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Hans Herrmann: Rennlegende wird 85

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Hans Herrmann: Rennlegende wird 85

22.02.2013, 15:55 Uhr | dpa

Hans Herrmann: Rennlegende wird 85. Rennfahrer Hans Herrmann, geboren am 23. Februar 1928. (Quelle: imago)

Rennfahrer Hans Herrmann, geboren am 23. Februar 1928. (Quelle: imago)

Seinen Spitznamen "Hans im Glück" hat sich Rennfahrer Hans Herrmann durch viele spektakuläre Aktionen verdient. Bei der Mille Miglia von 1954 etwa konnte er im Porsche 550 Spyder vor einem herannahenden Zug nicht mehr rechtzeitig bremsen und raste unter den geschlossenen Bahnschranken dicht vor dem Zug über das Bahngleis. An diesem Samstag wird Hans Herrmann 85 Jahre alt.

Trotz seines Alters ist Hans Herrmann die Rennleidenschaft nicht verloren gegangen. Seit 43 Jahren beschränkt er sich jedoch aufs Zuschauen. Was ihn aber nicht davon abhält, mit dem legendären Silberpfeil W 196 und seinem letzten Siegerauto Porsche 917 ein paar Runden bei feierlichen Anlässen zu drehen. "Ich fahre immer noch gerne die alten Rennwagen", gesteht Herrmann seine große Liebe zu Autorennen. "Motorsport hat für mich alles bedeutet. Das war schon als kleiner Bub mein Traumberuf".

Hans Herrmann ist heute noch viel unterwegs

"Auf 40 bis 45.000 Kilometer komme ich schon im Jahr", verrät Herrmann der Nachrichtenagentur dpa. An seinem Geburtstag an diesem Samstag wird es aber allenfalls zu einer kleinen Spritztour in den Schweizer Bergen reichen. In seinem dortigen Feriendomizil feiert der gebürtige Stuttgarter mit seiner Frau Magdalena und Freunden "im kleinen Kreis." Eine Riesenparty, wie sie Mercedes zu seinem Achtzigsten ausgerichtet hat, gibt es nicht. "Ich haue ab. Das ist doch eine krumme Zahl", sagt der dynamische Jubilar.

Hans Herrmann: kein Mann für den Ruhestand

Ruhestand kennt Hans Herrmann nicht. "Ich gehe täglich ins Büro oder bin für Porsche und Mercedes unterwegs", sagt er. "Aber ich habe das reduziert und arbeite mit weniger Leuten." In Sindelfingen-Maichingen hat Herrmann eine Firma für Autotechnik. Auch wenn Herrmann fit ist und erstaunlich jung wirkt - vor fünf Jahren bekam er eine neue Hüfte und die Knie mussten auch operiert werden. "Sonst brauche ich keine Ersatzteile. Mein Motor läuft noch rund", versichert der lebensfrohe Schwabe, der aus seiner erfolgreichen und langen Laufbahn eine Unmenge an Anekdoten erzählen kann.

Hans Herrmanns Reinfall bei der Rallye

Hans Herrmann fuhr in seiner 18 Jahre währenden Karriere beinahe alles, was vier Räder hatte: vom Bergrennen bis zur Formel 1. Nur von Rallyes ließ er schnell die Finger. Seine Premiere bei der Hessischen Winterfahrt auf einem Porsche endete kläglich: Der damals 24 Jahre alte Neuling verfuhr sich. "Es war Nacht und wir hatten keine Ahnung, wo wir waren. Da wusste ich, Rallyes sind nichts für mich", schildert er den Reinfall.

Hans Herrmanns Versprechen an der Gartentür

In exakt 100 Langstreckenrennen feierte Hans Herrmann 22 Siege. Unter anderem wurde er auch dreimal deutscher Rennsportmeister. Als einen seiner schönsten Triumphe bezeichnet Herrmann den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1970 im zunächst nur als "das Geschwür" geschmähten 917er: "Es war für Porsche und mich der erste Gesamtsieg bei diesem Langstrecken-Klassiker." Zudem war es sein letztes Rennen. "Ich hatte meiner Frau Magdalena vor der Abreise am Gartentürle versprochen, dass ich im Fall eines Sieges aufhöre."

Hans Herrmann kam 1954 in die Formel 1

Bei Porsche begann auch Herrmanns Karriere: Der schwäbische Sportwagenhersteller engagierte das Talent 1953 als Werksfahrer. Nach Klassensiegen bei den Klassikern Mille Miglia und Le Mans wurde Mercedes auf ihn aufmerksam. Der legendäre Rennleiter Alfred Neubauer nahm den vielversprechenden Jungspund 1954 beim Comeback der Silberpfeile ins Formel-1-Team auf. "Benjamin", wie ihn Neubauer nannte, überzeugte in seiner ersten Grand-Prix-Saison als Gesamtsechster mit einem dritten Platz in der Schweiz und Rang vier in Italien.

Horror-Crash für Hans Herrmann

Herrmann lernte aber auch die Schattenseiten kennen. Beim Großen Preis von Monaco 1955 verunglückte er schwer. "Ich war dem Tod näher als dem Leben. Wäre nicht zufällig ein Stuttgarter Arzt, ein Spezialist für Herz- und Kreislauferkrankungen, als Rennbesucher in Monaco gewesen, wäre ich gestorben", erinnerte Herrmann in seinem Buch "Ich habe überlebt" an diesen Horrorcrash.

Hans Herrmann im Sau-Glück

"Wir waren Seiltänzer ohne Netz. Jedes Jahr gab es zwei bis drei Tote", weist Hans Herrmann auf den Verlust vieler Kollegen und Freunde hin. "Das war eine bittere Zeit." Trotz mehrerer schwerer Unglücke kam er meist mit dem Schrecken und leichteren Blessuren davon. "Ich hatte immer Sau-Glück", sagt Herrmann erleichtert.

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