Neue Retro-Honda im Test
Dieses Bike hat sogar einen Scheibenwischer04.09.2013, 11:16 Uhr | Björn Lücker, t-online.de
"Wie alt ist die denn“, fragt mich ein Mann älteren Semesters, als ich gerade mit der Honda CB 1100 an einer Tankstelle vorfahre. "Ganz neu", sage ich zur Verblüffung meines Gegenübers. Ungläubig und neugierig wandern seine Blicke über das Motorrad. "Ich hatte auch mal so eine. 40 Jahre ist das jetzt her", erwidert er. Man kann förmlich spüren, wie gerade ein Film von damals bei ihm abläuft. "Erinnert mich an alte Zeiten", lautet noch sein Kommentar, bevor er mit einem freundlichen "Gute Fahrt noch" in seinem Cabrio davonfährt. Auch am Motorrad-Treff schlendern immer wieder Biker um die Honda herum, begutachten die Maschine mit glänzenden Augen.
Keine Frage: Retro-Bikes sind derzeit schwer angesagt. Keine Motorradgattung sorgt derart für Emotionen. Man kann sich ihrem Anblick einfach nicht entziehen. Vor allem, wenn es sich um so eine schöne Maschine wie der Honda CB 1100 handelt. War sie in den vergangenen drei Jahren nur in Japan (dort entwickelte sie sich zum Bestseller) und Australien erhältlich, ist sie nun auch in Deutschland zu haben.
Als Vorbild bei der Entwicklung diente die legendäre CB 750 Four. Auch die neue Honda versprüht den Charme der siebziger Jahre. Eine schmale Silhouette, ein lang gezogener Tank, Spiralfederbeine hinten und eine flache Sitzbank bestimmen die Optik, gepaart mit viel Chrom und runden Formen. Insgesamt sieht das Bike kompakt und eher klein aus. Kaum zu glauben, dass die Maschine vollgetankt 248 Kilogramm wiegen soll.
Herzstück ist der luftgekühlte Reihen-Vierzylinder-Motor mit 1140 Kubikzentimeter Hubraum, der 89 PS leistet. Und hier hören die Gemeinsamkeiten mit der Vergangenheit auch schon auf. Die CB 1100 sieht zwar alt aus, verfügt aber über modernste Technik. Natürlich hat das Aggregat eine Einspritzung, elektronisches Motormanagement inklusive. Und es gibt Guss- statt Speichenräder mit Scheibenbremsen (kombiniertes ABS serienmäßig) vorne und hinten. Als Stilbruch muss dies aber nicht empfunden werden. Ich jedenfalls würde mich mit den Stoppern der Siebziger nicht mehr auf die Straße trauen.
Ein nettes Ausstattungsmerkmal hat sich Honda übrigens für die Ölkontrolle ausgedacht. Aus dem Schauglas ragt eine Messingschraube heraus. Wer diese dreht, betätigt einen kleinen Scheibenwischer, der das Glas von innen putzt. Ein Motorrad mit Scheibenwischer - das dürfte einzigartig sein.
Doch genug geschaut, jetzt heißt es aufsitzen. Das Bein schwingt schnell über die nur 795 Millimeter hohe Sitzbank. Anschließend nimmt der Fahrer sehr komfortabel Platz. Der Lenker ist breit und liegt gut in der Hand. Die Fußrasten sind da, wo man sie auch selber rangeschraubt hätte. Die Sitzposition ist aufrecht, aber durchaus aktiv. Für größere Fahrer wird es aber ungemütlich und sie können sich zuweilen auf der Retro-Honda etwas deplatziert vorkommen.
Enttäuschung kommt beim Druck auf den Startknopf auf. Ein dezentes Säuseln entweicht aus dem Auspuff. Ein röhrender Sound wie aus den vier Endtöpfen der 750 Four wäre das I-Tüpfelchen gewesen. Aber sei es drum: Dafür wird man vom Start weg mit grandiosen Fahrleistungen verwöhnt. Die Maschine lässt sich ungeahnt beherzt über die Landstraße treiben. Bereits im Drehzahlkeller schiebt der seidenweich laufende Motor voran und bietet bis 7000 Touren ausreichend Leistung.
Auf der Intermot präsentieren mehr als 1.000 Aussteller aus knapp 40 Ländern ihre Motorrad-, Roller- und Fahrrad-Neuheiten.
Die Honda liegt dabei gut auf der Straße. Selbst schnelle Wechselkurven gehen - auch dank der schmalen Reifen - in Ordnung. Die Gänge flutschen in Verbindung mit der hydraulischen Kupplung locker durchs Getriebe. Die Bremsen packen sicher zu und bringen den Fahrer auch dann wieder in die Spur, falls es mal eng wird.
Doch für sportiven Einsatz ist die CB nicht wirklich geschaffen. Allein schon die Optik suggeriert einem immer wieder: "Lass es ruhig angehen" - Entschleunigung statt Beschleunigung lautet das Motto. Schön, dass sich das Bike dabei schaltfaul bewegen lässt. Selbst bei 50 km/h im fünften Gang stottert oder ruckelt nichts - optimale Voraussetzungen, um lässig über die Landstraße zu cruisen.
Fazit: Mit der CB 1100 hat Honda eine tolles Retro-Bike mit modernster Technik auf die Räder gestellt. Einmal gekauft, bereitet einem das Bike lange Fahrfreude. Denn die Optik ist zeitlos und wird immer wieder für neugierige Fragen und bewundernde Blicke sorgen - egal ob an Tankstelle oder am Bikertreff.
Honda CB 1100: Technische Daten und Preise | |
Motor | Wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor |
Hubraum | 1140 Kubikzentimeter |
Leistung | 89 PS bei 7500 Umdrehungen pro Minute |
Drehmoment | 93 Newtonmeter bei 5000 Umdrehungen pro Minute |
Sitzhöhe | 795 mm |
Tankinhalt | 14,6 Liter |
Gewicht | 248 Kilogramm (fahrfertig) |
Kraftübertragung | Fünfganggetriebe, Kette |
Preis ab | 10.990 Euro |
04.09.2013, 11:16 Uhr | Björn Lücker, t-online.de
Kommentare
/ 9Top Partner
Diesen Artikel...
Tüftler statten den Prototypen mit speziellen Radmotoren aus. Video
Hier zeigt der Postbote Dave Jackson in Colorado echten Körpereinsatz. mehr
Für mehr Sicherheit, Schnelligkeit und Komfort. Zum Download
Der Polo4 – so attraktiv wie nie. Jetzt mit der 0,90 % Sommerfinanzierung3. mehr
Autosuche leicht gemacht. Finden Sie Ihren neuen Gebrauchten. Jetzt suchen
Jetzt Reifen bei Toroleo vergleichen und die besten Angebote finden. Preisvergleich
Entdecken Sie die aktuelle Kollektion für den Herbst jetzt exklusiv bei bonprix.de.
Sparsam & extra leise: Waschmaschine für 499,- € - 7 kg Ladevolumen und EEK A+++. bei OTTO
Versandkostenfrei! Jetzt Trendlooks bis 30.09.2013 online bestellen! bei MADELEINE
Bestellen Sie das Komplettpaket aus Fernsehen,
Telefon & Internet. Jetzt online sparen. von Telekom