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Erstmalig ungetarnt: So fährt sich die sechste Polo-Generation

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VW Polo VI auf Testfahrt  

So fährt sich die sechste Polo-Generation

11.05.2017, 16:55 Uhr | Stefan Grundhoff/press-inform

Erstmalig ungetarnt: So fährt sich die sechste Polo-Generation. Hier sehen Sie die sechste Generation des VW Polo. (Quelle: SB-Medien)

Hier sehen Sie die sechste Generation des VW Polo. (Quelle: SB-Medien)

Besser und langweiliger als im VW Polo kann man in der Einstiegsklasse kaum unterwegs sein. Wem ein Kleinstmobil zu klein und ein Kompaktklassemodell wie der Golf zu groß und teuer ist, der steigt seit Jahr und Tag aus vollster Überzeugung in seinen Polo.

Der hat sich trotz seiner vielen Modellgenerationen nie alt angefühlt, war immer auf der Höhe, hatte keine Schwächen, konnte aber noch nie begeistern. Wieso auch? Wer in der Einsteigerklasse ein Auto sucht, will gut, preiswert, bequem und sicher von A nach B kommen.

VW nimmt den Up als Vorbild für den neuen Polo

"Der Polo ein Langweiler? Wir haben beim Up gelernt, wie man ein buntes, lebenslustiges Auto macht. Davon lassen wir uns auch beim Polo inspirieren", sagt Baureihenchef Klaus-Gerhard Wolpert beinahe etwas gekränkt. Der VW Polo ist seit vielen Jahren der Maßstab für Qualität und Wertstabilität unterhalb der Kompaktklasse.

Doch Modelle wie der Ford Fiesta oder ein Renault Clio haben ihm in den vergangenen Jahren kräftig zugesetzt. Der Franzose punktet mit frischem, coolen Design, während der Polo das ist, was er schon immer war. Das wird sich bei der neuen Polo-Generation nicht nennenswert ändern. Bereits jetzt ist klar zu erkennen, dass Polo Nummer sechs die automobile Kleinwagenwelt in Sachen Design nicht neu erfinden kann oder will. Er ist ein Polo und genau so sieht der 4,05 Meter lange Kleinwagen auch aus. Proportionen, Abmessungen, Linien – wüsste man es nicht besser, könnte es auch eine Modellpflege sein.

Modularer Querbaukasten (MQB) im Kleinwagenformat

Baureihen-Kopf Wolpert sieht das Ganze durchaus euphorischer. "Wir haben innerhalb der Klasse einen riesigen Schritt gemacht. Der neue Polo ist ein Technologiesprung; auch weil wir unseren wichtigsten Baukasten MQB nach unten hin ausgerollt haben." Auf den alles andere als guten Straßen im Nordwesten Südafrikas zeigt sich der Prototyp überaus erwachsen. Trotz seines frühen Stadiums klappert kaum etwas und die Oberflächen können sich auch bei den heißen Temperaturen anfassen lassen – angenehm unterschäumt, wenn auch weit entfernt von Premium.

Volkswagen: Neuer Polo sehr nahe am Golf

Die Sitze sind für ein Fahrzeug dieser Klasse vorbildlich, die Instrumente erstrahlen in der von Volkswagen gelernten Nüchternheit und wäre da nicht das Schnattern des Triebwerks im Hintergrund, man könnte fast meinen, in einem neuen VW Golf Platz genommen zu haben. Das gilt auch für die Fahrerassistenzsysteme, die denen des Golf in nichts nachstehen sollen. Das bietet derzeit kein anderer in dieser Klasse.

Neuer Standard: Drei statt vier Zylinder

Unter der Haube rattert und schnattert ein Dreizylinder, der aus seinem Zylinderdefizit kein Hehl macht. Das Zylindertrio ist im neuen VW Polo der Dreh- und Angelpunkt der Antriebspalette. Sind die beiden Einstiegsversionen (mit 65 und 75 PS) nicht von einem Turbolader beatmet, so geht es oberhalb standesgemäßer zu.

Foto-Serie mit 9 Bildern

Hier hat der Polo-Interessent die Wahl zwischen guten 95 und strammen 115 PS – beide sind flott, beide mehr als ausreichend und abgesehen vom leicht nervigen Klang passen diese Triebwerke gut in den VW-Einsteiger.

Wer mehr will, der schielt zum 150 PS starken 1.5 TSI des wohl kommenden VW Polo GT oder gar dem 200 PS starken Polo GTI herüber. Alle Modelle mit Turboaufladung sind wahlweise mit Sechsgang-Handschaltung oder Siebengang-Doppelkupplung zu bekommen.

Auslaufmodell: Diesel im Kleinwagen

Unter Druck dürften jedoch die beiden 1,6 TDI mit 80 PS und 95 PS geraten, die serienmäßig über einen SCR-Kat verfügen und wohl unter vier Litern verbrauchen werden. Doch wenn ein 115 PS starker Benziner für rund 19.000 Euro mit einem Normverbrauch von 4,6 Litern Super auf 100 Kilometern lockt, wird die Luft dünner als dünn für einen Selbstzünder.

Erwachsener dank größerer Spurweite und Radstand

Dank mehr Spurweite, mehr Radstand, größeren Rädern und einer steiferen Karosserie fährt sich der kleine Wolfsburger komfortabler und präziser als bisher. Die sehr direkte Lenkung gefällt, die geringen Windgeräusche ebenso wie das leicht schaltbare Getriebe. So fährt sich ein Polo und so gut fährt sich in der kleinen Kompaktklasse (der Polo ist mittlerweile so groß wie ein Golf III) kein anderer.

Das Platzangebot im Innern liegt vorn ungefähr auf dem Niveau des Vorgängers. Gerade im Fond gibt es durch die neue MQB-A0-Plattform ein paar Zentimeter mehr, die sich an Knien und Schultern angenehm bemerkbar machen. Auch wenn die VW-Entwickler sich unter der sengenden Hitze mit exakten Aussagen zurückhalten, scheint der Laderaum deutlich größer geworden zu sein. Über 350 Liter sind es beim neuen Seat Ibiza, dem technischen Zwilling des Polo VI.

"Der Preis des neuen VW Polo soll auf dem alten Niveau bleiben", schließt Klaus-Gerhard Wolpert ab, "der Kunde bekommt mehr Wert für sein Geld." Heißt: Bei rund 12.000 Euro sollte es im Herbst losgehen.

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