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Coombs Jaguar E-Type: Im Auge des Orkans

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Im Auge des Orkans  

John Coombs Version des Jaguars E-Type 1966

11.09.2017, 17:02 Uhr | Wolfgang Gomoll

Coombs Jaguar E-Type: Im Auge des Orkans. John Coombs hat den Jaguar E-Type getunt (Quelle: Gudrun Muschalla)

Der Tuner John Coombs hat sich richtig ins Zeug gelegt. (Quelle: Gudrun Muschalla)

Der Jaguar E-Type ist ein zeitloser Klassiker. Doch Tuner John Coombs kitzelte aus dem 4,2 Liter-Reihensechszylinder noch mehr PS heraus. Eine Fahrt in diesem Einzelstück ist ein Erlebnis, das einer Naturgewalt gleichkommt.

Unter 3.000 Touren ist der Sturm noch ein laues Lüftchen. Doch jenseits dieser Marke entfesselt der 4,2-Liter-Sechszylinder einen Klang-Orkan erster Güte. Zunächst schwillt das sonore Sägen an, um bei 4.500 U/min in einem vieltönenden basslastigen Konzert aus sechs Verbrennungsposaunen zu kulminieren. Kaum geht man von Gas, sprotzelt hinten eine Ton-Salve nach der anderen inbrünstig heraus. Garniert wird die Verbrennungs-Symphonie beim Herunterschalten durch Auspuff-Stichflammen, was zu Daumen-Hoch-Sympathiebekundungen der anderen Verkehrsteilnehmer führt. Im Inneren des Klassikers fühlt man sich, wie im Auge eines Orkans, der die Umwelt mit einem wohlig-schönen Klangunwetter heimsucht. Bis jenseits der 200 km/h wandert die Tachonadel, wenn man die Raubkatze von der Leine lässt. Mehr mag man dem edlen Briten angesichts voller Straßen und etwas müder Bremsen nicht zumuten.

Coombs hat sich seinen Ruf erarbeitet

Die Urgewalt, mit der dieser E-Type über den Asphalt herfällt, lässt schon vermuten, dass es sich hier um ein außergewöhnliches Exemplar handelt, von dem angeblich nur noch eines in freier Wildbahn existiert: Das Geschoss wurde von Tuner John Coombs getunt und gehörig auf Dynamik getrimmt. Coombs war ein ehemaliger britischer Rennfahrer, der sich auf Jaguar Modelle spezialisiert und sich in den 1960er Jahre den Ruf erworben hatte, das Optimum aus den Sportwagen heraus zu kitzeln.

Deswegen fuhr der Neuseeländer Barry Messiter 1966 direkt vom Jaguar-Werk zu der Tuning-Schmiede, drückte John Coombs die Schlüssel seines eben erworbenen Autos in die Hand und gab ihm den kurzen Auftrag, mehr aus dem E-Typ herauszuholen. Passend zur extrovertierten Lackierung "Purple Haze" (Lila Dunst) kannte das Raubtier damals nur wenig Gegner und viele Opfer.

Die Tuningmaßnahmen der Coombs-Spezialisten sind heute noch beliebte Klassiker, um einem Motor Dampf zu machen. Vom Schwungrad und der Nockenwelle hobelten die Techniker insgesamt 19 englische Pfund (rund neun Kilogramm) ab und balancierten die Kurbelwelle auch neu aus, damit die zusätzlichen Vitamine auch ihre gesamte Wirkung entfalteten.

Auch beim Zylinderkopf legten die Experten Hand an: polierten die Einlass-Kanäle, um den Luftstrom zu verbessern, schärften die Nockenwelle nach, um damit den Zeitpunkt des Ventil-Triebs zu optimieren. Anstelle des herkömmlichen Krümmers sorgte ein Fächerkrümmer für weniger Gegendruck. Wie viel Dampf der Coombs E-Type genau hat, bleibt bis dato ein Mysterium. Nominell leisteten die E-Types mit 4,2 Liter Hubraum 269 PS, tatsächlich sollen es weniger gewesen sein. Bei Jaguar selbst geht man davon aus, dass mit dem Tuning rund 270 PS und damit eine Spitzengeschwindigkeit jenseits der 240 km/h erreicht wurden.

Das Fahren wird zum Abenteuer

Das Fahrwerk wurde ebenfalls angepasst, um die Kraft auf die Straße zu bringen: Koni-Dämpfer und stärkere Federn im Heck verhalfen dem E-Type zu mehr Agilität, ohne jedoch den Komfort komplett zu vernachlässigen.

Nickt der E-Type beim starken Bremsen vorne ein, beginnt das rundliche Heck zu tänzeln und erinnert den Fahrer mit freundlichen Nachdruck daran, dass man hier eine wilde Großkatze bewegt.

Das Lenkrad hat den Durchmesser einer Pizza und auf dem kleinen Hup-Knopf in der Mitte erinnert ein goldener Jaguarkopf, in was für einer Rennwagen-Ikone man sitzt. Mangels Servo-Unterstützung ist die Lenkung kein Muster an Direktheit, aber wenn man den Hecktriebler um die Ecke wirft legt er sich mit so viel Begeisterung in die Kurve, dass sich der Beifahrer panisch an den kleinen Griff, der an der A-Säule angebracht ist, klammert.

52 Jahre alter Klassiker 

Bei so viel ungezügelter Kraft irritiert es ein wenig, dass der rote Drehzahlbereich schon bei 5.000 U/min beginnt, doch der Reihensechszylinder ist ein Langhuber, der sich deswegen auch schaltfaul mit niedrigen Drehzahlen fahren lässt. Der 52 Jahre alte Sportwagen-Klassiker hat auch heute nichts von seinem einzigartigen Flair verloren: Rundinstrumente und Kippschalter verströmen Flugzeug-Cockpit-Atmosphäre, auch wenn die drei Mini-Scheibenwischer eher Palmwedeln gleichen, die gegen die nassen Naturgewalten ankämpfen. Auf den grauen Ledersitzen reist es sich bequem und die längsverstellbare Lenkradsäule lässt ruckzuck eine sehr gute Sitzposition zu.

Wie es sich für einen Rennwagen gehört, sind die Pedale extrem eng nebeneinander aufgereiht: Hacke-Spitze beim Zwischengas-Bremsen beim Runterschalten ist kein Problem: Die knackige präzise Viergangschaltung unterstützt die schnellen Gangwechsel mit kurzen Wegen. Das coolste Detail ist jedoch der Zigarettenanzünder: Statt „Cigarette“ steht da „Cigar“ – angemessen für den Herrenfahrer am Steuer des begehrten Sportwagens, der sicher keine ordinäre Zigarette rauchte. 

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