09.03.2011, 08:27 Uhr | dapd, AFP, dpa
E10: Der Kraftstoff wird wohl nicht arg viele Freunde finden (Foto: dapd)
Trotz der Verunsicherung bei Millionen Autofahrern hält die Bundesregierung am umstrittenen Biosprit E10 fest und startet eine breit angelegte Informationskampagne. Das teilten Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Dienstag nach dem "Benzin-Gipfel" in Berlin mit. Doch ob damit die Bedenken der Fahrer zerstreut werden können, bleibt fraglich, wie eine aktuelle Online-Umfrage von t-online.de/auto zeigt. Gut 90 Prozent der Befragten will auch künftig nicht E10 tanken.
Die Umfrage ist nicht repräsentativ, vermittelt aber einen Eindruck über die Stimmung bei den Fahrern. So beabsichtigen nur 3,3 Prozent der Befragten in Zukunft wahrscheinlich E10 zu tanken. Weitere fünf Prozent wollen erst mal abwarten.
Auch die t-online.de Leser haben nahezu eine einhellige Meinung zu E10: "Ich tanke niemals E 10,ich bleibe lieber bei dem herkömmlichen Super oder Super-Plus da weiß ich was ich im Tank habe", schreibt ein Leser. "Wir brauchen keine teure Werbung, sondern eine Instandsetzungs Garantie für den Motor", heißt es an anderer Stelle.
Bundesumweltminister Röttgen verteidigte derweil den umstrittenen Biosprit: Alle Beteiligten befürworteten die Einführung von E10 aus Gründen des Umweltschutzes, des Klimaschutzes, der Ressourcenschonung und der Energieversorgungssicherheit, sagte Röttgen. Die Automobilindustrie hat darauf hingewiesen, dass die sogenannte DAT-Liste über die E10-verträglichen Fahrzeuge rechtsverbindlich sei. Diese Liste finden Sie hier.
Um die Akzeptanz von E10 zu verbessern, einigten sich die Teilnehmer des Gipfels auf folgende Maßnahmen: Erstens: Die Autofahrer sollen an den Tankstellen in Listen sehen können, ob ihr Auto E10 verträgt. Zweitens: Die Autobranche will ein Internetportal einrichten, wo Autofahrer mit ihrer Fahrzeug-Identifikationsnummer nachsehen können, ob ihr Auto E10 verträgt. Drittens: Autohersteller und Kfz-Gewerbe händigen Händlern und Herstellern die Verträglichkeitsliste aus, um Kunden besser zu informieren.
Die weit verbreitete Ablehnung des neuen Kraftstoffs E10 bei Autofahrern wäre nach Auffassung des Kieler Umweltpsychologen Klaus Wortmann mit einer anderen Einführungsstrategie vermeidbar gewesen. Es sei falsch, den Leuten den sogenannten Biokraftstoff ohne Alternative zwangsweise vorzusetzen, sagte der Experte.
"Leute reagieren auf den Entzug von Wahlfreiheit mit Widerstand. Das ist ein klassischer sozialpsychologischer Effekt", betonte Wortmann. Das Phänomen sei so etwas wie der "Trotz von Erwachsenen". Verhindert worden wäre diese Reaktion Wortmanns Meinung nach, wenn der neue Kraftstoff - begleitet von entsprechenden Informationen - an den Tankstellen zunächst nur als freiwilliges Zusatzangebot eingeführt worden wäre.
Nach Ansicht von ADAC Präsident Peter Meyer ist die Entscheidung der Regierung der richtige Weg: "Wir müssen die Verbraucher bei diesem sensiblen Thema allerdings viel besser mitnehmen", sagte er. "Außerdem muss jeder Autofahrer die Wahl haben, ob er das neue E10 oder weiterhin ein Super E5 tanken will." Rund 90 Prozent aller Benzin-Autos in Deutschland vertragen den neuen Kraftstoff. Etwa drei Millionen Autos vertragen E10 nicht.
09.03.2011, 08:27 Uhr | dapd, AFP, dpa
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