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Politikberater Spreng: ADAC-Führung hat Realität verdrängt

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Politikberater Spreng  

ADAC-Führung hat Realität verdrängt

20.01.2014, 15:27 Uhr | dpa-AFX, t-online.de, dpa, rtr

Politikberater Spreng: ADAC-Führung hat Realität verdrängt . ADAC nach Manipulation des "Gelben Engels" unter Druck (Quelle: dpa)

ADAC nach Manipulation des "Gelben Engels" unter Druck (Quelle: dpa)

Die Kritik an der Chefetage des ADAC im Zusammenhang mit den Manipulationen rund um den Autopreis "Gelber Engel" wird immer schärfer. Autobauer und Politiker gehen auf Distanz. Der prominente Politikberater Michael Spreng warf der Führung des Clubs Realitätsverlust vor.

Spreng: Verhalten der ADAC-Spitze "katastrophal"

Der Journalist war früher Chefredakteur der "Bild am Sonntag" und fungierte 2002 auch als Wahlkampfleiter für den damaligen Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU). Spreng zählt hierzulande vor allem auch durch seine meinungsstarken Auftritte in Talkshows zu den bekanntesten Politikberatern.

Für die ADAC-Spitze fand er nun deutliche Worte: Deren Verhalten sei "katastrophal" gewesen: Die Führung habe dem Autoclub "unermesslichen Schaden" zugefügt. Der ADAC hatte am Sonntag zugegeben, die Zahlen einer Umfrage der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" zum Lieblingsauto der Deutschen gefälscht zu haben. Es wurden deutlich mehr Teilnehmer angegeben als tatsächlich mitmachten, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete.

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ADAC hätte "Notbremse" ziehen müssen

Spreng sagte, die ADAC-Führung hätte schon vor der Preisverleihung am vergangenen Donnerstag "die Notbremse ziehen müssen". Sie habe aber die Berichte über Mauscheleien nicht ernst genommen und die Realität verdrängt. Jetzt sehe sich "der ADAC insgesamt auf den Prüfstand gestellt".

Der Rückzug des ADAC-Kommunikationschefs Michael Ramstetter als "Hauptschuldiger" der Manipulation könne "nicht die einzige Konsequenz gewesen sein", meinte Spreng. "Es wäre sinnvoll, wenn der ADAC dies zum Anlass nehmen würde, transparenter zu werden", fügte der Kommunikationsexperte hinzu.

ADAC setzt auf externe Prüfer

Immerhin in Punkto Transparenz dürfte sich nun einiges beim ADAC tun. "Wir werden strukturelle und organisatorische Maßnahmen treffen, dass sich so etwas nicht wiederholt", kündigte der ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair auf einer Pressekonferenz an. Für die Untersuchung des Falls ziehe der ADAC auch externe Prüfer hinzu. "Unser Ziel ist es, das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit des ADAC wieder herzustellen."

Abstimmung "in einer unglaublich dreisten Art und Weise" verändert

Einen Rücktritt lehnte Obermair aber ab: Die Führungsgremien des ADAC sind nach seinen Angaben von dem Manipulationsskandal völlig überrascht worden. Bis zum Geständnis des bisherigen Kommunikationschefs Michael Ramstetter, dass er die Abstimmung zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert habe, hätten Präsidium und Geschäftsführung so etwas nicht für möglich gehalten, sagte Obermair. Ramstetter habe am Freitag ein "vollumfängliches Geständnis" abgelegt. Er habe die Abstimmung "in einer unglaublich dreisten Art und Weise" verändert.

Sieger in dieser Kategorie war in diesem Jahr der VW Golf. Der ADAC gehe davon aus, dass die entsprechenden Zahlen auch in den vergangenen Jahren nach oben manipuliert worden seien, sagte Obermair. Hinweise auf eine Fälschung der Rangfolge oder auf eine Manipulation anderer vom ADAC herausgegebener Daten gebe es hingegen nicht.

ADAC warnt vor "pauschaler Verunglimpfung"

Obermair wies damit den Verdacht zurück, vom ADAC veröffentlichte Zahlen zur umstrittenen Pkw-Maut könnten möglicherweise nicht stimmen. Zugleich entschuldigte er sich für die Reaktionen des Vereins auf die Berichterstattung in den Medien.

Kritik von VW und Ford

Immer mehr Autobauer äußern sich derweil zum ADAC-Skandal wie etwa VW. Es stelle sich schon jetzt die Frage, welchen Wert ein Preis habe, der mit solchen Begleitumständen behaftet sei, sagte ein VW-Sprecher. Ford zeigte sich enttäuscht vom ADAC. "Der Preis hat eine große Reputation. Da geht man davon aus, dass es bei der Findung der Sieger mit rechten Dingen zugeht", sagte ein Sprecher der Kölner Ford-Werke.

"Alle Preise auf den Prüfstand"

Der Fall nährt nach Meinung von Experten Zweifel auch an anderen Auszeichnungen in der Automobilindustrie. "Alle Preise in dieser Branche müssen kritisch auf den Prüfstand", forderte Helmut Becker. Der Leiter des Münchner Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation vermutet, dass auch bei Tests von Automodellen verschiedener Hersteller nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht. "Ich sehe die Gefahr, dass auch Vergleichstests getürkt worden sind", sagte der Wissenschaftler zu Reuters.

Überall, wo Organisationen ihre Quellen und Ergebnisse nicht offenlegten, seien Zweifel angebracht. Crashtests, mit denen durch simulierte Unfälle mögliche Schwachstellen von Autos festgestellt werden sollen, seien davon ausgenommen. Diesen könne man auch weiterhin trauen, da die Messergebnisse veröffentlicht würden.

FAZ: ADAC hat schon einmal geschummelt

Ausgerechnet bei einem Autotest ist der ADAC 2005 schon einmal negativ aufgefallen - damals war ein Dacia Logan im Test zum Überschlag gebracht worden. Das berichtet die FAZ. Der als "Billigflieger aus Rumänien" titulierte Test hatte allerdings unter besonderen Voraussetzungen stattgefunden. So wurden zuvor die Reifen ruiniert, dann das Reserverad aufgezogen.

Bundesregierung fordert Aufklärung

Auch die Bundesregierung hat den Autofahrerclub ADAC zu einer umfassenden Aufklärung von Manipulationen rund um den Autopreis "Gelber Engel" aufgerufen. "Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten, auch rückblickend für die Jahre zuvor", sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Montag in Berlin. Das Vertrauen, das die Mitglieder und die Öffentlichkeit dem ADAC entgegenbrächten, müsse zurückgewonnen werden.

Das Verbraucherministerium betonte, dass vor allem die Mitglieder Anspruch auf "transparente Strukturen" hätten. "Beim ADAC ist es so, dass er ganz besonders von dem Vertrauen seiner Mitglieder lebt und deswegen höchstselbst ein eigenes Interesse daran haben wird, alles was passiert sein sollte, aufzuklären und aufzuarbeiten", sagte ein Sprecher. Dies finde im Moment originär beim ADAC statt.

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