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Mercedes 300 TE-24: Sportlicher Youngtimer im Test

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Es hat 24 geschlagen  

Sportlicher Youngtimer Mercedes 300 TE-24 im Test

18.12.2014, 15:48 Uhr | Patrick Broich, SP-X

Mercedes 300 TE-24: Sportlicher Youngtimer im Test. Mercedes 300 TE-24 (Quelle: Hersteller)

Mercedes 300 TE-24 (Quelle: Hersteller)

Mercedes galt in den Neunzigern nicht als sportlich. Wer den Stern athletisch wollte, musste sich mit AMG behelfen. Doch auch im Serienprogramm fand sich das eine oder andere Modell, vor dem die meisten Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn Respekt hatten und noch heute haben. Zum Beispiel vor dem raren 300 TE-24, der zu Neuzeiten gleich mehrere fast außergewöhnliche Merkmale vereinte.

Erstens gehörte er mit 220 PS zu den stärksten Kombis auf dem Markt. Zweitens zählten Vierventiler noch zu den absoluten Randerscheinungen - meist verortet im Motorsport.

Mercedes 300 TE-24: Sportlicher Kombi

Die Schwaben waren beim Debüt des Dreiliter-Reihensechszylinders mit 24 Ventilen im Jahr 1989 zwar nicht die ersten Serienhersteller dieser Technik - aber es reichte locker, um Aufsehen zu erregen mit dem etwas sperrigen Schriftzug auf dem Heckdeckel. Wenn der damals als Muskelprotz empfundene Kombi auch noch mit manuellem Fünfgang-Getriebe anrollte, war die Familienkutsche erst recht ein Exot auf der Straße. Einer, der sich auf der schnellen Piste ohne Probleme auch mit den Fünfhunderter-Mercedes der damaligen Welt hätte anlegen können. Dieser nämlich hatte lediglich 32 Pferde Vorsprung und eine obligatorische Viergang-Automatik, die das Drehmoment-Plus problemlos wieder vernichtete.

Sehr rarer Benz

Wer gezielt nach einem Dreihunderter als 24V und Kombi mit Schaltung sucht, muss Geduld mitbringen. Oft findet sich kein einziges Exemplar in den einschlägigen Internet-Autobörsen. Wir hatten etwas Glück und einen Treffer gelandet bei Gebrauchtwagen-Händler Hiller in Meckenheim. Kaum georgelt, springt der seinerzeit neu entwickelte M104 an und verfällt prompt in einen stabilen Leerlauf. Ein paar prüfende Gasstöße lassen den immer schon als etwas kernig geltenden Sechszylinder sonor klingend hochdrehen. Da kommen Gefühle aus alten Zeiten hoch, als die High End-Business-Class noch meist von Herren in feinem Zwirn bewegt wurde. Schließlich konnte man den Edellaster mit entsprechenden Sonderausstattungen locker auf 100.000 Mark bringen. Übrigens begeistert er mit fast 1.800 Litern Ladevolumen damals wie heute und mimt den denkbar nützlichen Allrounder. Die Polster in Stoff-Karo verleihen ihm einen sportlichen Touch, obwohl sie eigentlich mehr komfortabel als drahtig anmutet.

Kombi mit Sportgetriebe

Die größte Faszination dieses besonderen T-Modells geht von seinem Antriebsstrang aus. Sechs Zylinder, 24 Ventile und mechanische Box, man kann es sich gar nicht oft genug auf der Zunge zergehen lassen. Der erste Gang liegt unten links, ein kleiner Hinweis auf den Umstand, dass Mercedes im Fremdauftrag hat arbeiten lassen. Sportgetriebe schimpft sich das Teil von Getrag, was wie Hohn in den Ohren derer klingt, die ein wirklich dynamisches Auto erwarten. Über das Fahrwerk muss man nicht reden, in Stuttgart wollte es selbst der wildeste Leistungsfanatiker eher kommod.

Automatik wäre passender

Passt ein Schaltgetriebe überhaupt zu diesem Power-124er? Eigentlich nicht, der auf eher langen Wegen einrastende Hebel wirkt wie ein Fremdkörper in der Landschaft aus Zebrano-Holztäfelung, kein Wunder, dass die meisten Kunden Automatik orderten - sogar gegen einen erhöhten Aufpreis (4936 statt 3197 Mark) als fünfstufige Version zu haben, worin nach ewig scheinenden Jahren der Drei- und Vierstufigkeit schon eine kleine Revolution liegt. Im Gegensatz zur Vierventiltechnik waren die Untertürkheimer nämlich die ersten, die so viele Gänge im Zusammengang mit einer Wandlerautomatik anboten. Für den Kombi gab es das weich schaltende Getriebe erst ein Jahr später, während Coupé und Limousine bereits ab Herbst 1989 in dessen Genus kamen.

Jenseits der Viertausend geht es los

Also, los geht’s mit unserem Schalter: Ein Blick auf den Drehzahlmesser (roter Bereich bei 7000 Umdrehungen) macht klar, dass der Reihensechser gerne hochgejubelt werden möchte. Und so fühlt er sich doch ein bisschen schwach auf der Brust an im mittleren Drehzahlbereich. Aber wehe, man passiert die Viertausender-Marke, dann lebt die Maschine auf und sorgt für sanften Druck in die straffen Stoffsessel.

Auch als Oldie noch solide

Dabei bleibt er angenehm in der Tonlage und rennt selbst manchen Neuwagen davon. Klar, mit den heutigen Topdieseln wird es schwierig - gegen ein Kaliber von der Sorte Passat TDI mit 240 PS würde der Exoten-Benz wohl verlieren. Auch die auf 8,3 Sekunden bis 100 km/h bezifferte Beschleunigung sowie 222 Sachen Topspeed hauen heute niemanden mehr vom Hocker. Dafür ist das betagte T-Modell selbst nach über 20 Jahren noch ein zuverlässiger und solide anmutender Kandidat - hier knarzt oder klappert rein gar nichts; er gehört zu den problemlosen Alltags-Youngtimern, die eine hervorragende Alternative zum neuen Kompaktwagen darstellen.

Selbst wenn man ein topgepflegtes Exemplar im Einserzustand für knapp 10.000 Euro ergattert und der Schwabe dann und wann mal etwas tiefer ins Glas schaut, fährt man in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis ganz vorne mit.

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