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Detroit verkommt zur "Stadt der Autoräuber"

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Autodiebstahl  

Detroit verkommt zur "Stadt der Autoräuber"

27.05.2014, 09:40 Uhr | AP

Detroit verkommt zur "Stadt der Autoräuber". Detroit "Stadt der Autodiebe" (Quelle: AP/dpa/Carlos Osorio)

Detroit "Stadt der Autodiebe" (Quelle: Carlos Osorio/AP/dpa)

Die ehemalige Autostadt Detroit kommt immer weiter herunter. "Carjack City" heißen Teile der bankrotten Metropole inzwischen, weil bewaffnete Autoräuber die Gegenden unsicher machen, "Stadt der Autoräuber".

Selbst die paar Augenblicke, die das Tanken dauert, sind den meisten besorgten Fahrern schon zu viel. Daher haben Tankstellen besondere Schutzmaßnahmen für ihre Kunden ergriffen. Zudem macht die Polizei mit Sondereinheiten Jagd auf die Kriminellen. Fotos verurteilter Autoräuber werden zusammen mit der Dauer der Haftstrafe auf großformatigen Postern aufgehängt. "Man muss diese Leute schnappen und an ihnen ein Exempel statuieren", sagt Mousa Bazzi, der in einem noch nicht völlig heruntergekommenen Viertel am Ostufer Detroits eine Tankstelle betreibt. Er hat dafür gesorgt, dass sein Geschäft gut beleuchtet ist und immer zwei bis vier Mitarbeiter im Dienst sind, damit man bei Ärger gewappnet ist.

Detroit: Hohe Schuldenlast

Detroit war einst ein weltweit führendes Industriezentrum, doch diese Zeiten sind längst vorbei. Zahlreiche Arbeitsplätze sind weggefallen, die Bevölkerungszahl schrumpft rasant, Verbrechen dagegen nehmen zu. Vergangenes Jahr musste die Stadt angesichts einer Schuldenlast von 13 Milliarden Euro Konkurs anmelden. Der vom Bundesstaat Michigan eingesetzte Konkursverwalter sagte, erst müsste die Verbrechensrate sinken, damit Detroit für Bürger und Firmen wieder attraktiv werde.

Autofahrer werden zu Opfern beim Autoraub

Beim Großteil der Fälle von Autoraub sind inzwischen auch die Autofahrer stark involviert. Denn dank besserer Fahrzeugsicherheit wie GPS-Sendern und fortschrittlichen Türschlössern lassen sich viele Autos nur noch mit einem Schlüssel klauen, geparkte Wagen sind deshalb praktisch nicht mehr zu stehlen. Infrage kämen also nur noch Fahrzeuge mit Fahrer, sagt Jonathan Parnell von der Polizei Detroit.

Autodiebstahl mit vorgehaltener Waffe

Ein Opfer war Sharlonda Buckman. Sie hatte an einem Oktobermorgen an einer Tankstelle gehalten, um sich Kopfschmerztabletten zu besorgen. Als die Leiterin einer gemeinnützigen Organisation gerade wieder in ihren Geländewagen einstieg, stand da auch schon ein Krimineller und bedrohte sie mit einer Waffe. Buckman sprang schreiend aus dem Fahrzeug, mit dem der Räuber dann wegfuhr. Drei andere Tankstellenkunden verfolgten den Dieb mit ihren Wagen. Einer holte den Geländewagen ein und bekam als Dank für seine Mühe einen Beinschuss verpasst. Der Räuber wurde später verhaftet. Heute versuche sie, möglichst selten Tankstellen anzusteuern, sagt Buckman: "Nachts tanke ich überhaupt nicht in der Stadt. Oder ich rufe jemanden an, dass er sich mit mir an der Tankstelle trifft."

Viele Autodiebstähle in Detroit

720 Fälle von Autoraub meldete Detroit im vergangenen Jahr - bei einer Einwohnerzahl, die inzwischen auf unter 700.000 gesunken ist. 2011 waren es noch 850 Fälle, 2008 sogar 1231. Dass die Zahlen rückläufig sind, kann mit dem Einwohnerexodus zusammenhängen - in Detroit leben heute rund ein Viertel weniger Menschen als zu Beginn des Jahrtausends -, aber die Fälle von Autoraub liegen immer noch deutlich über denen vergleichbarer US-Städte. An Bazzis Tankstelle prangt ein blassgrünes Abziehbild mit einem Leuchtturm darauf - ein Symbol, dass sich der Betreiber den von der Stadtverwaltung angestoßenen Bemühungen um Verbrechensverhinderung angeschlossen hat. Teilnehmer müssen Sicherheitskameras installiert haben, gut ausgeleuchtet sein, rund um die Uhr geöffnet sein und das Personal muss Autofahrern für Notfälle ein Telefon bereitstellen.

Auch Todesfälle dabei

"Es gibt eine Warteliste", sagt Polizeisergeant Michael Woody. "Wir haben so viele Tankstellen, die mitmachen wollen. Der Schutz wird besser, wenn dieser große Aufkleber an den Scheiben prangt und den Kriminellen signalisiert, dass man hier über Ausrüstung verfügt, die der Polizei bei ihren Ermittlungen helfen wird." Bis zum 19. Mai wurden in Detroit 191 Fälle für das laufende Jahr gemeldet, darunter auch der Vorfall vom 24. Februar. Damals wurde der Wachmann einer Apotheke erschossen, als er versuchte zu verhindern, dass drei Männer ein Auto entführten. Und am 4. Februar wurde ein 68-Jähriger mit einem Reifenheber zu Tode geprügelt, als man ihm an einer Kreuzung sein Auto raubte.

Die Behörden setzen verstärkt auch auf Abschreckung. Staatsanwaltschaft, FBI und Polizei von Detroit haben kürzlich eine Kampagne ins Leben gerufen, die die Botschaft verbreiten soll, dass bei Autoraub härtere Strafen drohen - bis hin zur Todesstrafe, wenn jemand bei dem Raub ums Leben kommt. Der Wachmann Greg Champion setzt auf Selbstschutz. Er fährt nur mit Waffe zum Tanken. "Ich will niemanden überraschen", sagt er. "Ich will, dass die anderen wissen, dass ich bewaffnet bin und mich selbst verteidigen kann. Sollen die doch woanders hingehen."

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