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Der rasende Superkeil: Lamborghini Bravo

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Lamborghini Bravo  

Der rasende Donnerkeil

30.09.2013, 19:44 Uhr | Ulrich Feld, t-online.de

Der rasende Superkeil: Lamborghini Bravo. Lamborghini Bravo (Quelle: Schlegelmilch Photography)

Lamborghini Bravo (Quelle: Schlegelmilch Photography)

Selten hat Bertones Designchef Marcello Gandini mehr gestalterischen Mut bewiesen als mit dem Lamborghini Bravo. Ein kaum hüfthoher scharfkantiger Keil auf Rädern, setzte er neue Akzente im Bau und Design von Sportwagen. Seine Flügeltüren erinnerten an den legendären Mercedes 300 SL von 1954. Und von seinen Fahrleistungen her konnte er sich mit den schnellsten Straßenrennern seiner Zeit messen, ohne dass Lamborghini seine Möglichkeiten auch nur annähernd ausgeschöpft hätte.

Lamborghini Bravo platzte mitten in die Krise

Pech nur, dass der Lamborghini den Bravo zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt auf dem Turiner Salon präsentierte. Im Jahr 1974 steckte Lamborghini schon am Anfang einer schweren Krise, die fünf Jahre später sogar zur Insolvenz des Unternehmens führen sollte. Die Probleme bei der Entwicklung des Mittelmotor-Sportwagens Urraco, eine ungeschickte Modellpolitik und die Ölkrise setzten der 1963 von Ferrucio Lamborghini gegründeten Sportwagenfabrik erheblich zu.

Lamborghini Bravo trat kurz und breit auf

Deswegen fehlten Lamborghini schlicht und einfach die Mittel, den Bravo zum Serienobjekt weiter zu entwickeln. Ursprünglich hatte die Konzernleitung den Bravo als Nachfolger des Urraco vorgesehen. Der Urraco spendete denn auch das Fahrgestell, das Gandini um 20 cm kürzen ließ. Mit einem Radstand von 2,25 Metern und nur 3,74 Metern Gesamtlänge ist der Lamborghini Bravo der kürzeste Lamborghini überhaupt. Seine Breite beträgt jedoch satte 1,80 Meter.

Lamborghini Bravo kam aggressiv und bullig

Seine Proportionen und die einheitliche Fläche, die Fahrzeugschnauze und Windschutzscheibe zusammen bilden, verleihen dem Bravo eine extreme Bulligkeit. Zum aggressiven Auftritt trägt auch die giftgrüne Metallic-Farbe des Lamborghini Bravo bei. Bei Ferrari und Maserati wäre eine solche Farbe schwerer vorstellbar gewesen. Eher noch bei Porsche und seinem Bestseller 911.

Lamborghini Bravo: Luftdüsen statt Scheibenwischer

Gandini hatte darüber hinaus sowohl die Front- als auch die Motorhaube am Heck mit einer Vielzahl an kleinen rechteckigen Luftein- und auslässen überzogen. Sie hatten die Aufgabe, bei Regen als Luftgebläse die Windschutzscheibe freizuhalten. Kein Scheibenwischer sollte von der radikalen Keilform ablenken. Eine Besonderheit sind auch die Fenster selbst. Die vorderen Fenstersäulen (A-Säulen) hatte Gandini so unauffällig in das Design integriert, dass es aussah, als gingen die Fensterflächen direkt ineinander über. Selbst heute wirkt der Lamborghini Bravo wie ein Auto aus der Zukunft. Dass er schon ein Oldtimer ist, sieht man ihm nicht an.

V8-Motor aus dem Urraco

Für den entsprechenden Vortrieb sorgt beim Bravo der im gleichen Jahr eingeführte drei Liter große V8-Motor mit 250 PS, der auch den Urraco beflügelte. Für den Bravo frisierten die Lamborghini-Techniker das Aggregat auf 300 PS. Genug, um den ultraflachen und 1090 kg (andere Quellen geben ein Gewicht von rund 1280 Kg an) leichten Lamborghini Bravo mit wütendem Gebrüll auf über 270 km/h zu beschleunigen. Interessanterweise legte der Prototyp mit dem V8-Motor trotz Tuning über 60.000 Testkilometer zurück. Der V8 galt als heikel und erst mit Einführung der Drei-Liter-Version im Jahr 1974 als halbwegs ausgereift.

Mut zur Demut

Für das Glück am Steuer des Lamborghini Bravo muss sein Fahrer eine gehörige Portion Demut aufwenden. Ohne eine tiefe Verbeugung lässt der Bravo niemanden an Bord. Ist man erst mal drinnen, vermittelt der Bravo dagegen durchaus ein gewisses Raumgefühl, zumindest nach der Seite - seine Breite macht sich positiv bemerkbar. Hinter dem Motor gibt es sogar noch einen kleinen Kofferraum.

Lamborghini Bravo für die Verliebten

Die nahezu liegende Sitzposition in dem mit Alcantara ausgeschlagenen Passagierabteil lässt noch an einen anderen Verwendungszweck des Lamborghini Bravo denken. Seine dunkel getönten Rauchglas-Scheiben schirmen die Insassen vor jedem neugierigen Beobachter ab. "Mein Freund Nuccio Bertone hat den Bravo für die Verliebten geschaffen" witzelte Ferrucio Lamborghini gerne.

Lamborghini Gallardo statt Bravo

Im Mai 2011 fand der Lamborghini Bravo auf einer Versteigerung für 588.000 Euro einen neuen Besitzer. Das preiswerteste Trostpflaster für diejenigen, die das Unikat gerne in ihrer Garage gesehen hätten, beginnt momentan bei etwa einem Zehntel dieses Preises - nämlich das Lamborghini Gallardo Coupé. Das Design des Lamborghini Bravo ist bis heute richtungsweisend für die Formen aller Lamborghinis mit Mittelmotor. Auch im Design des Gallardo erkennt der Betrachter die Grundlinien des Lamborghini Bravo wieder. Zudem erfüllt der Gallardo heute die Aufgabe, die eigentlich dem Lamborghini Bravo zugedacht war: Er ist als der kleine Lamborghini der eigentliche Nachfolger des Urraco.

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