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Kreative Ausreden  

Nimmt das Phänomen Fahrerflucht zu?

31.07.2017, 10:54 Uhr | Anika von Greve-Dierfeld, dpa-tmn

Nimmt das Phänomen Fahrerflucht zu?. Ein junger Mann begutachtet einen Kratzer im Autolack. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/pp76)

Besonders für die Unfallopfer ist Fahrerflucht ärgerlich. (Symbolbild) (Quelle: pp76/Thinkstock by Getty-Images)

Es ist bestenfalls ärgerlich und hat schlimmstenfalls schwerwiegende Folgen: Ein Unfall geschieht – und der Schuldige haut einfach ab. Die Berichte in den Medien dazu häufen sich. Aber nimmt das Phänomen Fahrerflucht wirklich zu? Die Datenlage ist kompliziert.

Außenspiegel ab, Kratzer in der Tür, Rücklicht kaputt. Der Schaden am Auto ist meist eher klein, der Ärger aber riesengroß, wenn sich der Schuldige aus dem Staub macht. Unfälle mit Fahrerflucht sind längst ein Massendelikt, ein Dauerproblem und nehmen aus Sicht mancher Polizeipräsidien in Großstädten sogar zu. Die Bandbreite dabei ist riesig: Kleinere Blechschäden machen den Löwenanteil der Fahrerflucht-Unfälle aus, mit denen es die Polizei zu tun hat. Sehr viel seltener – aber umso tragischer – sind Unfälle, bei denen der Verursacher Verletzte oder gar Tote zurücklässt.

Das sagt das Statistische Bundesamt

Während nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl von schweren Unfällen mit Sachschaden in den letzten mehr als 25 Jahren deutschlandweit drastisch gesunken ist, steigt der Anteil von Unfallflüchtigen daran leicht. So zählten die Statistiker 1991 rund 437.361 dieser schwerwiegenden Unfälle mit Sachschaden. Unfallflucht spielte in 8,3 Prozent dieser Fälle eine Rolle. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 132.687 Unfälle dieser Art, in 10,6 Prozent der Fälle aber floh einer der Beteiligten. Bei Unfällen mit Fahrerflucht, bei denen jemand verletzt oder gar getötet wurde, blieb die Quote der Flüchtigen konstant bei 4,5 Prozent. Hier gab es 1991 insgesamt rund 752.000 mit rund 35.600 Unfallflüchtigen und 2016 etwa 596.000 Unfälle mit Personenschaden, bei denen etwa 26.700 Fahrerflucht begangen.

Viele Faktoren nicht berücksichtigt

Zahlen für alle Unfälle mit Fahrerflucht deutschlandweit gibt es schlichtweg nicht, das sagen auch Bundesverkehrsministerium, Bundesjustizministerium, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) oder der Auto Club Europa (ACE). Schon gar nicht solche, die gleichzeitig auch das gestiegene Verkehrsaufkommen berücksichtigen. Allerdings führen viele Polizeipräsidien eigene Statistiken, die eine teils deutliche Sprache sprechen. Die Frankfurter Polizei zählte zwischen 2013 und 2016 konstant zwischen knapp 21.000 und 22.500 Unfällen – ein Drittel davon solche mit Fahrerflucht. Rund 120.000 Verkehrsunfälle verzeichnete die Behörde in Berlin im Jahr 2005, davon rund 25 000 mit Fahrerflucht. Im vergangenen Jahr krachte es 140.000 mal – rund 32 000 mal machte sich der Verursacher aus dem Staub. Die Aufklärungsquote in der Hauptstadt sank in diesem Zeitraum von knapp 50 auf 40 Prozent. In Stadt und Landkreis München flüchteten die Fahrer bei einem Viertel der Unfälle.

Ähnliche Zahlen berichtet aus Stadt und Landkreis Karlsruhe Peter Rieger, Polizeihauptkommissar und seit 1991 in diesem Beritt für Unfallermittlungen zuständig. Davon geschehen 80 Prozent etwa beim Ein- oder Ausparken, im "ruhenden Verkehr", erzählt er und fügt hinzu: "Die Verkehrsmoral war schon immer schlecht, und sie hat sich nicht verbessert."

Geringe Aufklärungsquote

Vor drei Jahren hatte der ACE die Angaben von Polizeibehörden verschiedener Bundesländer ausgewertet und schätzte die Zahl angezeigter Fluchtdelikte auf jährlich rund 500.000 – ohne Dunkelziffer, denn längst nicht jeder Kratzer wird angezeigt. "Hat ja keinen Sinn, die Polizei findet die Leute ja doch nicht", sagt etwa ein 53-Jähriger, der seit 35 Jahren Auto fährt und mindestens sieben Mal Opfer von Unfallflucht war. Er fährt dann den Wagen in die Werkstatt, lässt den Spiegel ersetzen, den Kratzer polieren. "Haken dran", sagt er, "so ist der Aufwand am geringsten."

Tatsächlich ist die Aufklärungsquote bescheiden, vor allem bei kleinen Blechschäden. Je nach Region oder Bundesland schwankt sie zwischen 20 und knapp unter 50 Prozent. Meist gibt es wenig Spuren und mangels Verhältnismäßigkeit dann wenig Bereitschaft vom Staatsanwalt, etwa ein Gutachten zu beantragen, erläutern Unfallermittlungsbeamte. Keinen Spaß verstehen Polizei und Staatsanwaltschaft aber, wenn Menschen schwer zu Schaden kommen oder gar sterben. "Ich kann mich an keinen Fall der letzten 20 Jahre erinnern, der da nicht aufgeklärt worden wäre", sagt Rieger. Die Verkehrsopferhilfe, eine Einrichtung der deutschen Autohaftpflichtversicherer, nimmt sich nach Angaben eines Sprechers jährlich konstant rund 200 solcher besonders schwerwiegender Unfallflucht-Delikte an.

Diese Unfälle sind glücklicherweise selten. Etwa 95 Prozent aller Fahrerfluchten sind Blechschäden, so schätzte der ACE im Jahr 2014. Dass Autofahrer schlicht nicht mitbekommen, dass sie ein Auto beschädigt haben, nimmt Rieger ihnen nicht recht ab. "Man staunt ganz schön über den Knall, den ein abgefahrener Seitenspiegel macht", sagt er. Das hätten entsprechende Versuche ergeben. Meist seien die Fahrer schlicht zu bequem, einen von ihnen verursachten Bagatellschaden zu melden. "Die wenigsten haben eine Art Motiv wie "Trunkenheit" oder "unversichertes Auto"", sagt er.

Kreative Ausreden

Dafür jede Menge Ausreden, warum sie das fatale Schürfgeräusch der schrammenden Tür oder das Splittern des Rücklichtes nicht gehört haben wollen: "Der Sprudelkasten hat geklirrt, das Radio war an, mein Auto klappert sowieso", zählt Rieger auf. "Es gibt nichts, was es nicht gibt." Unter den Fahrerflüchtigen sind dann gerne auch solche, die es eigentlich qua Amtes besser wissen müssten: "Von ranghohem Polizeibeamten bis Bundesrichter war schon alles dabei."

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