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Blitz-Marathon September 2014: 24 Stunden Dauerfeuer auf Temposünder

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Das war der Blitz-Marathon 2014  

24 Stunden Dauerfeuer auf Temposünder

19.09.2014, 13:12 Uhr | dpa

Blitz-Marathon September 2014: 24 Stunden Dauerfeuer auf Temposünder. Blitzmarathon am 18. und 19. September (Quelle: imago)

Blitzmarathon am 18. und 19. September (Quelle: imago)

Rekordverdächtige 238 km/h hatte der Spitzenreiter beim zweiten bundesweiten Blitz-Marathon drauf. Auch sonst hatte die Aktion einige Superlativen zu bieten. So waren 13.000 Polizisten an 7500 Mess-Stellen im ganzen Bundesgebiet im Einsatz.

Der Rekord-Raser war ein Fahrer in Reutlingen (Baden-Württemberg), der auf einer Landstraße mit Tempo 238 mehr als das Doppelte der erlaubten 100 Stundenkilometer drauf hatte. In Brandenburg wurde auf der A2 zwischen Netzen und Lehnin ein Autofahrer mit 219 statt der erlaubten 120 Stundenkilometer gemessen und ging damit als zweiter über die unrühmliche Ziellinie der erwischten Temposünder.

Aktion zeigte erwünschte Wirkung

Bei der breiten Masse der Autofahrer zeigten die Ankündigungen der Großaktion aber Wirkung. Sie seien deutlich langsamer als sonst unterwegs gewesen, berichtete stellvertretend die Berliner Polizei am Donnerstag. An fast 7500 Stellen im gesamten Bundesgebiet wurde geblitzt und "gelasert". Mehr als 13.000 Polizisten waren im Einsatz. Die Aktion dauert 24 Stunden und sollte am Freitagmorgen um 6.00 Uhr beendet sein.

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In Nordrhein-Westfalen waren auch Kinder bei den Kontrollen im Einsatz: An einer Schule in Düsseldorf ertappte ein Junge seine eigene Mutter, die zu schnell im verkehrsberuhigten Bereich unterwegs war. Auch eine Lehrerin durfte sich von ihren Schülern wegen zu schnellen Fahrens Einiges anhören.

Vater warnt Sohn und geht selbst in die Falle

In Münster berichtete ein Vater gegenüber den Beamten, dass er seinem Sohn am Morgen noch einen Warnzettel auf den Tisch gelegt habe: "Halte Dich an die Geschwindigkeit, es ist Blitz-Marathon!" Der Vater war dann mit 130 statt erlaubten 100 Stundenkilometern erwischt worden.

Es gehe nicht darum, möglichst viele Bußgelder zu verhängen, sondern darum, die Autofahrer zu langsamerer Fahrweise zu bewegen, betonte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD), der auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist. "Das schönste wäre, wenn heute kein einziger ein Knöllchen kriegen würde, sondern alle mal reflektieren, was wir tun", sagte er. "Wir wollen die Köpfe erreichen, nicht die Portemonnaies."

Erstmals wieder mehr Verkehrstote

Mit dem Blitzlicht-Gewitter reagiert die Polizei in diesem Jahr auch auf die Trendwende, die sich bei der Zahl der Verkehrstoten abzeichnet. Nach jahrzehntelangem Rückgang war im ersten Halbjahr dieses Jahres ein Anstieg bei den Todesopfern registriert worden.

Geblitzt worden 
Das sollten Sie jetzt wissen

Was nun folgt und wie hoch die Strafe sein wird. mehr

Das Konzept überzeuge immer mehr, sagte Jäger. "Auch in Polen, auch in Frankreich, sogar in Australien", erläuterte er. In Nordrhein-Westfalen durften dieses Mal Kinder die Mess-Stellen vorschlagen. Fast 18.000 Kinder und Jugendliche hätten sich beteiligt und mehr als 3000 Stellen angeregt. Sie verteilten selbst gebastelte "Denkzettel" an die Autofahrer.

Kinder in die Aktion eingebunden

In Essen im Ruhrgebiet geriet am Morgen eine Autofahrerin prompt in Anwesenheit des Ministers mit Tempo 59 statt 30 in die Tempofalle. Weil Kinder das Messgerät bedienten, kam sie um 120 Euro Bußgeld herum, aber nicht um eine eindringliche Ermahnung.

Bei Twitter rangierte das Stichwort #Blitzmarathon am Donnerstag schnell auf Platz eins der Topthemen: "Extra noch schnell beim Friseur gewesen, falls es blitzt", hieß es etwa. Oder: "Kinder belohnen langsame Autofahrer mit Süßigkeiten. Ich dachte, die sind um diese Zeit in der Schule."

Fahrer versuchte zu flüchten

Die Ermahnung durch die Polizei wollte sich ein 46-jähriger Raser bei Essen ersparen, indem er auf der Autobahn 52 Gas gab, anstatt anzuhalten. Er fuhr der Polizei über den Standstreifen davon, bis er in eine Leitplanke krachte. Er blieb unverletzt.

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), verteidigte den Blitz-Marathon: "Die Wahrheit ist: Wenn die Polizei nicht blitzt, sterben mehr Menschen!"

Blitzmarathon stieß auch auf Kritik

Kritik am Blitz-Marathon kam von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): Deren Bundesvorsitzender Oliver Malchow sprach von "einer PR-Aktion ohne nachhaltigen Effekt auf die Verkehrssicherheit". Der "Passauer Neuen Presse" sagte Malchow: "Es reicht eben nicht, Blitzer aufzustellen."

Auch Siegfried Brockmann, führender Unfallforscher vom Gesamtverband der Versicherer, zeigte sich skeptisch: Verkehrssünder mit dauerhaftem Bleifuß erreiche man nur über dauerhaften Kontrolldruck. Er kritisierte aber, dass Tempokontrollen als "Abzocke" bezeichnet würden. "Dieses Wort ist so unsäglich, weil es die Polizei als die Schurken darstellt und Temposündern eine Legitimation bis weit in Kreise hinein verschafft, die eigentlich ganz gesetzeskonform fahren."

Radarkontrollen oft nicht an Gefahrenpunkten

Der Verband Mobil in Deutschland hatte auf Untersuchungen verwiesen, wonach die üblichen Radarkontrollen eben nicht an Gefahrenpunkten stattfinden, sondern dort, wo viel Geld zusammenkommt. Beim ersten bundesweiten Blitz-Marathon im Oktober 2013 wurden drei Millionen Autofahrer kontrolliert und 83 000 als zu schnell erwischt.

Geblitzt worden - das sollten Sie wissen

Was nach dem Auslösen des Blitzes passiert und wie hoch Ihre Strafe sein wird, lesen Sie hier: Zu schnell gefahren und geblitzt worden - Das sollten Sie jetzt wissen.

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