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Unfallforschung  

Versicherer fordern Fahrtests für Senioren

24.01.2016, 12:59 Uhr | Matthias Brunnert, dpa

Unfallforscher fordern Testfajrten für Senioren. Schlechter sehen und hören und langsamer reagieren: Unfallforscher stufen Senioren als "Hochrisikogruppe" ein.  (Quelle: dpa)

Schlechter sehen und hören und langsamer reagieren: Unfallforscher stufen Senioren als "Hochrisikogruppe" ein. (Quelle: dpa)

Ältere Autofahrer sollten gesetzlich dazu verpflichtet werden, verbindliche Testfahrten mit geschulten Beobachtern durchzuführen. Das empfiehlt die Unfallforschung der Versicherer (UDV) anlässlich des 34. Verkehrsgerichtstages in Goslar. 

"Auf diese Weise könnten sich Senioren von unabhängigen Fachleuten überprüfen lassen, wie fit sie noch für den Straßenverkehr sind und ob von ihnen eine erhöhte Unfallgefahr ausgeht", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der UDV.

Prüfung der Fahreignung bislang auf Freiwilligenbasis

Der Verkehrsgerichtstag hatte sich zuletzt vor einigen Jahren mit dem Thema Senioren im Straßenverkehr befasst. Das Gremium forderte ältere Autofahrer damals dazu auf, ihre Fahreignung freiwillig überprüfen zu lassen.

Der ADAC unterstütze das Freiwilligkeits-Prinzip und biete deshalb schon seit einigen Jahren entsprechende Fahreignungs-Test für Senioren an, sagte die Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Christine Rettig.

Fahrer über 75 gehören zur "Hochrisikogruppe" 

Die Unfallforscher sehen dagegen Handlungsbedarf. Die Zahl der Kraftfahrer in hohem Alter wird nach Angaben der UDV wegen der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren stark zunehmen. Damit wachse auch die Unfallgefahr, sagte Brockmann.

"Wenn Senioren über 75 Jahren in Unfälle verwickelt sind, haben sie diese zu rund 75 Prozent selbst verursacht." Die Quote liege damit höher als bei der Hochrisikogruppe der 18- bis 24-Jährigen, sagte der Unfallforscher. Dennoch hielten sich die meisten Senioren für gute Fahrer und ließen sich nur schwer auf Fehler ansprechen. Freiwillige Maßnahmen würden deshalb kaum angenommen.

Verbindliche Testfahrten als mögliche Lösung 

Auch medizinische Labortests seien kaum geeignet, um "gefährliche Senioren" zuverlässig zu erkennen, sagte Brockmann. Das belege die Auswertung zahlreicher internationaler Studien. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, den Erhalt des Führerscheins von solchen Tests abhängig zu machen.

Verbindliche Testfahrten dagegen halte die UDV für eine mögliche Lösung. Ziel sei es dabei nicht unbedingt, dass Senioren den Führerschein abgeben. "Deshalb sollten auch nicht die Führerscheinbehörden, sondern nur die getesteten Personen selbst eine detaillierte Rückmeldung bekommen", sagte Brockmann. "Ansonsten bleibt das Ergebnis geheim."

Verbesserung der Selbsteinschätzung

Die Betroffenen könnten nach den Testfahrten jedoch ihre Fähigkeiten besser einschätzen. Sollten Defizite festgestellt werden, könnte es vielfach schon helfen, wenn Senioren anschließend ihre Fahrweise darauf einstellen und zum Beispiel nur in bekannten Gebieten fahren oder das Auto bei Dunkelheit in der Garage stehen lassen.

"Ich kann den Vorschlag verstehen", sagte der Präsident des Verkehrsgerichtstages Kay Nehm (74). Mit dem Alter steige das Unfall-Risiko. "Und mancher, der sich für einen guten Fahrer hält, würde bei der Wiederholung der Fahrprüfung durchfallen."

Verkehrsjuristen fordern sogar Gesundheitstest 

Verkehrsjuristen geht die Forderung der Unfallforscher denn auch nicht weit genug. "Verbindliche Testfahrten wären in Ordnung. Und es wäre gut, wenn sich zum Fahren ungeeignete Senioren auf Basis der Selbsterkenntnis einschränken oder den Führerschein abgeben", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins, Jörg Elsner.

Doch viele ältere Autofahrer seien uneinsichtig. Deshalb sollten ab dem 75. oder 80. Lebensjahr verbindliche Gesundheitstest durchgeführt werden. "Solche Untersuchungen mutet man Lkw-Fahrern schließlich schon ab 50 zu, und keiner regt sich darüber auf." 

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