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60 Jahre Citroën DS: Das schwere Erbe der "Göttin"

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60 Jahre Citroën DS  

Ein göttliches Auto und das schwere Erbe der "déesse"

30.01.2015, 16:58 Uhr | auto-medienportal.net

60 Jahre Citroën DS: Das schwere Erbe der "Göttin". 60 Jahre Citroën DS (Quelle: Hersteller)

60 Jahre Citroën DS (Quelle: Hersteller)

Citroën DS: Kaum ein anderes Auto ist so bekannt wie die "Göttin". Die auffällige Erscheinung ist jedem Auto-Fan präsent - ob als Staatslimousine, Film-Held oder als Rallye-Fahrzeug. Jetzt jährt sich die Premiere der DS zum sechzigsten Mal. Wir stellen Ihnen die avantgardistische Französin auf vier Rädern nochmal vor.

"La déesse" repräsentierte für zwei Jahrzehnte nicht nur die Marke, sondern die gesamte französische Autoindustrie. Freilich verhielt sich die aufwändige Technik der DS oftmals weniger göttlich. Nachdem Anfang 1976 die letzte von 1.456.115 DS als Krankenwagen vom Band gelaufen war, endete eine Ära. Die Nachfolger der DS konnten nie wirklich an den Erfolg der "Göttlichen" anknüpfen.

Citroën DS: Fortsetzung der Avantgarde

Citroën war seit jeher die Marke der Avantgarde. Bereits Firmengründer André Citroën hatte mit seinen Fahrzeugen stets technische Innovationen verknüpft. So war die Limousine "Traction Avant" als erster Pkw der Welt mit Frontantrieb 1932 in Serie gegangen. Unmittelbar nach dem Krieg verband der 2CV automobilen Minimalismus mit kultigen Fahreigenschaften zum erfolgreichen Großserienprodukt. Anfang der Fünfziger reifte der Plan, für den besonders formal in Jahre gekommenen "Traction Avant" einen Nachfolger zu schaffen, der die Innovationskraft und den Mut der Marke zu deren Umsetzung besonders nachhaltig umsetzen sollte.

In der Praxis 
Citroën DS3 Cabrio mit neuen Reizen

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Futuristisches Design

Während in den frühen Fünfzigern die prägenden stilistischen Merkmale amerikanischer Autos wie Heckflossen, Panoramascheiben oder üppige Chromzier auch das Gros europäischer Autos, wenn auch im verkleinerten Maßstab beherrschte, entschieden sich der verantwortliche Designer Flaminio Bertoni für eine extrem futuristische, aerodynamisch ausgeklügelte Form. Die vier Meter lange viertürige Limousine warf mit ihrem fließenden Heckabschluss alle gängigen Normen über den Haufen.

DS nur mit Vierzylindern

Für den Antrieb waren im Lauf des langen DS-Lebens ausschließlich Reihenvierzylinder zuständig. Zur Premiere genügte ein 1,9-Liter mit 75 PS. 140 km/h Höchstgeschwindigkeit galten vor 60 Jahren als ausgezeichneter Wert. Herausragendes technisches Merkmal der DS war jedoch die hydropneumatische Federung. Sie überragte andere technische Neuerungen wie innenliegende Scheibenbremsen an der Vorderachse und die Zweikreisbremsanlage mit einer Zentralhydraulik, die die Bremskraft mit Hochdruck servo-unterstützte.

Göttliche Hydropneumatik

Die Hydropneumatik übernahm quasi die Arbeit klassischer Federn und Dämpfer. Das System arbeitete automatisch als Niveauregulierung. Es verlieh der DS unter den Aspekten des Fahrkomforts Qualitäten, die sogar die automobile Elite der Zeit aus den Häusern Rolls-Royce und Mercedes-Benz übertrumpfen konnte. Beide Hersteller erwarben augenblicklich das Patent der Hydropneumatik von Citroën.

Viel Leichtmetall und Kunststoff verbaut

Außergewöhnlich wie die Fahrwerkstechnik war auch der Karosserieaufbau, der sich grundlegend von den meisten anderen Fahrzeugen unterschied. Die tragende Karosseriestruktur war mit einem Plattformrahmen verschweißt, der als Fahrgestell diente. Hauben, Türen, Dach und Kotflügel waren als nichttragende Teile mit der Struktur verschraubt. Erstmals kamen bei einem Großserienfahrzeug zur Reduzierung des Gewichts große Mengen von Leichtmetall und Glasfaserverstärktem Kunststoff zum Einsatz. Die Motorhaube der DS war seinerzeit das größte aus Aliminium gefertigte Karosserieteil.

Nach Angaben der Pressestelle von Citroën sollen bereits am Abend des 5. Oktober 1955 rund 12.000 Bestellungen für eine DS vorgelegen haben. Citroën bot das Fahrzeug als viertürige Limousine "Berline" an und in drei verschiedenen Kombiversionen. Ein in kleiner Stückzahl gefertigtes Cabrio rundete das Modellportfolio ab. Darüber hinaus schneiderten im Laufe der Modellgeschichte zahlreiche Spezialfirmen unterschiedlichste Versionen von der Staatslimousine bis zum Coupé.

Aufwändiges Fahrwerk machte Probleme

Die Vierzylinder erstarkten in angemessenen Schritten. Die Buchstabenkombination "ie" in den letzten Versionen DS 21 ie und DS 23 ie (126 PS) lieferten den Hinweis auf eine D-Jetronik von Bosch, die in den Siebzigern die Rolle der Gemischaufbereitung übernommen hatte.
So vielseitig das Angebot und so zeitgemäß die technische Ausstattung war, so gerne offenbarte die Göttliche auch ihre dunkle Seite. Vor allem die technisch anspruchsvolle Hydropneumatik bereitete den Kunden jede Menge Verdruss. Doch angesichts der technischen und formalen Ausnahmestellung drückten die Fans der DS lieber ein Auge zu, als sich automobiler Einheitsware zuzuwenden. Eine DS umwehte stets das Image kultivierter Individualität und gehobener Klassenlosigkeit. In Filmen spielte die DS mehr Hauptrollen als die Bardot, Deneuve oder Signoret zusammen.

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Nachfolger Citroën CX

In den Siebzigern hatte die Zeit die DS schließlich doch eingeholt. Mit dem CX stellte Citroën bereits im Spätsommer 1974 das Nachfolgemodell vor. Wieder als Limousine und extrem geräumigem Kombi und natürlich mit einer hydropneumatischen Federung. Die Ölkrise mahnte schließlich sparsame Motoren an, was das Ende der geplanten Spitzenmotorisierung durch einen 170 bis 180 PS starken Wankelmotor bedeutete. Auch die Fertigung musste deutlich rationeller als bei der DS ausfallen. Geräumig und komfortabel gelang es dem CX bis zum Produktionsende 1991 nach 1.170.645 Einheiten die Fahne der Marke in der Obernklasse noch einigermaßen hoch zu halten.

Kantiger XM war wenig beliebt

Der XM, von 1989 bis 2000 produziert, verlor dagegen rasch an Boden in einer besonders imageträchtigen Fahrzeugklasse, die das deutsche Trio Mercedes E-Klasse, BMW Fünfer und Audi A6 immer stärker dominierte. Es nutze Citroën auch wenig, dass schließlich beim XM als Topmotorisierung ein Dreiliter-V6 mit 200 PS zum Einsatz kam, denn hartnäckige Qualitätsprobleme, vor allem bei elektronischen Bauteilen hatten bereits ab 1992 zu drastischen Verkaufseinbrüchen geführt.

Citroën C6: Abschied aus der Oberklasse

2005 wagte Citroën mit dem C6 den letzten Versuch, in der Oberklasse Fuß zu fassen. Doch der Versuch scheiterte, die technische Schmach des XM durch konzentrierte Qualität zu tilgen und an die guten Tage des CX und vor allem an die glorreichen der DS anzuknüpfen. Bis 2012 baute Citroën vom C6 gerade einmal 23.384 Einheiten.

Citroën DS: Vom Modell zur Marke

Doch der Nimbus DS wird am Leben erhalten - mit den Modellen DS3, DS4 und DS5. Vielleicht kommt bald sogar ein größeres Modell, denn schließlich wird das Kürzel DS zur luxuriösen Nebenmarke von Citroën ausgebaut. Und zumindest beim Design versuchen die neuen Modelle, den Anschluss an die avantgardistische Ahnenreihe zu halten.

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