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Immer mehr Re-Importe

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Immer mehr Re-Importe

27.01.2004, 09:14 Uhr | dpa

Die Rechnung ist einfach: Man nehme die Zahl der Zulassungen des Kraftfahrtbundesamtes, lege die Absatzzahlen der Hersteller für den deutschen Markt daneben und schon ist die Dimension der Auto-Re-Importe aus den billigeren EU-Nachbarländern in Zahlen gefasst. Beispiel Marktführer VW: Zugelassen wurden 2003 nach Unternehmensangaben in Deutschland rund 600.000 Autos, die Wolfsburger setzten aber nur gut 565.000 Fahrzeuge ab. 35.000 Autos kamen demnach nach Deutschland zurück. Was VW und andere Hersteller wegen geringerer Gewinnspannen ärgern muss, entdeckt der deutsche Autohandel inzwischen zunehmend als lukratives Geschäft.

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Lastkraftwagen voll Polo
"Ich kenne Händler, die haben ganze Lastwagen voll Polo im Ausland gekauft", berichtet Helmut Blümer vom Verband des Deutschen Kfz- Gewerbes. "Die Fahrzeuge kommen aus Frankreich und werden hier fast 3000 Euro unter dem Listenpreis angeboten." Die Position des Handels ist klar: "Wenn der Kunde nach EU-Importen fragt, müssen wir als Handel sie ihm bieten und nicht irgendwelche Grau-Importeure." Der Anteil der EU-Importe sei über alle Marken gestiegen. "Wir reden über eine Größenordnung von 150.000 bis 200.000 Autos." Und die Zahl werde 2004 weiter zunehmen.

Überkapazitäten erzeugen Preisdruck
Problem ist aus Blümers Sicht die viel zu hohe Kapazität der Produktion bei den Herstellern, die nach seinen Worten zwischen drei und fünf Millionen Stück liegt. "Wenn so viele Autos in Europa herum vagabundieren, erzeugt das europaweit einen ungeheuren Preisdruck." Die Produktion müsse endlich marktgerecht gestaltet werden.

Händlerpreise ausschlaggebend
Interessant sind die Re-Importe weniger auf Grund des Listenpreises in den einzelnen Ländern, den die Kunden zahlen. VW etwa hat die Preise weitgehend harmonisiert und beziffert beim neuen Golf den maximalen Preisunterschied mit fünf bis sieben Prozent. Viel spannender sind die Werksabgabepreise, die Händler an den Hersteller zahlen. "Unsere Händler kaufen bei ihren Partnern in Frankreich deutlich billiger ein als beim hiesigen Hersteller", sagt Blümer. Grund für die Differenz sei die Marktposition in den jeweiligen Ländern. Um sich in den Auslandmärkten behaupten zu können, müssten die Autos eben preiswerter abgegeben werden. "Mit den hohen Preisen hier subventionieren die deutschen Käufer sozusagen die preiswerten Autos in Südeuropa", meint ein Insider.

Auch Abgabepreise harmonisieren
Die Hersteller müssten endlich zur Vernunft kommen und nicht nur die End-, sondern auch die Abgabepreise harmonisieren. Sie dürften höchsten um zehn Prozent auseinander liegen, fordert Blümer.

Preisspannen gesunken
Die Hersteller demonstrieren Gelassenheit. Das Problem habe durch die Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) an Schärfe verloren, heißt es bei Opel in Rüsselsheim. Für alle Opel-Baureihen seien die Preisunterschiede von ehemals 30 auf inzwischen 10 Prozent gesunken, sagte ein Sprecher. "Mit jedem neuen Modell werden sie weiter abgebaut." Deutsche Kunden würden davon besonders profitieren, da die Preise hier zu Lande früher eher höher waren als im europäischen Schnitt. Ähnlich sieht es die VW-Tochter Audi: "Kein Thema", sagte ein Sprecher in Ingolstadt. "Vereinzelt werden unsere Autos im Ausland gekauft, aber nicht im größeren Umfang."

"Keine Rolle" bei Mercedes
Bei Mercedes spielen die Re-Importe "überhaupt keine Rolle", sagte ein Sprecher. "Die Preisunterschiede im Premium-Segment sind sehr gering." Mercedes hat seit etwa zwei Jahren seine Preise europaweit weitgehend harmonisiert. Und auch die angeblich drohende Import-Welle aus den USA wegen des niedrigen Dollars sieht BMW realistisch: Die hohen Transportkosten machten Einfuhren aus den USA uninteressant.

Kein Qualitätsunterschied
Eines ist aber allen klar: Die Autos, die von Wolfsburg, München, Rüsselsheim oder Stuttgart ihren Umweg über Frankreich zum deutschen Kunden machen, stehen den direkt hier gekauften in nichts nach. Blümer: "Von der Qualität her sind die Fahrzeuge identisch."

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