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Motorrad: Ohne Schrecken über Holperstrecken

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Ohne Schrecken über Holperstrecken

02.05.2013, 10:49 Uhr | dpa, driver.de

Motorrad: Ohne Schrecken über Holperstrecken. Auch Ducati setzt bei der Multistrada auf ein vollelektronisches Fahrwerk. (Quelle: dpa)

Auch Ducati setzt bei der Multistrada auf ein vollelektronisches Fahrwerk. (Quelle: dpa)

Die Fahrwerke moderner Motorräder haben eine neue Evolutionsstufe erreicht: Nach und nach hält in der zweirädrigen Oberklasse Sensortechnik Einzug, die permanent Fahrsituation und Straßenzustand überwacht und die Stoßdämpfer passend abstimmt. Das geschieht wie von Geisterhand in Sekundenbruchteilen. Nun ist selbst der sogenannte "Kickback" keine Gefahr mehr.

Die "intelligenten" Fahrwerke sind ein technischer Quantensprung im Vergleich zu denen der Bikes aus den 70er und 80er Jahren, die mit der Leistung der Motoren schlicht überfordert waren. Damals stellte sich bei hohem Tempo und in langgezogenen Kurven häufig ein unangenehmes Pendeln ein. Doch die Fahrwerke holten ihren Rückstand gegenüber den Triebwerken in den folgenden Jahrzehnten auf: Die Dimensionierung der Motorradrahmen, Federelemente und Führungen an Front und Heck wuchs, bald ließen sich die Dämpfer in Zug- und Druckstufe, also dem Widerstand beim Ein- und Ausfedern, einstellen. Das sorgte bereits für viel mehr Fahrstabilität.

Alles passiert wie von Geisterhand

Die neuen Systeme können aber noch viel mehr. Sie erkennen anhand verschiedener Parameter, ob der Fahrer gerade durch enge Kurven auf seiner Hausstrecke wedelt, ob er auf der topfebenen Rennstrecke Zehntelsekunden nachjagt, über eine löchrige Landstraße fährt oder auf der Autobahn Kilometer macht. Zwar lassen sich schon seit 2005 bei immer mehr Motorradmodellen per Knopfdruck vom Lenker aus Fahrwerkseinstellungen vornehmen, etwa für Holperstraßen, den Soziusbetrieb oder für eine besonders sportliche Gangart. Doch dafür brauchen Biker ihren Daumen jetzt nicht mehr.

BMW, Ducati und Aprilia Vorreiter

Bei Luxusautos und teuren Sportwagen hielten Fahrwerke, die sich von allein auf Fahrsituationen und Fahrbahn einstellen, vor rund zehn Jahren Einzug. Nun legt die Motorradindustrie nach: BMW nennt das semiaktive Fahrwerk im Supersportler HP4 "Dynamic Damping Control" (DDC) und stattet die Neuauflage seines Verkaufsschlagers - die Reiseenduro R 1200 GS - auf Wunsch mit "Dynamic ESA" aus. Ducati montiert sein "Skyhook"-System in der S-Version der Reisemaschine Multistrada 1200. Und die "Travel Pack"-Variante der neuen Aprilia-Enduro Caponord 1200 ABS wartet mit dem "Aprilia Dynamic Damping" (ADD) auf.

Fahrwerk reagiert innerhalb von 0,013 Sekunden

Das semiaktive Fahrwerk bei BMW beispielsweise lässt sich in vier unterschiedlich sportlichen Modi voreinstellen. Sensoren übermitteln permanent Informationen an eine Recheneinheit. Dazu zählen Drehzahl, Geschwindigkeit, Gasstellung, Federbewegung und Bremsdruck sowie die Daten von ABS und Traktionskontrolle. Im Fall des DDC reagiert das Fahrwerk laut BMW innerhalb von nur 0,013 Sekunden und passt mittels Magnetventilen die Federung entsprechend der Fahrmanöver des Fahrers an. Das soll der Stabilität in allen Fahrsituationen dienen. Beim genüsslichen Fahren auf Landstraßen etwa ist Komfort gefragt, die Federelemente müssen dann weniger Dämpfung bieten als zum Beispiel bei hohem Tempo und großen Schräglagen auf der Rennstrecke.

Das Vorderrad darf ruhig abheben

Experten der Fachzeitschrift "Motorrad" haben das DDC-System getestet. Ihr Fazit: Das elektronische Helferlein verbessert sowohl die Stabilität als auch den Komfort der Maschine - unabhängig davon, auf welcher Straße der Fahrer unterwegs ist. Sie haben die HP4 sogar einem Kickback-Test unterzogen - das gefährlich Lenkerschlagen beim Kurvenfahren. Kickback kann auftreten, wenn das Vorderrad in Schräglage durch grobe Unebenheiten auf der Straße oder starkes Beschleunigen kurzzeitig den Bodenkontakt verliert und Sekundenbruchteile später wiedergewinnt. Dadurch kann das Motorrad von der angepeilten Linie abweichen. Oder es kommt sogar zu einem Sturz. Das DDC von BMW war in dieser Gefahrensituation eine große Hilfe.

Ducati muss noch nachbessern

Dass die neuen dynamischen Fahrwerke nicht immer auch mehr Komfort bringen müssen, lässt die Kritik von "Motorrad"-Tester Peter Mayer an der Ducati Multistrada S mit "Skyhook"-System erahnen. Durch eine ungünstige Grundabstimmung gebe sich deren Fahrwerk trotz Elektronik unsensibler. Der Aufpreis hält sich indes in Grenzen: Ducati verlangt für die Maschine mit "Skyhook" 300 Euro mehr als für die Vorgängerin.

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