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Grüner Pfeil hat sich durchgesetzt

04.11.2003, 12:27 Uhr | dpa

Grüner Pfeil: Auch bei Rot rechts abbiegen. (Foto: dpa)Grüner Pfeil: Auch bei Rot rechts abbiegen. (Foto: dpa)Inzwischen gibt es ihn selbst in München. Das will etwas heißen, denn Bayern hatte sich einst am vehementesten gegen das "DDR-Relikt" gewehrt. Von einem "gefährlichen Experiment" sprach seinerzeit Günther Beckstein (CSU), der Innenminister des Freistaats. Geholfen hat es nichts. Am 5. November 1993 beschloss der Bundesrat die bundesweite Einführung des Grünen Pfeils. Seither darf auch in den alten Bundesländern neben Ampeln das 25 mal 25 Zentimeter große Schild angebracht werden, das Autofahrern das Rechtsabbiegen bei Rot erlaubt. 1978 in der DDR eingeführt, war es mit der Wiedervereinigung zunächst vom Aussterben bedroht gewesen: Die bundesdeutsche Straßenverkehrsordnung (StVO) sah das Zeichen nicht vor, und so begannen die ersten Stadtverwaltungen bereits mit dem Abschrauben.

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Skepsis bei alten Bundesländern
Nach Klagen über den verschlechterten Verkehrsfluss wurde der Grüne Pfeil zunächst durch Übergangsregelungen gerettet, bevor das Bundesverkehrsministerium die Initiative für seine dauerhafte Übernahme in die StVO ergriff. Am 1. März 1994 trat die Änderung schließlich in Kraft. "Bei den Kollegen aus den alten Bundesländern gab es eine gewisse Skepsis", erinnert sich der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Dirk Fischer (CDU), an die Diskussionen vor den entscheidenden Beschlüssen. Umgekehrt überhöhten von der Wiedervereinigung enttäuschte Ostdeutsche das Verkehrszeichen schon einmal sarkastisch zum "einzig Guten, das von der DDR übrig geblieben ist".

Einfache Lösung für ein praktisches Problem
Heute taugt es kaum noch zum Polarisieren zwischen Ost und West. "Ich habe keine emotionale Bindung an den Grünen Pfeil", sagt etwa der SPD-Verkehrsexperte im Bundestag Reinhard Weis, ein gebürtiger Sachsen-Anhalter. Ebenso wie sein Unionskollege Fischer sieht er in dem Schild vor allem eine einfache Lösung für ein praktisches Problem: Die Frage, wie man an Kreuzungen zu einem flüssigen Verkehr beitragen kann. Nach anfänglichem Zögern haben immer mehr Städte auch in den alten Bundesländern den Grünen Pfeil für sich entdeckt: Nach einer Studie der Technischen Universität Kaiserslautern steht inzwischen fast die Hälfte (48 Prozent) der Grünpfeil-Schilder im Westen. Demnach ist der Anteil der West-Städte mit über 65 000 Einwohnern, die das Schild verwenden, von 38 Prozent im Jahr 1999 auf heute immerhin 60 Prozent angewachsen. Im Osten liegt die Quote seit Jahren bei 100 Prozent.

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Hamburg die "Grünpfeil-Haupstadt"
Einen umstrittenen Höhepunkt erreichte die Karriere des Grünen Pfeils, als die rechtspopulistische Schill-Partei in Hamburg die Verkehrspolitik als Thema zur politischen Profilierung entdeckte. Mit großem Medienecho wurde die Hansestadt nach dem Senatswechsel 2001 zur "Grünpfeil-Haupstadt" ausgerufen: Mittlerweile hat sie mit 309 Grünen Pfeilen die meisten der Schilder vor der ehemaligen Spitzenreiterin Dresden (262). Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht darin allerdings vor allem "verkehrspolitischen Populismus" und wirft dem Hamburger Senat vor, er sei bei der forcierten Einführung des Grünpfeils "nicht mit der gebotenen Vorsicht" vorgegangen, wie es VCD-Verkehrsexperte Gerd Lottsieten ausdrückt.

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Wie nützlich ist der grüne Pfeil?
Der grüne Pfeil: Das Relikt aus dem Osten. (Foto: dpa)Der grüne Pfeil: Das Relikt aus dem Osten. (Foto: dpa)Wie nützlich der Grünpfeil in der Praxis überhaupt ist, darüber streiten die Gelehrten bis heute. Die Bundesanstalt für Straßenwesen kam in einer Untersuchung 1999 zu dem Ergebnis, der Pfeil helfe Staus abzubauen und führe zu keinem erhöhten Unfallrisiko. Dagegen bewertet die Kaiserslauterner Studie die Wirkung vorsichtiger: Häufig gebe es überzogene Erwartungen an die Auswirkungen auf den Verkehrsfluss. Gleichzeitig habe der Grüne Pfeil "ein nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotenzial": Von den wieder abmontierten Pfeilen in den untersuchten Städten seien 28 Prozent wegen Unfallhäufungen entfernt worden.

Bestand wird wieder bröckeln
Nicht in allen Städten ist denn auch die Begeisterung über den Grünen Pfeil so groß wie in Hamburg. In Köln etwa wurde die Regelung trotz teurer Aufklärungskampagnen anfangs nicht angenommen. Bielefeld, Krefeld und Wiesbaden entfernten gleich alle zunächst installierten Schilder. Völlig abschaffen will den Grünen Pfeil aber heute kaum noch jemand. Ernsthafte Gefahr droht ihm allenfalls vom technischen Fortschritt. "Auf längere Sicht rechnen wir damit, dass der Bestand wieder bröckelt", sagt dazu Frank Pohlmeyer von der Hamburger Verkehrsbehörde. Denn in den kommenden Jahren könnten viele der Pfeile an größeren Kreuzungen durch verkehrsabhängig gesteuerte Ampeln auf den Abbiegerspuren ersetzt werden.

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