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Alfa Romeo Alfasud: Genial daneben

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Alfa Romeo Alfasud: Genial daneben

16.10.2012, 12:20 Uhr | mid

Alfa Romeo Alfasud: Genial daneben. Alfa Romeo Alfasud (Quelle: Hersteller)

Alfa Romeo Alfasud (Quelle: Hersteller)

Bei seiner Markteinführung galt der Alfa Romeo Alfasud 1972 als geniale Schöpfung. Zwei Jahre vor dem VW Golf etablierte er in der unteren Mittelklasse die bis heute gültige Formel für eine kompakte Limousine: Frontantrieb, geräumigen Innenraum, steiles Heck mit großer Klappe. Dazu gesellte sich beim Alfasud italienisches Flair und eine Prise Sportlichkeit. Doch bei der Umsetzung patzten die Italiener. Die Qualität war gelinde gesagt katastrophal.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte sich Alfa Romeo als Autohersteller bemerkenswert entwickelt. Beim Turiner Autosalon 1971 glänzte Alfa einmal mehr als technischer Pionier. Als neues Einstiegsmodell der Marke feiert der Alfasud seine Premiere. Das Konzept sah eine 3,89 Meter lange Limousine vor.

Die vorne eingebauten Vierzylinder trieben die Vorderräder an. Damit verwirklichte der Alfasud ein gutes Platzangebot für mindestens vier Erwachsene. Sogar ein ordentliches Gepäckabteil fand unter dem steil abfallenden Heck Platz. So verkörperte der Alfasud drei Jahre vor dem VW Golf jenes Erfolgsrezept, das seit den späten Siebzigern für alle Fahrzeuge der Kleinwagen- und Kompaktklasse unverzichtbar ist.

Stardesigner entwickelte den Alfa Romeo Alfasud

Für das moderne Design des kleinen Alfa mit unverkennbarer Familienähnlichkeit zeichnete der Bertone-Design-Star Giorgio Giugiaro verantwortlich. Er hatte extra für das Alfasud-Projekt sein eigenes Design-Atelier "Italdesign" gegründet und qualifizierte sich nicht zuletzt mit dem Alfasud zum Designer vom ersten Golf und Scirocco für Volkswagen.

Boxermotoren für den Alfasud

Um den Bauraum der Karosserie im Fahrzeugbug für den Frontantrieb so kompakt wie möglich zu halten, entwickelte Alfa Romeo für den Alfasud eine neue Familie von Boxermotoren, die flach und kompakt waren. Die Grundversion verfügte über einen Hubraum von 1186 Kubikzentimeter und leistete 63 PS bei 6000 Umdrehungen pro Minute. Das Fahrwerk war mit Einzelradaufhängung an der Vorderachse ausgestattet, hinten kam eine Starrachse mit Torsiosstabfederung und Panhardstab zum Einsatz. Die Verzögerung besorgten Scheibenbremsen an allen vier Rädern.

Knapp ein Jahr nach der Präsentation kam der Alfasud im Sommer 1972 in den Handel. Im Hinblick auf die Produktion trafen die Verantwortlichen des Staatskonzerns eine folgenschwere Entscheidung. Sie hatten als Standort für die neue Fertigung Pomigliano d`Arco ausgewählt, eine Gemeinde in der Provinz Neapel. Diese Region schrieb Anfang der Siebziger mit der höchsten Arbeitslosenquote Italiens negative Schlagzeilen.

Ungeübte Belegschaft patzte bei Produktion

Damit traf ein komplett neu entwickeltes Modell mit der obligatorischen Anfälligkeit für technische Kinderkrankheiten auf eine gänzlich ungeübte Belegschaft in einer neuen Fabrik. Diese Konstellation bürdete dem Alfasud vom ersten Tag die Hypothek dramatischer Qualitätsprobleme auf. Korrosionsvorsorge war damals in der Auto-Industrie noch unbekannt. Alfa Romeo litt jedoch zusätzlich unter dem minderwertigen Stahl aus Osteuropa, mit dem die Mafia damals italienische Autofabriken belieferte. Das und die erhöhte Reparaturanfälligkeit trübten die Erfolgschancen des so fortschrittlichen Fahrzeugkonzepts.

Der viertürigen Limousine folgte 1973 eine zweitürige Version mit flacher abfallender Heckpartie und einem sportlicheren Auftritt. Die nunmehr 68 PS des 1,2-Liter-Motors reichten für eine Höchstgeschwindigkeit jenseits der 160 km/h. Der laufruhige, drehfreudige Motor und der unzweifelhaft hoch entwickelte Fahrspaß des Italieners trösteten so manchen Kunden über die Qualitätsprobleme des Alfasud hinweg und ebneten ihm zudem eine erfolgreiche Karriere im Motorsport.

1975 kam der Kombi

Als dritte Karosserievariante stellt Alfa Romeo 1975 einen Kombi namens Giardinetta vor, der sich innerhalb seiner zweijährigen Bauzeit bis 1977 mit 3799 Einheiten am Markt nicht durchsetzten konnte. Mit einer 76 PS starken 1,3-Liter-Vierzylinder-Variante folgte ab 1977 eine zweite, stärkere Motorversion. 84 PS Leistung stellte der 1,5-Liter-Vierzylinder ab 1978 bereit, 95 PS ab 1981. Eine Modellpflege sollte 1980 dem Alfasud noch einmal auf die Sprünge helfen.

Begleitet von rund 700 Streiks liefen bis 1983 zum Produktionsende des Alfasud 906.824 Einheiten vom Band. Dazu gesellten sich 121.434 Exemplare der Coupé-Version Sprint. Mit dem Alfasud hatten sich die Italiener auf jeden Fall als feste Größe in der Kompaktklasse etabliert.

Der bis 1994 gebaute Nachfolger Alfa Romeo 33 entstand in einer Auflage von mehr als eine Million Einheiten. Auch die Nachfolgemodelle 145, 146 und 147 fanden genug Freunde, die gegen einen VW Golf oder Opel Astra italienisches Flair setzen wollten. Und die seit 2010 amtierende kompakte Baureihe Giulietta huldigt nicht nur einem traditionsreichen Modellnamen. "Julchen" ist das derzeit erfolgreichste Modell von Alfa Romeo überhaupt.

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