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Honda Africa Twin: Die Legende ist lebendiger denn je

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Erste Ausfahrt  

Honda Africa Twin - die Legende ist lebendiger denn je

26.12.2015, 08:24 Uhr | Thilo Kozik, mid

Honda Africa Twin: Die Legende ist lebendiger denn je. Die Honda Africa Twin gleitet über miserable Untergründe komfortabel hinweg. (Quelle: Hersteller)

Die Honda Africa Twin gleitet über miserable Untergründe komfortabel hinweg. (Quelle: Hersteller)

Nicht nur für Fernreisende war die Honda Africa Twin immer schon Kult - doch nach ihrem Ableben 2003 wurde sie zur Legende: Zu verdanken hat sie das - neben der alltagstauglichen Ausgewogenheit samt Honda-typischer Robustheit - insbesondere ihrer universellen Einsetzbarkeit auf Asphalt, Geröll und im Sand. Jetzt ist sie wieder da - eine erste Ausfahrt.

Honda Africa Twin steht athletisch da

Mit der für 2016 neu aufgelegten Africa Twin möchte Honda nur allzu gern an den Erfolg der Ahnin anknüpfen. Erste Maßnahme dafür ist eine weniger wuchtige Optik; selbst eine 750er-Africa Twin von 2002 sieht pummeliger und gedrungen aus. Die Neue wirkt einfach athletischer.

Zweiter Schritt ist die Rückkehr zu klassischen Enduro-Reifendimensionen mit 21 Zoll-Vorderrad und 18 Zoll hinten, die zusammen mit langen Federwegen Offroad-Qualitäten versprechen.

Reihen-Zweizylinder mit 95 PS

Beim Antrieb haben sich die Entwickler gegen den traditionellen V-Motor und für einen Reihen-Zweizylinder entschieden, weil dieser weniger Platz beansprucht. Aus 998 Kubikzentimetern Hubraum leistet der flüssigkeitsgekühlte Einspritzer 95 PS bei 7500 Touren und 98 Newtonmeter maximalem Drehmoment bei 6000 Touren. Die Betätigung der vier Ventile über nur eine Nockenwelle spart Bauhöhe.

Der Öltank ist erstmals bei Honda im Motorgehäuse untergebracht, die Wasserpumpe findet platzsparend in der Kupplung Platz und das Thermostat des Kühlkreislaufs ist im Zylinderkopf integriert. Angetrieben werden beide Pumpen über zwei Wellen, die mit Ausgleichsgewichten bestückt gleichzeitig Vibrationen eliminieren.

Eine 270-Grad-Kurbelwelle mit entsprechender Zündfolge beschert dem Reihen-Twin eine pulsierende Leistungsabgabe, die sich anfühlt und auch so klingt wie ein V-Twin.

Kaum Verwirbelungen hinterm Windschutz

Der Fahrer nimmt auf 870 Millimetern Höhe Platz, der sich um 20 Millimeter absenken lässt. Menschen von 1,70 Meter bis 1,85 Meter Körpergröße genießen eine aufrechte, entspannte Haltung mit relaxten Kniewinkeln - ideal für stressfreie Fernreise-Etappen.

Am unteren Rand der Längenskala wackelt es im Stand ein wenig, doch die niedrige Sitzbank-Stellung ist auf Dauer zu unbequem. Erstaunlich effektiv ist für alle Größen der Windschutz hinter der kleinen Scheibe - es herrscht nur wenig Zug, und Verwirbelungen treten so gut wie keine auf.

Kein Tempomat erhältlich

Untermalt von einem kräftig-sonoren Sound tritt die Honda aus dem Stand gut dosierbar an. Die leichtgängige Kupplung - jetzt mit Anti-Hopping-Funktion - und das gut rastende Sechsganggetriebe machen die ersten Meter leicht. Auf Überbrückungs-Etappen kommt bisweilen der Wunsch nach etwas mehr Druck aus dem Kessel auf, und auch ein Tempomat wäre nicht schlecht. Da aber Honda kein Ride-by-wire nutzt, gibt es den nicht mal optional.

Auf kurzweiligeren Abschnitten zeigt der Motor, was er kann: Sauber geht der Twin unter allen Lastzuständen ans Gas und schiebt schon bei niedrigen Drehzahlen gut voran. In der Mitte zeigt er eine erfreuliche Durchzugsstärke mit mehr Leben ab 6000 Touren, um ab 8000 Kurbelwellen-Umdrehungen etwas zu ermatten. Die große Stärke des Zweizylinders ist sein breites nutzbares Drehzahlband im Verbund mit besten Manieren.

Komfortabel, aber lange Federwege

Über miserable Untergründe gleitet die Africa Twin komfortabel hinweg, ohne es beim herzhaften Kurvenangriff an Stabilität vermissen zu lassen. Präzise und neutral führt das 21-Zoll-Vorderrad die Fuhre, lediglich in Wechselkurven verlangt die Honda nach ein wenig Körpereinsatz. Ab einer bestimmten Schräglage möchte sie noch etwas tiefer abwinkeln. Die voll einstellbaren Showa-Federelemente - vorn eine 45er Upside-Down-Gabel, hinten ein angelenktes einstellbares, Federnbein - bieten einen ausgezeichneten Kompromiss aus Komfort und Stabilität.

Erst sehr engagiert gefahrene Passagen mit der dreistufigen Traktionskontrolle auf der schwächsten Stufe 1 entlarven die langen Federwege. Notfalls beruhigt der Griff in die Bremse: Sehr effektiv und bei vorn spät eingreifendem ABS verzögern die Stopper sehr verlässlich.

Sauber auf schlechten Wegen unterwegs

Im Offroad-Revier mit losem Geröll, Sand-Passagen und Hochgeschwindigkeits-Pisten wünschte man sich den ausladenden Unterfahrschutz der alten Africa Twin. Doch der gerade bei niedrigem Tempo und geringen Drehzahlen GUT dosierbare Motor macht hier das Leben leicht. Bei ausgeschalteter Traktionskontrolle oder in Stufe 1 steht stets der gewünschte Schub am Hinterrad parat.

Mit exakt ansprechenden Federelementen und progressiver Dämpfung sowie gut austarierten 232 Kilogramm Gewicht fährt die Honda sicher und präzise auf der angepeilten Linie durchs Geröll und auf der Piste bis Tempo 170 km/h sauber geradeaus. Das nur hinten abschaltbare ABS schafft in Bergab-Passagen zusammen mit der späten Regelung vorne weiteres Vertrauen.

Noch unkomplizierter fährt die Africa Twin mit dem Doppelkupplungsgetriebe (DCT) durch den Wegfall der Gangwahl. Das gilt für Asphalt wie Gelände gleichermaßen, obwohl das System zusätzliche zehn Kilo wiegt. Neu ist das Erkennen von Auf- und Abfahrten mit entsprechend angepassten Schaltmustern.

Mit mehreren Fahrmodi unterwegs

Für Ambitionierte ist der Sport-Modus in drei Stufen anwählbar, mit zunehmend höheren Schaltdrehzahlen und früherem Herunterschalten. Dazu lassen sich die Schaltpunkte auch per Drucktaste manuell wählen, beispielsweise für ein höheres Motorbremsmoment. Auf Verbindungs-Etappen oder im Stadtverkehr empfiehlt sich die moderate Automatik-Stufe D, die Gangwechsel und Gasanlegen abmildert.

Eine für den Geländebetrieb betätigte G-Taste im rechten Vorbau bewirkt einen direkteren Kraftschluss der Kupplung, wodurch der Leistungseinsatz am Hinterrad besser kontrollierbar wird.

Instrumente teils schwer ablesbar

Fernreisende freuen sich über satte 30 Kilo Gepäckzuladung, ärgern sich aber über das reichhaltige LCD-Instrument, das beim Stehendfahren und bei Sonne sehr schlecht ablesbar ist. G-Taste und ABS-Deaktivierung sind sehr tief in der Frontverkleidung platziert, und die unter Laborbedingungen ermittelte Reichweite von bis zu 400 Kilometern erscheint unrealistisch - im Normalbetrieb dürften mit dem 18,8-Liter-Tank aber jederzeit weit mehr als 300 Kilometer drin sein.

Afrika-Twin kommt in drei Varianten

Hierzulande kommt die Africa Twin in drei Versionen: Als Standard-Modell für Puristen ohne ABS und elektronische Fahrhilfen ab 11.805 Euro, mit ABS, Traktionskontrolle und LED-Blinker zum Aufpreis von 600 Euro. Und schließlich gibt es eine dritte Version zusätzlich mit DCT-Doppelkupplungsgetriebe für nochmal 1120 Euro mehr, erkennbar am ausladenden Kupplungsgehäuse, dem fehlenden Schalthebel und einer mechanisch vom linken Lenkerhebel bedienten Parkbremse.

Viele Fans werden sich dennoch freuen, denn die neue Africa Twin belebt die Kategorie der echten Adventure-Bikes neu - fürs Erkunden auch der entlegensten Winkel der Welt, egal wie lang und schwierig der Weg ist.

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