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Wo der "Erlkönig" mit dem Rentier Slalom fährt

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Wo der "Erlkönig" mit dem Rentier Slalom fährt

22.12.2003, 17:17 Uhr | Von Alexander Hübner, rtr

Testfahrt im Zwielicht (Foto: Bosch)Testfahrt im Zwielicht (Foto: Bosch)Bernhard Bihrs Problem sind zehn Rentiere. Vielleicht sind es auch 25, so genau weiß das niemand in Arjeplog. Die gutmütigen, aber als einfältig geltenden Tiere leben auf dem Gelände des neuen Testzentrums des Autozulieferers Bosch in Nordschweden, das Bihr leitet. Rentiere ziehen hier seit Jahrhunderten durch, doch jetzt bremst sie ein Zaun. Und so droht den Testingenieuren im Dämmerlicht mitunter ein unfreiwilliger "Elchtest", wenn sie am Uddjaur-See mit den neuesten Modellen der Autohersteller Sicherheitssysteme wie ABS oder ESP auf ihre Wintertauglichkeit überprüfen.

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Erschwerte "Erlkönig"-Jagd
Bosch-Testgelände am Uddjaur-See (Foto: Bosch)Bosch-Testgelände am Uddjaur-See (Foto: Bosch)Trotz solcher Gefahren tummeln sich fast alle Autobauer und Zulieferer Europas in dieser Jahreszeit in Lappland, knapp hundert Kilometer südlich des Polarkreises. Rund um Arjeplog, einem 3000-Einwohner-Städtchen, hat sich das Auto-Testen in gut 30 Jahren regelrecht zu einer Industrie entwickelt. Hier finden die Ingenieure zwischen Mitte November und Mitte April auf den zugefrorenen Seen und schnurgeraden, leeren Straßen die stabilen Testbedingungen, die sie brauchen, um die Reaktionsfähigkeit von elektronischen Bremssystemen auf Eis und Schnee zu erforschen - und die Abgeschiedenheit, um neugierigen Fotografen die Jagd auf die "Erlkönige" so schwer wie möglich zu machen.

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"Der reinste Lagerkoller"
Mehr als tausend Auto-Ingenieure landen jeden Winter auf dem kleinen Flugplatz in Arvidsjaur, so viele, dass es von Hannover und Stuttgart Charterverbindungen dorthin gibt. 400 allein sind es bei Bosch. Gut vier Monate dauert die "Wintererprobung", doch so lange hält es keiner aus in der Einsamkeit. "Nach zwei Wochen kann man keinen Schnee und keine Bäume mehr sehen. Das ist der reinste Lagerkoller", erzählt Bihr. Dann fliegen sie nach Hause, um eine Woche später zurückzukehren.

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"80 Kilometer für eine Pizza"
Von der atemberaubenden Natur abgesehen bietet das Städtchen wenig Abwechslung. "Früher sind wir 80 Kilometer für eine Pizza gefahren", erinnert sich Bihr, der seit zwölf Jahren jedes Jahr nach Arjeplog kommt. Deshalb stürzen sich die Techniker in die Arbeit. Elf bis zwölf Stunden Arbeit am Tag sind normal in einer Zeit, in der sich die Sonne vielleicht fünf Stunden zaghaft am Horizont erahnen lässt. Eine halbe Million Testkilometer spulen die Bosch-Leute jeden Winter ab. "Die meisten arbeiten auch am Sonntag, auf eigene Rechnung", sagt der Chefingenieur. Gewohnt wird meist in Privathäusern, die Einheimischen ziehen derweil in ihren Wohnwagen oder das Wochenendhaus.

300 Arbeitsplätze für Lappländer
Die Invasion der Automobilkonzerne beschert den Lappländern aber auch Arbeit. Rund 300 Arbeitsplätze hingen direkt davon ab, schätzt der Präsident der Provinz Norrbotten, Per-Ola Eriksson. Zum Beispiel bei Lars Holmgren, dem Chef der Firma ATM (Arjeplog Test Management), die nicht nur die Fahrbahnen auf dem Uddjaur für Bosch pflegt und die Anlage auch im Sommer bewacht, sondern auch das Testgelände von VW im nahen Slagnäs unterhält. Oder bei der "Arjeplog Times", einem Informationsblättchen für die Gast-Arbeiter, das einmal wöchentlich erscheint.

Sankt Moritz ist lange out
So fing alles an: Audi 100 im Schnee (Foto: Bosch)So fing alles an: Audi 100 im Schnee (Foto: Bosch)Als Wolf-Dieter Jonner im Winter 1970/71 zum ersten Mal mit einem kleinen Trupp von sechs Bosch-Ingenieuren nach Arjeplog kam, ahnte er nicht, dass ihm eine ganze Branche folgen würde. "Damals haben wir uns wie Pioniere gefühlt, heute ist die ganze Industrie hier vertreten", sagt Bosch-Chef Franz Fehrenbach. Auf dem Flugplatz im schweizerischen Sankt Moritz, wo sie bis dahin ihre Neuentwicklungen getestet hatten, musste erst der meterhohe Schnee geräumt werden, bevor die Testfahrer starten konnten. In Lappland gab es weniger Schnee, dafür aber einen vereisten See, der als Landepiste für Sportflugzeuge diente. Das Eis wurde mit dem Handbesen gefegt, das Wasser kam aus dem Ziehbrunnen, wie sich Jonner erinnert.

30 Zentimeter Eis sind nötig
Dort machte das Anti-Blockier-System (ABS) acht Jahre vor der Serienreife seine ersten Gehversuche, das Hotelzimmer war Entwicklungslabor, und geschraubt wurde bei minus zwanzig Grad Celsius vor dem angemieteten Geräteschuppen. 25 Jahre nach der Einführung ist ABS Standard, und Bosch hat sich sieben Kilometer außerhalb von Arjeplog, auf der Halbinsel Vaitoudden, ein 420 Hektar großes und 20 Millionen Euro teures Experimentier-Areal geschaffen, das keine Wünsche der Ingenieure offen lässt. In den Asphalt sind Heizschlangen und Kühlsysteme eingebaut, um die Reaktion der Autos zu testen, wenn die Reifen nur auf einer Seite greifen, auf der anderen aber auf blankem Eis schlittern. Ihre Nagelprobe erleben Bremssysteme aber erst auf dem Eis des Sees, auf das spiegelblanke Pisten und Kringel eingefräst sind. 30 Zentimeter Eis reichen aus, um einen Pkw zu tragen.

Schwedens König ließ sich nicht bremsen
Mercedes E-Klasse im Test (Foto: Bosch)Mercedes E-Klasse im Test (Foto: Bosch)Die elektronischen Bremshilfen müssen an jedes neue Modell eigens angepasst werden, nach den Vorgaben der Hersteller. Audi und BMW mögen es etwas härter, Mercedes eher komfortabel. Zum Abschluss der Test-Saison, Mitte März, kommen die Entwicklungsvorstände der Hersteller nach Arjeplog, um die Ergebnisse zu begutachten - und die Fahrzeuge der Konkurrenten auszuprobieren. Vielen von ihnen geht es wie dem schwedischen König Carl XVI. Gustaf, der das Testzentrum jetzt eröffnete und in einem Porsche über das Eis brauste. "Der wollte gar nicht mehr aufhören", schmunzelte Boschs Skandinavien-Chef Stefan Seiberth, der den Beifahrer seiner Majestät spielte.

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