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Wasserstoff-Antrieb: BMW Hydrogen 7 - Zisch in die Zukunft

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BMW Hydrogen 7  

BMW Hydrogen 7 - Zisch in die Zukunft

12.09.2006, 16:16 Uhr | Spiegel-Online, t-online.de

BMW Hydrogen 7 (Foto: BMW)BMW Hydrogen 7 (Foto: BMW) Von Tom Grünweg

BMW hält am Verbrennungsmotor fest, allerdings wird er mit Wasserstoff statt Benzin oder Diesel gespeist. Entwickler haben mit Hydrogen 7 schon Tausende Kilometer abgespult. Bald soll es das Aggregat auch für Kunden geben.#

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Hier geht es zum großen Archiv (Foto: Werk)Hier geht es zum großen Archiv (Foto: Werk)Wasserstoff: Antrieb der Zukunft?
Die Wahl der Worte spricht für einen epochalen Fortschritt: "Eine neue Ära der Mobilität beginnt", schwärmt BMW und proklamiert einen "Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigen und schadstofffreien" Fortbewegung im eigenen Automobil. Grund für den Jubel ist ein für den Betrieb mit Wasserstoff (englisch: Hydrogen) umgerüsteter 7er, der als "Hydrogen 7" seine Weltpremiere Ende November auf der Autoshow in Los Angeles feiern wird. Das alleine ist noch keine Sensation. Zwar setzt die Mehrzahl der Autohersteller auf die Brennstoffzelle, doch steht auf jeder großen Messe meist mindestens ein Auto, das den Wasserstoff nicht in Strom umwandelt, sondern direkt verbrennt. So macht es Mazda im RX8, und so macht es BMW schon seit vielen Jahren.

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Normales Serienfahrzeug
Neu am "Hydrogen 7" ist die Entstehungsgeschichte: Als weltweit erstes Fahrzeug seiner Art hat er den ganz normalen Serienentwicklungsprozess durchlaufen. Wie ein neuer Diesel für den 5er BMW oder ein M-Motor für den 3er wurden dabei alle Komponenten der neuen Technologie nach den für Serienfahrzeuge üblichen Kriterien in das Gesamtfahrzeug integriert, beteuert BMW und folgert, dass der "Hydrogen 7" damit eine Entwicklungsstufe erreicht hat, die signifikant über den Status aller bisher gefertigten Wasserstoff-Prototypen hinausreicht.

Kleinserie für 2007 geplant
Auch der Verwendungszweck der "weltweit ersten mit Wasserstoff betriebenen Luxuslimousine für den Alltagsbetrieb" ist neu. Während bislang nur Testfahrer und Entwickler hinters Steuer durften, will BMW im kommenden Jahr eine Kleinserie von 100 "Hydrogen 7"-Modellen bauen und diese Autos erstmals auch Kunden zur Verfügung stellen. Für BMW ist die Vision vom Wasserstoff-Auto auch die Vision vom Ende der Energieknappheit. Denn zumindest in der Theorie ist das Edelgas unbegrenzt verfügbar und kann ganz ohne Einsatz fossiler Reserven aus Wind-, Wasser- oder Sonnenkraft hergestellt werden. Allerdings ist das bislang nur eine Hoffnung: Zurzeit werden mehr als 90 Prozent des weltweit eingesetzten Wasserstoffs noch mit von Erdgas, Kohle oder Mineralöl produziert.

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Zum Neuheitenkalender (Foto: Archiv)Zum Neuheitenkalender (Foto: Archiv)Weniger Leistung im Hydrogen 7
Die Kunden der ersten Stunde müssen gegenüber dem normalen 7er BMW ein paar kleine Einbußen hinnehmen, machen aber weit weniger Kompromisse als etwa Fahrer eines Brennstoffzellenfahrzeugs. Denn für standesgemäßen Vortrieb sorgt wie im 760 Li ein sechs Liter großer Zwölfzylinder. Dessen Leistung sinkt im Wasserstoffbetrieb von 444 auf 260 PS, und das maximale Drehmoment fällt von 600 auf 390 Newtonmeter, doch sprintet das Auto in noch immer respektablen 9,3 Sekunden auf Tempo 100. Und dass er lediglich 230 statt der sonst üblichen 250 km/h schafft, sollte niemanden ernsthaft stören.

Reichweite von 700 Kilometern
Weil eine flächendeckende Infrastruktur für Wasserstoff noch in weiter Ferne liegt, ist der 7er wie auch die meisten Erdgasfahrzeuge "bivalent" ausgelegt. Ein Druck auf die H2-Taste im Lenkrad genügt, und der Antrieb schaltet von Wasserstoff auf Superbenzin um. So kommt der "Hydrogen 7" auf eine praxisgerechte Reichweite von mehr als 700 Kilometern. Im reinen Wasserstoffbetrieb allerdings schafft die Limousine nur 200 Kilometer. Und auch dafür mussten die Entwickler tief in die Trickkiste greifen, da man die acht Kilogramm Wasserstoff eben nicht wie Erdgas einfach in einen Drucktank packen kann.

Spezialtank hält Wasserstoff flüssig
Weil BMW den Wasserstoff flüssig speichert, muss er mit einer Temperatur von Minus 250 Grad Celsius getankt und gelagert werden. Dafür haben die Bayern einen doppelwandigen Tank entwickelt, dessen Wände aus jeweils nur zwei Millimeter dünnem Endelstahl hergestellt werden. Dazwischen allerdings ist eine 30 Millimeter dicke Spezialschicht, die so gut isoliert wie 17 Meter Styropor. Würde man den Tank mit kochendem Kaffee füllen, wäre die Flüssigkeit erst in rund drei Monaten auf Trinktemperatur abgekühlt.

Wasserstoff-Tankstellen sind momentan noch rar (Foto: BMW)Wasserstoff-Tankstellen sind momentan noch rar (Foto: BMW) Tankstellen bislang rar
Diesen Tank mit Wasserstoff zu füllen, ist gar nicht so einfach - nicht nur, weil es in Deutschland erst ein halbes Dutzend Tankstellen gibt. Auch wer die richtige Zapfsäule findet, muss sich umstellen: Zwar funktioniert alles automatisch, nachdem man den aus der Formel 1 entlehnten Rüssel auf den Stutzen gekuppelt hat, doch um acht Liter Wasserstoff umzufüllen, braucht die Anlage nervenzehrende acht Minuten. Auch deshalb will BMW den Wagen bald in Kundenhand geben, um so die künftigen Wasserstofffahrer langsam auf einen Systemwechsel einzustimmen.

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Wann kommt der Hydrogen in Serie?
Während BMW sich bereits detailliert über Intention und Technik auslässt, halten sich die Bayern bei der Vermarktung noch bedeckt. "Dieser Punkt ist noch völlig offen und wird derzeit heftig diskutiert", sagt BMW-Sprecher Daniel Kammerer. Doch so viel zumindest scheint schon jetzt sicher: Auch wenn der "Hydrogen 7" nun den Status eines Serienmodells erreicht hat, wird er in der Preisliste noch nicht auftauchen.

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