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Wer ist Schuld am Abgas-Skandal?

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Nach sieben Monaten keine Spur  

Wer ist Schuld am Abgas-Skandal?

15.04.2016, 15:14 Uhr | Marco Hadem und Heiko Lossie, dpa

Wer ist Schuld am Abgas-Skandal? . Der Urheber des Diesel-Skandals ist bislang noch nicht gefunden worden. (Quelle: imago)

Der Urheber des Diesel-Skandals ist bislang noch nicht gefunden worden. (Quelle: imago)

Die Ermittler in einem der größten Wirtschaftskrimis der Nachkriegsgeschichte haben nach über sieben Monate immer noch nicht herausgefunden, wer die manipulierte Abgas-Software initiiert hat. Nicht nur in Wolfsburg dürfte der Urheber des Diesel-Skandals derzeit einer der meistgesuchten Verbrecher sein.

Während sich die Strafbehörden weder in den USA noch in Deutschland in die Karten schauen lassen, will eine Ermittlergruppe bald liefern: Bis Ende April soll die vom VW-Aufsichtsrat im vergangenen Herbst engagierte US-Kanzlei Jones Day einen ersten "substanziellen Bericht" vorlegen. So hat es das Gremium wiederholt angekündigt. Wer jedoch - wie viele der Konzernkontrolleure selbst - auf konkrete Namen, Zahlen und Fakten hofft, wird wohl enttäuscht werden.

Abgas-Skandal: Verantwortlicher nicht aufzufinden

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur kann der geheime Bericht bislang keine endgültige Gewissheit über den Ursprung der illegalen Abgas-Software liefern. In der gigantischen Datenmasse von mehr als 102 Terabyte - immerhin rund 50 Millionen Bücher und die fast 40-fache Menge der "Panama Papers" - konnten die gut 450 Ermittler bisher keine restlosen Erklärungen für die weltweiten Abgas-Manipulationen in rund elf Millionen Wagen finden.

Damit ist die Quelle des "defeat device", das VW in die größte Krise seiner Geschichte gestürzt hat, weiter unklar. Stattdessen bietet der derzeit rund zwei Zentimeter hohe Papierstapel, den der Bericht ausgedruckt umfasst, eher eine Chronologie der Ereignisse.

Volkswagen wird durchleuchtet

Auch ohne Beschuldigten ermöglicht der Zwischenbericht - Jones Day wird seine Arbeit über den April hinaus fortsetzen - einen intimen Einblick in das Biotop Volkswagen. Schon deshalb ist fernab der Schuldfrage die Veröffentlichung ein Politikum. Welches Unternehmen will seiner Konkurrenz schon etwas über interne Abläufe, Hierarchien, Strukturen verraten? Doch VW kommt kaum umhin, dies zu tun - will der Konzern die Krise hinter sich lassen.

Der Ursprung der Software lässt sich eingrenzen

Konkret bedeutet dies folgendes: Der Verstoß lässt sich bislang nur auf einige Entwicklungsabteilungen und dort Beschäftigte eingrenzen, nicht aber in der Kette der Geschehnisse komplett rekonstruieren. Das erfuhr dpa aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen.

"Die Prozessstruktur war sauber", betont ein Insider, der die Ergebnisse kennt. Was zunächst für den Konzern nicht schlecht klingt - immerhin deutet damit nichts auf eine kollektive Schuld oder ein Organversagen hin. Es lässt aber jedem IT-Forensiker die Haare zu Berge stehen.

Kam die Anweisung von oben?

Denn trotz der umfangreichen internen Ermittlungen ist so noch immer unklar, ob nun einzelne VW-Entwickler aus eigenem "bösen und kriminellen Antrieb" den fatalsten Fehler begingen - oder ob sie nur auf eine Anweisung "von oben" hin handelten. Ein VW-Sprecher sagt, der Konzern könne sich zur Arbeit von Jones Day nicht äußern.

Winterkorn scheint unschuldig zu sein

Zumindest ein einstiger VW-Protagonist dürfte den Zwischenbericht auch mit Genugtuung lesen: Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn. Er trägt laut Jones Day keine Verantwortung, weder ihm noch anderen Vorständen kann demnach eine Mitschuld angelastet werden. Daran ändert auch Winterkorns dubiose "Wochenendpost" aus 2014 nichts.

Auch Jones Day liefert keine Hinweise dazu, wie genau Winterkorn die brisanten Hinweise auf die mögliche Betrugs-Software und drohende Probleme in den USA wahrgenommen hat. "Es bleibt die Frage, ob er sich hätte wundern müssen, womöglich sensibler sein müssen - aber es ist keine Schuld erkennbar", sagt einer, der nah dran ist.

Manipulation aus verletzter Ehre

Gemäß dem Ausschlussprinzip könnte damit wohl nur Variante eins bleiben: Ehrgeizige Ingenieure und Programmierer sahen sich ob der schlechten Abgaswerte der Diesel-Flotte von VW derart in ihrem Stolz verletzt, dass die verhängnisvolle Manipulation wagten.

Für die weiteren Ermittlungen bedeutet das erst einmal nichts. Aber letztlich ermitteln die Juristen nur für das Image des Konzerns. Für die deutschen und US-amerikanischen Strafbehörden ist es egal.

Offiziell klingt dies so: Man kommentiere die internen Ermittlungen von VW nicht. Man wisse nicht einmal, wann der Bericht veröffentlicht werden solle, sagt eine Sprecherin des US-Justizministeriums.

Ähnlich die Staatsanwaltschaft Braunschweig: "Wir schauen natürlich interessiert auf den Bericht als weitere Erkenntnisquelle von außen", erklärt Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Es bleibe aber abzuwarten, wie und in welchem Umfang VW die Arbeit von Jones Day verfügbar mache. "Als Strafermittlungsbehörde sind wir gehalten, unsere eigenen Ermittlungen vollständig und umfassend selbst durchzuführen und uns nicht auf Befragungen und Erkenntnisse dritter Seite zu stützen."

Monatelange Ermittlungen für den Papierkorb? So weit wird es sicher nicht kommen. Jeder, der mit "Dieselgate" zu tun hat, dürfte die Informationen begierig aufsaugen. Doch mehr als ein Abgleich der Ergebnisse dürfte am Ende nicht übrig bleiben. Dies wäre sicher anders, stünde im Jones-Day-Bericht eindeutiges Wissen über Täter.

Noch ist kein Bösewicht zu finden

Bis das Diesel-Drama - wie von Oscar-Gewinner Leonardo DiCaprio geplant - verfilmt werden kann, muss wohl noch viel passieren. Ohne einen echten Bösewicht dürften die Zuschauer enttäuscht sein.

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