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Auto-Kino in Deutschland: Roadmovies sind Renner

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Auto-Kino in Deutschland: Roadmovies sind Renner

05.04.2013, 16:41 Uhr | dpa

Auto-Kino in Deutschland: Roadmovies sind Renner. Auto-Kino in Deutschland

Das Auto-Kino war in den 70er Jahren noch eine richtige Goldgrube

Im Autokino laufen Roadmovies oft gut. Darin wächst zusammen, was zusammen gehört. Schließlich lernten Autos und Filme in Deutschland im Abstand von nur wenigen Jahren gemeinsam das Laufen und beide beziehen zumindest einen Teil ihrer Faszination aus spektakulärer Bewegung.

Die erste Filmvorführung überhaupt fand allerdings schon 1893 in den USA statt, und auch das Autokino ist eine amerikanische Erfindung: Im Depressionsjahr 1933 wollte der US-Amerikaner Richard Hollingshead Jr. mit der Vorführung von Filmen das Geschäft seines Vaters ankurbeln, der mit Autos handelte.

Autokinos in Deutschland: am Anfang eine Goldgrube

In den sechziger Jahren kamen Autokinos auch nach Deutschland, zunächst mit großem Erfolg. "Autokinos waren noch in den 70ern richtige Geldquellen", sagt Walter Jann (71), Betreiber mehrerer Autokinos in Deutschland.

Video und Privatfernsehen schadeten dem Autokino

Dann aber sei der große Einbruch gekommen: Video-Boom und Privatfernsehen mit immer mehr Spielfilmen machten es schon gewöhnlichen Kinos schwer, und die Zuschauer wurden weniger. "Das Autokino würde sich nicht mehr lohnen, wenn wir die Fläche nicht anderweitig nutzen würden", erklärt er - etwa tagsüber für Gebrauchtwagenmärkte.

Vom Automarkt zum Autokino

In den fünf "Drive In Autokinos", die Jann betreibt, läuft es nach einem bewährten Prinzip: Jeden Samstag tagsüber der Automarkt als Geldbringer, und abends strahlt der Beamer. Der Kinoeintritt kostet sieben Euro pro Person. Rund 1000 Stellplätze gibt es an jedem Standort, auch im Winter laufen Filme. Der Ton kommt per UKW aus dem Autoradio.

Erstes Autokino in Deutschland heute noch das bestbesuchte

Neben den Betrieben in Köln und Essen sowie bei München und Stuttgart gehört Jann auch das Autokino in Gravenbruch, einem Stadtteil Neu-Isenburgs bei Frankfurt. "Es wurde am 31. März 1960 als das erste Autokino Deutschlands eröffnet", erzählt er. Heute sei es mit 71.000 Zuschauern im Jahr 2012 das bestbesuchte im Verbund.

Autokino in Deutschland: Nicht alle Filme laufen gut

Ein typisches Phänomen heutiger Autokinos in Deutschland ist, dass nur bestimmte Filme Zuschauer locken: "Wir dachten, dass Klassiker gut laufen - das hat sich aber nicht bewahrheitet", sagt Stefan Hietel. Beliebt seien Actionfilme, Blockbuster und Endzeitdramen. Der Unternehmer sorgte 2009 mit einem Kompagnon auf dem Zentralen Festplatz in Berlin mit einer aufblasbaren 180-Quadratmeter-Leinwand für die Wiedergeburt eines Autokinos in der Hauptstadt.

Road-Movies im Autokino sind Renner

Besonders voll wird es, wenn ein Blockbuster auch noch über Autos geht. Laut Hietel sind etwa die Filme der "Fast-and-Furious"-Reihe ein Renner. Neben den Streifen auf der Leinwand ist auch für das Autokino Berlin das Drumherum überlebenswichtig: "Catering bringt das meiste Geld, wir bieten amerikanische Küche mit Burgern", sagt Hietel. "Bestellt wird per SMS, und unsere Mädels in Pettycoats bringen Essen und Getränke zum Auto."

Autokino in der DDR

Damit ein Autokino läuft, ist laut Hietel ein Einzugsbereich mit rund einer Million Einwohner Voraussetzung. "Damit kann man den Betrieb gerade über Wasser halten." Es geht aber auch anders - zum Beispiel in Zempow in Brandenburg. "Es gibt keine Stadt in der Nähe", sagt der Filmemacher Jean Christopher Burger, der dort 2006 die Dokumentation "Vor Einbruch der Dunkelheit" über das ehemals einzige Autokino der DDR drehte.

DDR war Kino-Land

"Das ist ein ungewöhnliches Autokino - schon Stunden vor der Vorstellung sammelt sich die Jugend aus den umliegenden Dörfern." In der DDR war das Kino dem Regisseur zufolge Kult, und heute laufe der Betrieb noch immer - weil er eben in dem gut 100-Einwohner-Ortsteil von Wittstock/Dosse ein "sozialer Anlaufpunkt" sei.

Heizlüfter im Auto-Kino

Deutschlandweit gibt nach Einschätzung Hietels aktuell um die 15 Autokinos, die wie sein Betrieb oder der in Zempow zumindest den Saisonbetrieb aufrechterhalten. Mit einem besonderen Service versucht Walter Jann, auch bei Kälte Kunden für den Kinogenuss im Autositz zu erwärmen: In seinen Großbetrieben gibt er gegen Pfand Heizlüfter aus. Keine schlechte Idee, denn seine Mitbewerber erwägen an diesem ungewöhnlich ruppigen Frühlingsbeginn die Verschiebung des Saisonstarts.

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