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ADAC-Präsident Peter Meyer schließt bei Günther Jauch Rücktritt aus

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TV-Kritik Günther Jauch  

ADAC-Präsident Meyer: "Wir liegen am Boden"

03.02.2014, 19:09 Uhr | Marc L. Merten, t-online.de

ADAC-Präsident Peter Meyer schließt bei Günther Jauch Rücktritt aus. In der Defensive: ADAC-Präsident Peter Meyer bei Günther Jauch in der ARD (Quelle: dpa)

In der Defensive: ADAC-Präsident Peter Meyer bei Günther Jauch in der ARD (Quelle: dpa)

Wenn mal wieder ein Unternehmen durch Skandale in der Öffentlichkeit glänzt, stellt sich gemeinhin der Leiter jener Institution irgendwann hin, demütig und "tief betroffen" von den Geschehnissen und verspricht "komplette Aufklärung" und "deutliche Transparenz", "damit solche Dinge nicht mehr passieren". Diesem Schema folgte am Sonntagabend auch Peter Meyer, Präsident des ADAC. Er war bei Günther Jauch zu Gast. Es war sein erster Auftritt, seit der Automobil-Club in die Schlagzeilen geraten war. Er gab zu: "Wir liegen am Boden." Einen Rücktritt schloss Meyer aber aus.

Wichtig an diesem Abend war die Frage, worum es bei all den Verfehlungen, die dem ADAC aktuell vorgeworfen werden, wirklich geht. Wenngleich die ARD-Redaktion Jauchs Talkrunde unter das völlig vage Thema "Totalschaden ADAC – Was ist das für ein Pannenverein?" gestellt hatte.

Neben Meyer waren zu Gast: Uwe Ritzer von der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), der maßgeblich an der Aufdeckung der Täuschungen mitgewirkt hatte, die Journalisten Margaret Heckel und Franz W. Rother sowie Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft der Universität Duisburg-Essen.

Eigentliche Frage: Ist der ADAC noch zeitgemäß?

Was war nicht alles hereingebrochen über den ADAC in den letzten Wochen? Der Verein, der jahrzehntelang für Pannenhilfe stand "wie Tempo für Taschentuch" (Heckel), trieb den 19 Millionen Mitgliedern zuletzt vor Wut die Tränen in die Augen. Zahlen bei der Wahl zum Auto des Jahres waren manipuliert worden, Führungskräfte hatten sich in Rettungshubschraubern zu Terminen befördern lassen, der ADAC-Jet wurde schon mal als Urlaubsflieger missbraucht, dazu kommen Vorwürfe fragwürdiger Steuervorteile, intransparenter Pannenstatistiken und dubioser Finanzgeschäfte.

Die zentrale Frage lautete daher – und man darf sich wundern, warum die ARD dies nicht von vornherein zum Thema der Sendung erkoren hatte: Ist der ADAC in seiner rechtlichen Form eines eigentlich nicht nach Gewinn strebenden Vereins heute noch zeitgemäß? Oder müsste die Politik dem milliardenschweren Unternehmen dieses Privileg des steuerlich günstigen Vereinsmodells nicht aberkennen, weil es eben zu genau solchen Verfehlungen (ver)führt und "unser ganzes Wirtschaftssystem pervertiert" (Dudenhöffer)?

Fragwürdige Zielvorgaben für Pannenhelfer

Grundsätzlich waren sich alle Beteiligten einig: Der ADAC als Pannenhelfer wird benötigt. Die Menschen auf Deutschlands Straßen brauchen Kräfte, die ihnen "auch nachts um vier" noch helfen, wenn das Auto streikt. Was sie hingegen nicht brauchen, sind Pannenhelfer, die ihnen neben der Reparatur auch noch Batterien verkaufen wollen, obwohl die aktuelle Autobatterie eigentlich noch in Ordnung ist. Meyer wollte von Verkaufsprovisionen zwar nichts gewusst haben, doch Ritzer stellte zurecht die Frage, "wozu Pannenhelfer in ihren Verträgen dann Zielvorgaben (für den Verkauf solcher Batterien) brauchen".

Immer wieder passierte es Meyer, dass er sich von Ritzer, Dudenhöffer oder selbst Jauch vorführen ließ. Letzterer gab sich erfrischend nachfragefreudig und ließ den Präsidenten seine "Davon habe ich keine genaue Kenntnis"-Ausrede nicht immer durchgehen. Warum er auch nach drei Wochen noch keine Antwort auf die Frage habe, ob nicht nur die Abstimmungszahlen gefälscht, sondern dadurch auch die Platzierungen verändert worden wären. Ob es ihm nicht unangenehm sei, dass Ritzer offenbar besser über den ADAC Bescheid wisse als der Präsident selbst. Und was denn die Pannenstatistiken des ADAC überhaupt noch wert seien, wenn, wie Meyer selbst sagte, diese "keine repräsentativen Aussagen" seien.

Meyer will "die Axt anlegen"

Für den ADAC geht es längst nicht mehr nur um gefälschte Umfragen oder einzelne Raffgier-Anfälle der Vereinsoberen. Der 1903 gegründete Automobil-Club ist heute ein milliardenschweres Unternehmen, ein Verein, der dank vieler Tochtergesellschaften zu einem Großkonzern gewachsen ist, seine Strukturen der Realität aber nicht angepasst hat. Neben der Pannenhilfe bietet der ADAC seinen Mitgliedern Mietautos an, Versicherungen, weitere Finanzprodukte, Kredite, Reisen, Bücher, Handytarife. Der Verein selbst verdient an alldem nicht direkt mit, aber nur deshalb, weil diese Produkte von den Tochtergesellschaften angeboten werden.

Dudenhöffer forderte deshalb, der ADAC müsse offenlegen, was die Beteiligungsgesellschaften kassieren. Ritzer kritisierte, dass es "keine vernünftigen Aufsichtsgremien" gebe, die dem dubiosen Treiben Einhalt gebieten könnten. Meyer selbst sprach zwar von einem "Wendepunkt" in der Geschichte des ADAC und kündigte an, dass man an die Strukturen "die Axt anlegen" würde. Doch seinen Kritikern hörte man an, dass sie nicht überzeugt waren, dass der ADAC tatsächlich an einer Umstrukturierung interessiert ist.

Dazu passte Meyers Antwort auf die Frage Jauchs kurz vor Schluss: "Schließen Sie Rücktritt aus?" - "Ja."

"Sieht nicht nach einem großen Desaster aus"

Etwas ändern, so der Tenor, könne wohl nur die Politik. Sie müsse dem ADAC seine Privilegien und Steuervorteile aberkennen, sagte Ritzer. "Die Neuerung muss von außen kommen", prophezeite auch Dudenhöffer. Rother warnte Meyer schon mal, dass der "Rückhalt in der Politik schwindet". Und auch Heckel war sich sicher, dass der ADAC "nie mehr so mächtig sein wird wie er mal war".

Einzig über die Mitgliederzahlen muss sich Meyer keine Gedanken machen. Die große Austrittswelle, die prognostiziert worden war, hat es (noch) nicht gegeben. Bis vergangenen Freitag seien lediglich knapp 5000 Mitglieder ausgetreten, sagte Meyer. Was er nicht sagte: Bei sechsstelligen Zuwachszahlen jedes Jahr durchaus verkraftbar. Er sagte stattdessen: "Es sieht nicht nach einem großen Desaster aus." Stimmt! Das hat der ADAC in den letzten Wochen ja bereits selbst angerichtet.

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