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ADAC diskutiert auf Hauptversammlung über Neustart

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Nach Skandal um Gelben Engel  

Roadmap: So will der ADAC aus der Krise kommen

12.05.2014, 10:04 Uhr | dpa-AFX, dpa

ADAC diskutiert auf Hauptversammlung über Neustart. Neustart: Der ADAC braucht selbst Pannenhelfer.  (Quelle: dpa)

Neustart: Der ADAC braucht jetzt selbst Pannenhelfer. (Quelle: dpa)

Nach dem Skandal um Tricksereien rund um den Gelben Engel verlor der ADAC erst das Vertrauen, dann zahlreiche Mitglieder. Der größte Verein Deutschlands steckt in der tiefsten Krise seit seiner Gründung vor 111 Jahren. Eine Neuausrichtung ist dringend nötig. Über die beriet jetzt die Hauptversammlung der 197 Delegierten in Saarbrücken unter dem Motto "Reform für Vertrauen".

Die Spitzen der 18 Regionalclubs diskutierten über die geplante Neuausrichtung des zweitgrößten Autofahrerclubs der Welt. Die personelle Erneuerung muss dabei allerdings warten. Bis November sollen Arbeitsgruppen in etlichen Themenfeldern nach Wegen suchen, die Organisation transparenter, demokratischer und vor allem wieder glaubwürdig zu machen. Dazu gehört auch eine neue Struktur für die wirtschaftlichen Aktivitäten des Clubs.

ADAC: Trennung von Verein und Unternehmen

Vor allem eine bessere Aufsicht über die vielen Tochterunternehmen und eine schärfere Trennung vom Verein und dem Unternehmen ADAC standen auf der Agenda. In der ersten Phase fokussiert sich das tiefgreifende Reformprogramm auf das künftige Selbstverständnis des ADAC. Zentrale Motive eines neuen Leitbilds, das in den kommenden Wochen verabschiedet werden soll, sind unter anderem:

UMFRAGE: ADAC
Gewinnt der ADAC mit der Neuorientierung Vertrauen zurück?

- Das einzelne Mitglied steht mit seinen persönlichen Mobilitäts-Bedürfnissen stärker denn je im Mittelpunkt des Clubs

- Die Struktur des ADAC wird so überarbeitet, dass Vereins- und wirtschaftliche Aktivitäten noch klarer getrennt sind und so eine transparente und nachvollziehbare Struktur gewährleistet ist.

- Zur Verbesserung des internen Steuerungs- und Regelungssystems werden die internen Zuständig- und Verantwortlichkeiten von Haupt- und Ehrenamt klarer definiert.

- Um hohe ethische und moralische Standards zu gewährleisten, arbeitet der ADAC mit Hilfe von externen Experten an einem für die gesamte Organisation gültigen Compliance-System.

"Reform für Vertrauen"

Nachdem sich zu Beginn des Jahres 2014 sowohl in der Zentrale als auch in den Regionalclubs des ADAC verschiedene Schwächen und Defizite offenbart hatten, wurde mit der "Reform für Vertrauen" ein umfassendes und tiefgreifendes Reformprogramm auf den Weg gebracht. Dabei befassen sich seit Mitte März 2014 sieben Arbeitsgruppen mit Themen wie "Selbstverständnis und Leitlinien" oder "Studie, Test & Awards". "Im vergangenen Jahrzehnt hat sich unsere Organisation in hohem Maße auch von unternehmerischen Zielen leiten lassen. Das rücken wir wieder gerade: Künftig wird wieder die Mitglieder-Orientierung beim ADAC in jeder Beziehung an erster Stelle stehen", betont August Markl, Erster Vizepräsident und kommissarischer Präsident des ADAC.

Keine personelle Erneuerung

Die personelle Erneuerung an der Spitze des Riesenverbands soll dahinter zurückstehen: Einen neuen Präsidenten will die Führung des Clubs frühestens auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im November, spätestens aber 2015 wählen. Damit bliebe der Erste Vizepräsident August Markl zunächst weiter Chef des ADAC. Er war kommissarisch eingesetzt worden, nachdem Präsident Peter Meyer im Zuge des Skandals Mitte Februar zurückgetreten war. Als Chef des Regionalclubs Nordrhein gehört er der Vereinsführung aber weiter an.

"Unternehmerische Betätigung werde zwar auch in Zukunft nötig sein, um die Qualität der Mitgliederleistungen aufrecht zu erhalten", sagte ADAC-Chef August Markl in Saarbrücken. Die wirtschaftlichen Ziele würden aber auf ein "sinnvolles Maß" zurückgeführt. "Mitgliederorientierung kommt beim ADAC klar vor wirtschaftlicher Orientierung", sagte Markl. Dieser Prozess werde mindestens noch bis Jahresende, möglicherweise bis zur nächsten Hauptversammlung in einem Jahr dauern, sagte Markl.

Hinweisgeber-Portal freigeschaltet

Zwar sind viele Detailfragen noch unbeantwortet, an einigen Stellen hat sich der Club aber zu Maßnahmen durchgerungen. So setzt der Club auf ein sogenannten Whistle-Blower-System. Über die Internetseite www.bkms-system.net/ADAC kann jeder Hinweise darauf geben, was im ADAC schief läuft oder ob vielleicht sogar gegen Richtlinien oder Gesetze verstoßen wird. Auch etliche große Unternehmen, die etwa unter Schmiergeldaffären zu leiden hatten, haben bereits ähnliche Systeme.

"Wir haben uns verpflichtet, ein durchgängiges Compliance-System für den gesamten ADAC zu schaffen. Mit dem Hinweisgebersystem setzen wir nun eine erste verbindliche Maßnahme in diesem Bereich um, die über das für Vereine rechtlich erforderliche Niveau deutlich hinausgeht", so Markl.

Der ADAC wird die Hinweise nicht selbst auswerten, das wird eine externe Anwaltskanzlei übernehmen. Zuvor hatte der Verein auch andere Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehört etwa, dass Funktionären nun untersagt ist, Rettungshubschrauber, die gerade in Reserve sind, für Dienstflüge "auszuleihen". An dieser - wenn auch selten genutzten - Praxis hatte sich scharfe Kritik entzündet. Zudem hat man mit prominenten Experten besetzten Beirat geschaffen, der die Prozesse begleiten soll. Dessen Sprecher ist Unicef-Deutschland-Chef Heraeus.

ACE profitiert von ADAC-Skandal

Für einen hatte der Skandal Vorteile: Der Auto Club Europa (ACE) profitiert nach eigener Aussage von der ADAC-Affäre. "Wir haben in den ersten vier Monaten dieses Jahres 13.865 Mitglieder dazugewonnen", sagte ACE-Chef Stefan Heimlich den "Stuttgarter Nachrichten". Das sind 16,5 Prozent mehr neue Mitglieder als der Autoclub in den ersten vier Monaten 2013 gezählt habe. "So gesehen spüren wir einen gewissen ADAC-Effekt. Ob aber alle neuen Mitglieder früher dem ADAC angehörten, das weiß ich nicht." Der ACE hat nach eigenen Angaben rund 580.000 Mitglieder, der ADAC fast 19 Millionen.

ACE über ADAC: "Großkonzern, der sich ein Vereinskleid überzieht"

Heimlich kündigte an, die Stellung des ACE als zweitgrößten deutschen Autoclub nach dem ADAC ausbauen zu wollen. Denn derzeit bemühe sich die ganze Branche, Mitglieder zu werben. "Stillstand kann sich also auch der ACE nicht leisten", so Heimlich. "Und wenn die Gelben Engel unseren irdischen Atem im Nacken spüren, nun denn, da habe ich auch nichts dagegen." Ein Vorbild sei der Münchner Wettbewerber aber nie gewesen. Der ACE wolle nicht so sein wie der ADAC - "also eine Art Großkonzern, der sich ein Vereinskleid überzieht", sagte Heimlich.

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