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Porsche 911: Ur-Elfer auf Zeitreise

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Porsche 911: Ur-Elfer auf Zeitreise

12.03.2013, 14:50 Uhr | mid

Porsche 911: Ur-Elfer auf Zeitreise. Ur-Porsche 911 mit filigranem Chromschmuck (Quelle: mid)

Ur-Porsche 911 mit filigranem Chromschmuck (Quelle: mid)

1963 war nicht nur das Jahr, in dem der Porsche 911 - noch als 901 - auf der IAA debütierte. Damals gab es in Deutschland ein solides Wirtschaftswachstum und eine prosperierende Mittelschicht, die von sportlichen und eleganten Autos wie dem Jaguar E-Type, der neuen Mercedes "Pagode" SL oder dem bereits erwähnten Porsche 911 träumte.

Beide Modelle richteten sich an eine eher junge oder besser jung gebliebene und sportlich orientierte Käuferschicht mit überdurchschnittlichem Einkommen. Ernsthafte Interessenten waren zumeist erfolgreiche Selbständige, Architekten, Ärzte oder mittelständische Unternehmer. Für die knapp 22.000 Mark, die der erste Porsche 911 neu kostete, hätte es gleich fünf neue VW Käfer gegeben.

150 Kilometer im Ur-Porsche 911

Ein halbes Jahrhundert nach der Erstvorstellung von Deutschlands Sportwagen Nr. 1 rollt das Porsche Museum eines der ersten 911 in leuchtendem Blau zur Ausfahrt aus seinen heiligen Hallen. 150 Kilometer rund um seine Heimat im Norden Stuttgarts mit einem Abstecher auf die Erprobungsbahn im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach stehen auf dem Programm. Bei dieser Zeitreise ist der Weg das Ziel.

Ferdinand Alexander Porsche zeichnete den 911

Den 4,16 Meter langen Zweisitzer hatte der 1963 erst 28 Jahre alte Ferdinand Alexander Porsche gezeichnet, Sohn von Firmenpatriarch Ferry Porsche. Die klaren runden Linien mit der flach zur Heckstoßstange abfallenden Dachlinie und den ausgeprägten vorderen Kotflügeln, die in den beiden Rundscheinwerfern münden, sind seitdem unsterblich. Die Form besticht noch heute und fasziniert nachhaltig. Zumal das schmale Auto mit seinen zierlichen Chromverzierungen so puristisch wirkt.

Ergonomie im ersten Porsche 911 auf dem Stand der 60er

Der Innenraum bietet stilistisch ebenfalls Bekanntes: den links sitzenden Zündschlüssel und die fünf zentralen Rundinstrumente. Nichts könnte fünf Jahrzehnte technischer Entwicklung jedoch deutlicher illustrieren als das erste Platznehmen. Sportsitze oder Ergonomie sind Fehlanzeige. Die mit schwarzem Leder bespannten Sitzgelegenheiten bieten weder Seitenführung noch Unterstützung des Rückens. Verstellung ist nur in Längsrichtung möglich. Das dünne Riesenrad zum Lenken ragt knapp und starr aus dem hölzernen Armaturenträger.

Erster Porsche 911 kam mit Sechszylinder und 130 PS

Die technische Revolution brachte 1963 der Antrieb. Porsche hatte für den 911 einen Sechszylinder-Boxer entwickelt, der aus zwei Litern Hubraum 130 PS bei noch heute atemberaubenden 6100 Umdrehungen pro Minute entwickelt. Das Fünfgang-Schaltgetriebe ist extrem knorrig und gewöhnungsbedürftig, weil der erste Gang links unten liegt und beim Einlegen das rechte Knie kontaktiert.

Porsche 911 ohne Servolenkung und ABS

Schon nach kurzer Umdrehung des Zündschlüssels erwacht der Motor und sorgt für den ersten Ansatz von Gänsehaut, weil der Sound des Motors seit 50 Jahren zum Ruf des Sportlers beiträgt: wach, heiser und gierig am Gas hängend. Die ersten Kilometer dienen dem behutsamen Erwärmen der neun Liter Motoröl im Trockensumpf und dem Kennenlernen des Oldtimers. Gelenkt wird noch ohne Servo-Unterstützung und gebremst ohne ABS, aber immerhin mit Scheibenbremsen. Die Kühlung des Innenraums vor den ersten Sonnenstrahlen des Jahres tritt erst nach dem Griff zur Fensterkurbel ein.

Mit 210 Sachen war der Ur-911 ein schnelles Auto

Ist der Motor voll erwärmt, darf der Triff aufs Gaspedal beherzt ausfallen. Dann faucht das Herz des Boxers kurz, bevor es brüllt und schreit. Die Drehfreude des Motors mit zwei Dreifach-Fallstromvergasern ist auch heute noch makellos. In neun Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu spurten, ersparen wir dem Ur-911 ebenso wie das Ausloten der 210 km/h Höchstgeschwindigkeit. Vor fünf Jahrzehnten waren das Gewinnerwerte für jedes Autoquartett. Die dünnen Reifen der Dimension 5,5 x 15 mahnen instinktiv zur Besonnenheit. 15 Liter Super auf 100 Kilometer galten 1963 als günstiger Verbrauch für einen Sportwagen.

Erster Porsche 911: Heckschleuder im Grenzbereich

Auf der abgesperrten Teststrecke ist der fahrdynamische Grenzbereich des 50 Jahre alten Sportlers kein Tabu. Der Hecktriebler drängt bei forciertem Tempo in Kurven mit seinem zeitlosen Hintern spürbar nach außen, und wenn der Fuß am Scheitelpunkt vom Gas geht, schwenkt die hintere Wagenhälfte zügig bis giftig aus. Das Einfangen erfordert einen Kraftakt mit beherztem Gegenlenken am dünnen Lenker.

Auch Ur-Elfer heute noch ein richtiger Sportwagen

Auch nach 50 Jahren kann beim ersten 911er das dynamische Potential den Charakter eines echten Sportwagens vermitteln, dem auch entspanntes Bummeln bei 130 Sachen auf der Autobahn gut gelingt. Heute ist ein solcher Oldtimer im getesteten Museumszustand nur für einen stattlichen sechsstelligen Euro-Betrag erhältlich. Als Vehikel für eine Zeitreise ist das Auto dagegen unbezahlbar.

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