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Der MGB: Europas meist verkaufter Roadster

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MGB  

Europas meist verkaufter Roadster

26.07.2012, 16:02 Uhr | Ulrich Feld, driver.de

Der MGB: Europas meist verkaufter Roadster. MGB (Quelle: Ulrich Feld)

MGB (Quelle: Ulrich Feld)

Er war so britisch wie das Pub, der Fünf-Uhr-Tee und die Beatles zusammen. Hübsch anzusehen und handlich im Umgang, ließ er auch eine flotte Gangart zu. Offen und sportlich bot er seinen Insassen mitsamt Gepäck ausreichend Platz. Hinreißend unkompliziert hatte er auch für Sonderwünsche aller Art ein offenes Ohr. Kein Wunder, dass der MGB vor einem halben Jahrhundert zum erfolgreichsten englischen Sportwagen wurde.

Dabei galt er eigentlich als das Weichei unter den britischen Roadstern, als er das Licht der Welt erblickte. Hatte er doch tatsächlich Kurbelfenster anstelle der üblichen Steckscheiben. Aber wenigstens musste der Fahrer bei feuchter Witterung noch ein fummeliges und umständliches Zeltdach errichten, wie sich das bei kleinen britischen Roadstern so gehörte. Das Klappdach zum Auf- und Zumachen mit einem simplen Handgriff gab es nur bei der italienischen und deutschen Konkurrenz. Erst 1969 stattete auch MG seinen Bestseller damit aus.

Hübsche Karosserie mit ausreichend Platz

Die Karosserie war ein glanzvolles Beispiel an ausgewogenen Proportionen. Glanzvoll ist hier wörtlich zu verstehen, damals sparten netterweise auch Sportwagen nicht mit Chrom. Der Kofferraum hat für einen Sportwagen ein erstaunliches Fassungsvermögen. Wem das nicht genügte, konnte zusätzlich eine Gepäckbrücke hintendrauf schrauben. Die Rückleuchten erinnern ein wenig an die Heckansichten der US-Straßenkreuzer dieser Epoche.

Simpler Motor mit ordentlich Dampf im MGB

Vorne werkelt beim MGB aber kein V8, sondern nur ein gusseiserner Vierzylinder mit 1,8 Litern Hubraum. Der sorgte in kleinerer Ausführung auch im Morris Oxford für bescheidenen Vortrieb. Tatsächlich war der Morris Oxford ein entfernter Verwandter des MGB, wie schon sein Name verrät: MG ist die Abkürzung für Morris Garage. Im MGB stellt der Vierzylinder 95 PS bereit. Was für damalige Verhältnisse ziemlich viel war - die meisten Bundesbürger fuhren damals noch Käfer und die meisten Briten Kleinwagen vom Schlage eines Morris Minor. Die 95 PS machten aus dem MGB ein recht munteres Fortbewegungsmittel. Vor allem bei niedrigen Drehzahlen gibt es so viel Dampf, dass man nur selten gezwungen ist, die unteren Gänge einzuwerfen. Der MGB war in erster Linie für die kurvigen englischen Landstraßen gebaut. Was aber auch im Ausland vielen Käufern gefiel. Die meisten der 387.675 gebauten Exemplare gingen in den Export.

Simpler und robuster MGB

Die Käufer störten sich auch nicht an der brettharten Federung und der schwergängigen Lenkung. Das war eben bei Sportwagen so, und ganz besonders bei englischen. Sie genossen lieber das urige Fahrvergnügen sowie das sonore Brummen unter der Haube und freuten sich über die für ein offenes Auto sehr steife und klapperfreie Karosserie. Dass der MGB überaus simpel konstruiert war, bot schließlich auch jede Menge Vorteile, wenn es mal was zu reparieren gab. Mit ihm war notfalls sogar ein Dorfschmied nicht überfordert.

Die Segnungen des Fortschritts

Auch ein MGB verweigerte sich nicht dem Fortschritt. 1964 gab es für den MGB mittels fünffach gelagerter Kurbelwelle mehr Festigkeit bei höheren Drehzahlen. Ab 1967 war das Getriebe vollsynchronisiert und damit leichter schaltbar, 1969 konnte man die Rückenlehnen der bis dahin starren Sitze verstellen. Aber Fortschritt bedeutet nicht immer auch Verbesserung: Im Jahr 1970 nahm MG seinem Bestseller die serienmäßigen Ledersitze und den hübschen chromglänzenden Kühlergrill weg und ersetzte ihn durch ein mattschwarz gefärbtes Gitter. Was den MGB im Vergleich zu vorher ein wenig aussehen ließ, als hätte ihm jemand die Zähne eingeschlagen. 1973 gab es für den MGB zwar wieder den klassischen Grill, nun aber aus Kunststoff.

Verschandelt mit Gummi

Aber erst ab 1974 wurde es richtig schlimm. Die neuen amerikanischen Sicherheitsvorschriften erforderten zweieinhalb Zentimeter mehr Bodenfreiheit und einen Wegfall der schönen alten Stoßstangen. Stattdessen wucherten fortan am MGB vorne und hinten scheußliche fette Stoßfänger aus schwarzem Kunststoff. Wegen der US-Emissionsgesetze sank außerdem die Leistung auf asthmatische 67 PS. Diese sogenannten "Gummiboote" sind heute bis zu 20 Prozent billiger in der Anschaffung als ein klassisches Chrom-Modell.

MGB als unkomplizierter Klassiker

1981 liefen die letzten MGBs vom Band. Damals bildete und organisierte sich erstmals eine richtige Oldtimerszene, die auch die Urmodelle des MGB rasch in den Rang eines Klassikers erhob. Dank der einfachen Konstruktion kann man sogar ein "Gummiboot" ohne großen Aufwand wieder zum Chrom-MGB umrüsten. Wem die 95 PS nicht reichen, dem steht ein reichhaltiges Arsenal an Tuning-Möglichkeiten zur Verfügung. Was speziell bei diesem Oldtimer auch kein Frevel ist - MGs wurden schon vor Jahrzehnten gerne stärker und schneller gemacht. Die Ersatzteilversorgung eines MGB ist bis zum Sankt-Nimmerleinstag gesichert, notfalls sogar mit frisch gepressten Karosserien. Wo gibt es das sonst noch?

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