Dem kleinen SUV gehört die Zukunft

Fahrbericht Kia Stonic: Dickes Auto für schmalen Geldbeutel

19.09.2017, 13:50 Uhr | SP-X, Peter Maahn

Im Test: Kurz nach seiner IAA-Premiere startet jetzt der neue Kia Stonic.

Der Opel Mokka hat's vorgemacht, Renault Capture, Seat Arona, Opel Crossland X und andere folgten: Kleine SUV kommen groß raus. Kurz nach seiner IAA-Premiere startet jetzt auch der Kia Stonic. Ein Fahrbericht von Peter Maahn (Agentur SP-X).

Dem kleinen SUV gehört die Zukunft, prophezeien die Hellseher in den Chefetagen der Autokonzerne. Unter 20.000 Euro, ohne Allrad, nur wenig länger als vier Meter. Und alles verpackt in der so beliebten Silhouette eines urig-pfiffigen Hochbeiners.

Der SUV breitete sich aus wie ein Computervirus

Mit dicken Dingern wie Mercedes ML oder BMX X5 ging alles los. Elegant und sportlich schnell mal ins Gelände abbiegen und gleichzeitig vom Raumangebot eines großen Kombis profitieren. Die neue Gattung der SUV breitete sich aus wie ein raffinierter Computervirus, eroberte bald die Mittelklasse und erklomm mit Modellen in Golfgröße Jahr für Jahr neue Verkaufsgipfel.

Fahrbericht zum Kia Stonic

Im Test: Kurz nach seiner IAA-Premiere startet jetzt der neue Kia Stonic.

Das Design des Kia Stonic ist gefällig.

Das SUV tritt unter anderem gegen Seat Arona und Opel Crossland X an.

Die Rückbank lässt sich umlegen.

Gegen Aufpreis gibt es ein Navi.

Das Lenkrad ist etwas überladen.

Das SUV liegt voll im Trend

Jetzt infizieren sie mit Macht das Heer der Kleinwagen. "Vor etwa fünf Jahren wurden weltweit rund 40.000 Autos im sogenannten B-Segment abgesetzt, nächstes Jahr werden es 200.000 sein", sagt Deutschlands Kia-Chef Steffen Cost und schickt ein koreanisches Fohlen ins Rennen, dem er auch dank des günstigen Grundpreises von 15.970 Euro einen strammen Galopp zutraut.

Stonic: Dickes Auto für den schmalen Geldbeutel

Der neue Stonic hat keinen Vorgänger, teilt sich seine Gene mit dem braven Kia Rio und bedient die wachsende Zahl von Kunden, die von einem SUV träumen, aber kein traumhaftes Bankkonto haben. Die asiatischen Designer unter Führung des deutschen Altmeisters Peter Schreyer schneiderten dem nur 4,14 Meter langen Stonic ein Kleidchen, das sich zwar nicht wesentlich von den vielen anderen seiner Art unterscheidet, aber dennoch einige Hingucker zu bieten hat.

So sieht der Kia Stonic aus

Die Kia-typische Kühlernase wird von recht hoch angebrachten schmalen Scheinwerfern in die Mitte genommen und thront über einem dominanten Lufteinlass fast in Wagenbreite, der von senkrechten Kiemen begrenzt wird, in denen kleine Zusatzscheinwerfer versteckt sind.

Seitlich überrascht der lange Radstand, der minimale Überhänge an Bug und Heck übrig lässt. Wie heute üblich, fällt die mit einer Reling gekrönte Dachlinie ein wenig nach hinten ab und endet in einem Spoiler über dem Rückfenster. Zwei weitere Kanten ziehen den Stonic optisch so wirkungsvoll in die Breite, das man sogar an das Hinterteil des Mercedes GLA erinnert wird.

Auf Wunsch treibt er's bunt

Wenn es der künftige Kunde denn möchte, treibt es der Neuling auch bunt, Dach und Spoiler können in einer anderen Farbe lackieren werden. Die findet sich dann auch am Rückspiegel oder im Innenraum bei den Umrahmungen des Schalthebels oder des Bordmonitors wieder. "In dieser Klasse sind die Menschen mutiger", erklärt Steffen Cost das hauseigene Farbenspiel. "Sie wollen ihr Auto individuell gestalten können und ihm so eine besondere Note verleihen."

Fahrbericht des Kia Stonic: Kein Hochstapler

Start zur ersten Ausfahrt im Berliner Stadtteil Köpenick. Ein Hochstapler wie der vermeintliche Hauptmann ist der Stonic keineswegs. Mit 1,52 Metern ist er sogar flacher als manch anderer Rivale, vermittelt aber dank guter Rundumsicht eben jene Erhabenheit, die SUV-Jünger so schätzen.

Schier zahllose Knöpfe, Schalter und Funktionen

Das Cockpit ist bis auf die ausgewählte Colorierung dunkel bezogen, vor allem mit recht hartem Kunststoff. Aber so ist das nun mal in Autos dieser Preisklasse. Deutlich übertrieben hat Kia mit der sehr unübersichtlichen Belegung des Lenkrads und der beiden Stockhebel. Schier zahllose Knöpfe, Schalter und Funktionen. Hier sind Übung und Lernen angesagt.

Serienmäßig ist der 7-Zoll-Monitor, der sich mit dem Smartphone koppeln lässt und damit auch ein Navigationssystem von Apple oder Google einbringt. Ein eigener elektronischer Wegweiser ist ab 690 Euro zu haben, dieser bringt dann noch DAB-Radio und Rückfahrkamera mit.

120 PS im 1100 Kilo leichten Auto

Im Test-Stonic wartete ein kleines Turboherz auf den Befehl mittels Startknopf. Der Einliter-Dreizylinder mit seinen 88 kW/120 PS überraschte schon nach den ersten Metern, klingt alles andere als blechern, hängt gut am Gas und will nur dann fleißig geschaltet werden, wenn es mal rasanter zur Sache gehen muss.

Später auf der Landstraße verträgt der Kia klaglos hohe Gänge zum Spritsparen, ist nach dem Runterschalten vor dem Überholen aber sofort wieder hellwach. Gelungenes Downsizing also, was dem rund 1100 Kilo leichtem Auto gut steht. Dank des recht tiefen Schwerpunkts und einer straffen Lenkung kommt auf Wunsch sogar eine Art Sportlichkeit auf, wenn es im Kurvengeschlängel um Richtungswechsel geht. Die Würze der äußeren Kürze erweist sich als erfreulicher Nebeneffekt.

Assistenzsysteme nur in der Aufpreisliste 

Wie bei vielen anderen Mitstreitern wurde auf einen teuren und schweren Allradantrieb verzichtet. Dafür stehen in der Aufpreisliste einige der heute gebräuchlichen Assistenzsysteme, zumeist in Ausstattungspaketen verschnürt. Beispiele sind eine piepende Spurhaltewarnung, Notbremsassistent, Einparkautomatik, Querverkehrswarnung beim Ausparken oder automatische Fernlichtsteuerung. Immer im Preis mit drin ist das gute Platzangebot auch auf den Rücksitzen und im Kofferraum, der immerhin zwischen 352 und 1155 Liter fasst.

20.000 Euro für die Komfortversion

Natürlich werden nur wenige Stonic für den Grundpreis von 15.790 Euro den Besitzer wechseln. So um die 20.000 Euro sollte man schon an Kia überweisen, um einigermaßen komfortabel und sicher im Mini-SUV unterwegs zu sein. Die teuerste Version, die dann kaum Wünsche offenlässt, kostet schon 25.590 Euro.

Kia Stonic – 1,0 T-GDI: Technische Daten

  • Fünftüriges SUV mit fünf Sitzen
  • Länge: 4,14 Meter
  • Breite (ohne Spiegel): 1,76 Meter
  • Höhe: 1,52 Meter
  • Radstand: 2,58 Meter
  • Kofferraumvolumen: 352 - 1155 Liter

1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner

  • 88 kW/120 PS
  • maximales Drehmoment: 172 Nm bei 1.500 - 4.000 U/min
  • Vmax: 185 km/h
  • 0-100 km/h: 10,3 s
  • Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Normverbrauch: 5,0 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 115 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6
  • Effizienzklasse: B
  • Preis ab: 18.390 Euro

1,2-Liter-Benziner

  • 62 kW/84 PS
  • maximales Drehmoment: 122 Nm bei 4.000 U/min
  • Vmax: 165 km/h
  • 0-100 km/h: 13,2 s
  • Normverbrauch: 5,2 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 118 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6
  • Effizienzklasse: B
  • Preis: ab 15.790 Euro

1,4-Liter-Benziner

  • 73 kW/99 PS
  • maximales Drehmoment: 133 Nm bei 4.000 U/min
  • Vmax: 172 km/h
  • 0-100 km/h: 12,6 s
  • Normverbrauch: 5,5 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 125 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6
  • Effizienzklasse: C, Preis: ab 17.390 Euro

1,6-Liter-Diesel

  • 81 kW/110 PS
  • maximales Drehmoment: 260 Nm bei 1.500-2.750 U/min
  • Vmax: 180 km/h
  • 0-100 km/h: 11,3 s
  • Normverbrauch: 4,2 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 109 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6
  • Effizienzklasse: A
  • Preis: ab 20.090 Euro

Kurzcharakteristik

Warum: ein fröhliches Gesicht in der Menge
Warum nicht: weil man nicht jeden Trend mitmachen will
Was sonst: die üblichen Verdächtigen und bald auch der VW T-Cross auf Polo-Basis

Diesen Artikel teilen

Mehr zum Thema