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Fahren mit Fäkalien: Der Mist-Käfer

11.08.2010, 17:59 Uhr | Spiegel Online, Jürgen Pander, Spiegel Online

Fahren mit Fäkalien: Der Mist-Käfer. Bio-Bug nennt die Recyclingfirma Geneco ihr umgebautes New Beetle Cabriolet (Foto: Geneco)

Bio-Bug nennt die Recyclingfirma Geneco ihr umgebautes New Beetle Cabriolet (Foto: Geneco)

Seit Elektromobilität als die große Zukunftsoption gilt, werden andere Alternativen oft ausgeblendet. Jetzt aber sorgt ein VW New Beetle aus England für Furore: Das Auto fährt mit Methangas, gewonnen aus menschlichen Exkrementen.

Bio-Bug nennt die englische Recyclingfirma Geneco ihr umgebautes New Beetle Cabriolet - Mist-Käfer wäre passender: Das auf der Webseite des Unternehmens als erstes "menschlich angetriebenes Modell Großbritanniens" angepriesene Auto fährt mit Methangas, das aus Kläranlagen der Firma Wessex Water stammt. Das Toilettenabwasser von 70 Haushalten, so heißt es bei Geneco, reichten aus, um eine Jahresfahrleistung von etwa 15.000 Kilometern zu garantieren.

Methan-Gas wird beim Bio-Bug speziell aufbereitet

Die Idee, Methangas in einen Autotank zu pumpen und dieses dann im Motor zu verfeuern, ist nicht neu. Im Fall des Bio-Bug aber wird das bei der Zersetzung und Gärung von menschlichen Exkrementen gewonnene Methangas speziell aufbereitet; unter anderem wird dem Gasgemisch das Kohlendioxid entzogen.

Das Resultat ist reineres Methan, das die Fahrleistungen des Autos nicht mehr wie bislang beeinträchtigt. Der 2-Liter-Vierzylinder-Motor des VW New Beetle Cabrios beschleunigt den Wagen auf bis zu 183 km/h. "Wer das Auto fährt, wird keinen Unterschied zu einem herkömmlich angetriebenen Pkw bemerken", sagt Mohammend Saddiq, der Chef von Geneco.

Mit jeder Toilettenspülung ein paar Kilometer weiterkommen

Das von der Firma The Greenful Company umgebaute Auto ist derzeit in Bristol unterwegs. Saddiq sagt: "Der Wagen ist das nachhaltigste Mobil weit und breit." Zwar entsteht auch bei der Verbrennung von Methangas klimaschädliches Kohlendioxid, doch erstens etwas weniger als beim Verbrennen von Benzin, und zweitens entwiche das CO2 ja ohnehin in die Atmosphäre - in Form von Methangas bei der Abwasseraufbereitung. Insofern, argumentiert Geneco, fahre der Bio-Beetle CO2-neutral.

Zum Starten brauch der Bio-Bug Benzin

So ganz stimmt das nicht, denn zum Starten benötigt der Motor nach wie vor normales Benzin. Erst nach ein paar Kilometern Fahrt, wenn die Maschine ihre Betriebstemperatur erreicht hat, schaltet die Kraftstoffversorgung automatisch auf Methanbetrieb um.

Falls der Praxistest mit dem Auto positiv verläuft, und darauf deutet momentan vieles hin, will Geneco seine komplette Fahrzeugflotte auf Methanantrieb umstellen. Lord Rupert Redesdale, Vorsitzender der Anerobic Digestion and Biogas Association (Vereinigung für Anaerobe Gärungsprozesse und Biogas), sagte dem "Daily Telegraph", dass der Bio-Beetle beispielhaft sei für die Zukunft einer grünen Mobilität: "Methangas könnte für Autos ebenso wichtig werden wie der Elektroantrieb."

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