahrt zwischen 120 und 150 Sachen. Der Druck auf den Helm hält sich in Grenzen, und der Teufelsreiter kann die Maschine elegant und problemlos in die Kurven legen. Das Fahrwerk vermittelt ein gutes Gefühl für die Fahrbahn, eine achtstufige Traktionskontrolle und die bissige und fein zu dosierende Brembo-Bremsanlage mit ABS sorgen für ein hohes Maß an Sicherheit.

Sozius hat nichts zu lachen

Wer zu zweit unterwegs sein will, sollte allerdings besser ein zweites Motorrad kaufen. Schon der Aufwand, der erforderlich ist, um den Sozius-Platz einzurichten, legt dies nahe. Zuerst gilt es, die Abdeckung im hinteren Teil der Sitzbank zu entfernen; das funktioniert jedoch nur mit einem Schraubendreher. Dann ist noch der Zündschlüssel notwendig, um die Verriegelung eines Haltegriffs unter der Sitzbank hervorzuziehen. Am Ende entsteht ein kleines Plätzchen, das weder Komfort noch Sicherheit bietet.

Ab knapp 17.000 Euro geht es los

Natürlich hat die Diavel ihren Preis. In der Standardversion sind 16.690 Euro fällig, die drei Kilogramm leichtere Karbon-Variante gibt es ab 19.690 Euro. Hinzu kommen hohe Kosten für Wartung und Spritverbrauch. Der Bordcomputer ermittelte einen Durchschnittsverbrauch von 7,2 Litern auf 100 Kilometer auf der 210 Kilometer langen Testdistanz.

Ducati schielt auf erfahrene Kundschaft

Für die Diavel-Käufer dürften die Kraftstoffkosten ohnehin keine besondere Rolle spielen. Ducati richtet sein Angebot eher an die arrivierten Herren. Und das ist auch gut so, denn ein 162 PS starkes Motorrad in den Händen eines jungen und unerfahrenen Lenkers kann durchaus eine Waffe sein. Auch wenn die Diavel einfach zu fahren ist - man sollte wissen, was man tut und die eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen. Sonst endet die Fahrt schnell im Krankenhaus.

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