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Biosprit E10: Sieben von zehn Kunden tanken falsch

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Biosprit E10: Sieben von zehn Kunden tanken falsch

27.02.2011, 13:19 Uhr | dpa, t-online.de

Nach der Einführung des neuen Kraftstoffs Super E10 tanken offenbar aus Unkenntnis sieben von zehn Motorisierten das falsche, teurere Benzin. Das teilte der Mineralölwirtschaftsverband am Samstag Abend in Berlin mit. Dies sei jedoch unnötig, denn 90 Prozent der Fahrzeuge seien für das neue E10 geeignet, hieß es weiter. Der Verband ruft unsichere Autofahrer auf, sich beim Fahrzeughersteller oder ihrer Werkstatt zu informieren, ob ihr Wagen E10-tauglich ist.

Die Mineralölbranche hatte Anfang Februar mit der flächendeckenden Einführung von Super E10 begonnen. Dem neuen Sprit sind aus Gründen des Klimaschutzes zehn Prozent Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen beigemischt. Das bisherige Super enthielt nur fünf Prozent Bioethanol. Allerdings bieten die Tankstellen weiter neben Super E10 auch das alte Super E5 an. Super E5 wird an umgestellten Tankstellen aber um rund fünf Cent teurer als E10 verkauft.

BUND: "E10 ist eine Mogelpackung"

Heftige Kritik kam unterdessen vom Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Die neue Biospritsorte bringe gar keinen Effekt für den Klimaschutz. "Was die Umweltbilanz betrifft, ist E10 eine Mogelpackung und ein Fall von Verbrauchertäuschung", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Höhere Kohlendioxid-Emissionen durch massenhaften Anbau von Getreide, Zuckerrüben oder Mais

Die Ausweitung der Ethanolproduktion und die dafür notwendige Nutzung zusätzlicher Anbauflächen könne im Vergleich zu herkömmlichem Kraftstoff sogar höhere Kohlendioxid-Emissionen verursachen. In Deutschland seien 2010 rund 600.000 Tonnen Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais hergestellt und die doppelte Menge dem Benzin beigemischt worden. Mit der Erhöhung des Ethanolanteils auf zehn Prozent rechnet der BUND mit einem jährlichen Bedarf von insgesamt rund fünf Millionen Tonnen Getreide, Zuckerrüben und Mais für E10.

Super E5 verschwindet, Super E10 kommt

Der neue Bio-Kraftstoff mit maximal zehn Prozent Ethanol steht seit Wochen in der Kritik. Das bisherige Superbenzin mit fünf Prozent Ethanol (E5) und 95 Oktan wird wegen E10 in den nächsten Wochen komplett vom Markt verschwinden. Rund zehn Prozent der Autofahrer, deren Motoren kein E10-Benzin vertragen, müssen deshalb auf höherwertiges Benzin mit 98 Oktan umsteigen und je nach Anbieter fünf bis acht Cent je Liter mehr bezahlen.

Weniger Treibhausgase durch E10?

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) kritisierte eine einseitige Diffamierung von E10. "Bioethanol aus Deutschland spart nicht nur die gesetzlich vorgeschriebenen 35 Prozent, sondern stößt bereits jetzt 50 bis 80 Prozent weniger Treibhausgase aus als fossiles Superbenzin", sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB.

E10 erhöht den Verbrauch

Die Ölkonzerne sind wegen der von der Bundesregierung aus Klimaschutzgründen geplanten Ausweitung des Biospritanteils verpflichtet, einen bestimmten Anteil von Bio-Kraftstoffen aus erneuerbaren Rohstoffen zu verkaufen. Andernfalls drohen hohe Strafen. Daher fördern sie den Absatz von E10 und verteuern das Benzin mit geringerem Ethanol-Anteil, monieren Kritiker. Zudem ist E10 nicht so leistungsstark wie Sprit mit einem Ethanolanteil von fünf Prozent. Die Folge: Man braucht mehr Benzin für die gleiche Strecke. Wieviel Prozent das ausmacht, ist noch nicht klar. Bei Tests der "Autobild" sollen es fünf Prozent gewesen sein. Der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft hält maximal zwei Prozent Mehrverbrauch für möglich.

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