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Umfrage zu Verkehrsklima: Jeder dritte Autofahrer in Deutschland ist aggressiv

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Stress auf deutschen Straßen  

Jeder Dritte sitzt aggressiv am Steuer

10.08.2016, 14:22 Uhr | dpa, AFP

Umfrage zu Verkehrsklima: Jeder dritte Autofahrer in Deutschland ist aggressiv. Stau auf der A8: Auch Stillstand verursacht Stress. (Quelle: dpa)

Auch Stillstand verursacht Stress. (Quelle: dpa)

Stress und Aggression sind häufige Beifahrer. Mehr als jeder dritte Autofahrer in Deutschland ist in aggressiver Stimmung unterwegs. Jeder zweite fühlt sich gestresst und nervös. Das ergab repräsentative Umfrage. 

Unfallforscher der Versicherer (UDV) haben 2061 Verkehrsteilnehmer befragt, auch Fußgänger und Fahrradfahrer. Die Mehrheit der Autofahrer fühlt sich demnach zwar sicher, empfindet den Straßenverkehr aber als "stressig" und "chaotisch". 

Wer besonders aggressiv fährt

Lichthupe, drängeln und rechts auf der Autobahn überholen - im Verkehrsalltag zeigen viele Deutsche schlechte Manieren. Fast die Hälfte der Männer (44 Prozent) und mehr als ein Drittel der Frauen (39 Prozent) schätzt sich als "mindestens manchmal aggressiv" ein. Spitzenwerte bis zu 58 Prozent gibt es bei den Mitte 20- bis Mitte 40-Jährigen. Unfallforscher Siegfried Brockmann, der an der Studie beteiligt war, hält dieses Aggressionspotenzial für realistisch. Überrascht hat ihn, dass gut verdienende Akademiker laut der Studie besonders rücksichtslos fahren. "Ich denke, es sind Menschen, die es gewohnt sind, sich durchzusetzen. Und die Straße als ein Revier sehen, in dem sie sich durchzusetzen haben."

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Jeder zweite fühlt sich gestresst

Rund die Hälfte der Befragten fühlt sich gestresst. Hohe Zustimmungswerte gibt es auch für die Begriffe "aufreibend" und "erzeugt Druck". Rund ein Drittel macht der Straßenverkehr generell "nervös". Forscher Brockmann meint dazu: "Allerdings machen sich die meisten Autofahrer den Stress selbst". Verkehrsraum sei knapp geworden. Das empfinden viele als unangenehm.

Das Sicherheitsgefühl steigt

Im Vergleich zum Jahr 2010 fühlen sich deutlich mehr Menschen im Straßenverkehr sicher. Der Wert stieg von gut der Hälfte der Befragten auf fast zwei Drittel. Dieses positive Ergebnis überrascht die Unfallforscher. Vor allem Frauen fühlten sich demnach "deutlich sicherer" als bei der Vorgängerbefragung von 2010. "Da sitzt eine neue Frauengeneration am Steuer, die das Fahrzeug selbstbewusst führt", erklärt Brockmann. 

Frauen bremsen Drängler aus

Frauen fahren nicht nur selbstbewusster als früher, sie lassen sich auch weniger gefallen. Drängelt der Hintermann, tritt ein Drittel der befragten Fahrerinnen erstmal auf die Bremse - um ihn zu ärgern. Dieser Wert liegt um zwei Prozent höher als bei Männern. Selbst zu drängeln liegt Frauen dagegen deutlich weniger als Männern. "Frauen sind nicht aufs Beherrschen der Straße ausgerichtet. Ihnen geht es eher um Selbstbehauptung und auch ums Erziehen der anderen", sagt Forscher Brockmann. Männer zeigten dagegen weiterhin vorwiegend ein Dominanzverhalten.

Falsch verhalten sich immer die anderen

Kritikfähigkeit ist bei Autofahrern in Deutschland wenig ausgeprägt. Zwar haben fast alle Befragten schon beobachtet, dass Autofahrer zu dicht einscheren oder an Kolonnen vorbeiziehen. Aber nur ein Fünftel gibt zu, so etwas selbst getan zu haben. 97 Prozent haben gesehen wie Radfahrer zu dicht überholt werden. Aber 95 Prozent beteuern, immer besonders viel Rücksicht auf Radler zu nehmen.

Unfallforscher Brockmann erklärt diesen Widerspruch mit einer verfälschten Selbstwahrnehmung und einem unerschütterlichen Glauben an die eigenen Fähigkeiten.

Strafen bringen Verkehrsrowdys nicht zur Räson

Die meisten Unfälle bauen besonders rücksichtslose Autofahrer. Sie kassieren auch die meisten Strafen bis hin zu Fahrverboten. "Es trifft die Richtigen, aber die Strafen führen nicht zu einem weniger riskanten Verhalten", bilanziert Brockmann. "Die Einsicht fehlt. Der Glaube, gut zu fahren, ist immer größer."

Senioren überschätzen sich 

Vorsicht als Tugend im Straßenverkehr erreicht mit mehr als 80 Prozent Zustimmung einen hohen Wert in der Umfrage, gefolgt von Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Kenntnis der Regeln. Aber ab 70 Jahren geht die Wertschätzung all dieser Tugenden deutlich zurück. "Wahrscheinlich glauben Senioren, dass ihnen ihre Erfahrung hilft. Dabei ist Selbstüberschätzung möglich", sagt Brockmann und verweist auf die schweren Unfälle älterer Autofahrer.

Mehr als zwei Drittel der Befragten sprechen sich für einen Fahrtauglichkeitstest ab 75 Jahren aus. Einzig die Senioren stimmen dem nicht zu. 

Mit dem Handy am Steuer? Wer gibt das schon zu

Im Vergleich zu 2010 bekennen sich deutlich weniger Autofahrer zum Handy am Steuer. 80 Prozent geben an, niemals ohne Freisprechanlage zu telefonieren. Und nur fünf Prozent geben zu, bei der Fahrt SMS oder E-Mails zu lesen. Unfallforscher Brockmann glaubt nicht an den großen Bewusstseinswandel. "Das hat mit der Realität wenig zu tun", betont er. "Wir halten das für einen Effekt von sozialer Erwünschtheit bei Befragungen."

Wieder mehr Verkehrstote in Deutschland

Auf Deutschlands Straßen sind in den vergangenen zwei Jahren wieder mehr Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben: 2015 gab es 3459 Verkehrstote. Das waren 82 (2,4 Prozent) mehr als 2014.

Dennoch sind das deutlich weniger als in früheren Zeiten, obwohl viel mehr Autos unterwegs sind. Daten des Statistischen Bundesamts belegen: Gemessen am Fahrzeugbestand war das Risiko, bei Unfällen im Straßenverkehr zu sterben, im Jahr 1970 16 mal höher als 2015.

2015 wurden 67.706 Menschen bei Verkehrsunfällen schwer verletzt. Das ist ein minimaler Rückgang gegenüber 2014. Leicht verletzt wurden 325.726 (plus 1,2 Prozent).

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