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Italienisches Autodesign: Mit dem Verkauf von Giugiaro an VW endet eine Ära

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Italienische Designschmieden  

Mit dem Verkauf von Giugiaro endet eine Ära

28.07.2015, 10:37 Uhr | Thomas Lang, auto-medienportal.net

Italienisches Autodesign: Mit dem Verkauf von Giugiaro an VW endet eine Ära. Ende einer Ära im Auto-Design: Italdesign von Giugiaro geht an VW. (Quelle: Hersteller)

Ende einer Ära im Auto-Design: Italdesign von Giugiaro geht an VW. (Quelle: Hersteller)

Bertone, Pininfarina, Giugiaro, Zagato, Vignale oder Scaglietti - diese Namen lassen Autoherzen höher schlagen. Nirgendwo auf der Welt verdichtete sich Autodesign so wie im Norden Italiens. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei: Nach der Pleite von Bertone im vergangenen Jahr hat Giorgio "Giorgetto" Giugiaro nun sein Studio Italdesign komplett an den VW-Konzern verkauft.

Eigentlich ist es keine Schande, mit 78 Jahren den Ruhestand anzutreten. Doch die schlichte Pressemitteilung: "Giugiaro verlässt seine Firma Italdesign" markiert nicht nur eine Zäsur für das Lebenswerk eines der erfolgreichsten Autodesigner der Geschichte. Denn mit dem Abgang des Stardesigners endet eine Ära.

Giugiaro: 300 Autos aus seiner Feder

In 55 Jahren als Designer hat Giugiaro mehr als 300 Autos gezeichnet. Fiat holte das Jahrhundert-Talent bereits mit 17 Jahren in das Design-Team. 1959 sicherte sich Bertone Giugiaros Begabung. Dort verlieh er unter anderem Autos wie den BMW 3200 CS, den Maserati 5000 GT oder dem Iso Grifo unsterbliche Linien. Doch Giugiaro kaprizierte sich nicht auf teure Luxusmodelle, er adelte auch Autos für Jedermann wie den Fiat 850 Spider oder das Simca 1000 Coupé zu Klassikern.

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Der Vierzylinder-Boxer mit 1,6 Litern Hubraum und 75 PS brachte es 1957 auf 165 km/h Spitzengeschwindigkeit. Video

Italdesign Ende der 60er gegründet

Nach einem zweijährigen Zwischenspiel bei Ghia gründete Giugiaro am 7. Februar 1967 sein Studio Italdesign. Schon die erste Eigenentwicklung, der Alfasud, geriet zum Volltreffer. 1969 begann die Zusammenarbeit mit Volkswagen. Giugiaro lieferte mit dem Golf, Passat und Scirocco nicht nur stilbildende Autos, die drei Modelle halfen den Wolfsburgern die Stagnation der Käfer-Monokultur und damit die drohende Pleite abzuwenden.

Der "Maestro" kreierte Auto-Legenden

BMW M1, De Lorean DMC-12, Lancia Delta, Lotus Esprit, Saab 9000, Maserati Quattroporte, Alfa Romeo 156, die Liste der erfolgreichen Giugiaro-Kreationen lässt sich über ganze Seiten weiter fortführen. Nicht zu vergessen der Fiat Panda, "die tolle Kiste" von 1980. 2010 verkaufte Giugiaro 90 Prozent von Italdesign an den VW-Konzern. Nicht zuletzt auf Basis der engen Freundschaft mit Ferdinand Piech, der den Italiener nur "Maestro" nennt.

Designer im Korsett der Manager

Dass sich Giugiaro nun von seinem Lebenswerk getrennt hat, ist weniger eine Folge von finanziellen Erwägungen. Vielmehr aus dem selbst empfundenen Rückgang der persönlichen Freiheit bei den kreativen Prozessen. Schon 2013 erklärte er in einem Interview der "Auto-Zeitung": "Heute geben 50 Marketing-Experten ihren Senf dazu und erzählen dann, sie hätten entschieden wie der neue xy anders aussehen wird."

Italdesign geht an VW

Giorgetto Giugiaro verkauft ein solides Unternehmen mit rund 1000 Mitarbeitern an VW. Andere große italienische Designer verloren dagegen aus wirtschaftlichen Gründen den Anschluss. Wie Bertone. Als der 28-jährige Giovanni Bertone 1912 seine Firma in Turin gründete, war der Begriff "Design" in Verbindung mit dem Automobilbau noch nicht erfunden. Bertone entwickelte in den Zwanzigern das einzigartige Geschäftsmodell der italienischen Designstudios. Er verband Stil, gestalterische Kompetenz und handwerkliches Können mit den sich rasch entwickelnden Möglichkeiten industrieller Fertigungstechniken im Autobau.

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Italienisches Design: Alles begann mit der Giulietta Sprint

Der Turiner Autosalon 1954 gilt als Initiationszündung für das Zeitalter des italienischen Autodesigns. Bertone präsentierte damals den Alfa Romeo Giulietta Sprint. Ein kompaktes Coupé, das unsterbliche Linien mit einem zukunftsweisenden Fahrzeugkonzept verband. Danach buhlten zahllose Hersteller um die Gunst von Bertone.

Auch Bertone war einst erfolgreich

Der Fiat 850 Spider markierte 1965 einen Wendepunkt in der Firmengeschichte von Bertone. Der kommerzielle Erfolg des Modells führte zu der Entscheidung, den bereits etablierten Bau von Karosserien und Kleinserien um eine eigene Großserienfertigung zu ergänzen. Die Turiner vergrößerten ihre Produktionskapazität auf 120 Einheiten pro Tag und fertigten bis 1972 rund 130.000 Einheiten des kleinen Cabrios.

Bertone etablierte sich als Hausdesigner für Lamborghini, zeichnete in den Siebzigern aber auch Autos wie den Fiat 131 Abarth Rallye, den Maserati Khamsin oder den Ferrari 308 GT4. Die von Bertone entwickelte Fiat X1/9 oder das Coupé 262 C für Volvo fertigten die Turiner komplett selbst. Vom zweisitzigen Mittelmotorsportler Fiat X1/9 entstanden zwischen 1972 und 1988 rund 180.000 Einheiten.

Bertone: Nachfolge ohne Glück

Am 26. Februar 1997 starb Nuccio Bertone mit 83 Jahren. Damit war das Unternehmen im wahrsten Sinn des Worts kopflos geworden. Bertones Nachfolger scheiterten einerseits daran, die Kapazität der etwa 300 festangestellten Designer und Ingenieure zu vermarkten, ebenso bei der Auslastung der großen Fertigungskapazitäten. Die Produktion kam bereits 2007 zum Erliegen.

Wer kennt noch Scaglietti oder Zagato?

Nach dem Bankrott von Bertone am 18. Mai 2014 war die Ära der italienischen Design-Päpste schon am Ende. Scaglietti, seit 1951 ein Begriff für Karosseriebau und Design "made in Italy", fristet sein Dasein als Ferrari-Zulieferer. Das Unternehmen veredelt im Auftrag Ferraris einzelne Modelle nach individuellen Kundenwünschen. Zagato hat sich auf exzentrische Studien und Kleinstserien, beispielsweise für Aston Martin, spezialisiert. Ghia, 1916 von Giacinto Ghia gegründet, ist seit langem im Ford-Konzern aufgegangen.

Auch Pininfarinas Zeit ist vorbei

Als selbstständiges Unternehmen hat nur Pininfarina überlebt. 1930 gegründet, arbeitet das Designstudio heutzutage vor allem für Ferrari. Die eigene Fertigung, die Autos wie den Fiat 124 Spider, den Mitsubishi Pajero Pinin oder Ford Focus CC hervorgebracht hatte, musste freilich schon 2011 schließen.

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