Startseite
Sie sind hier: Home > Auto > Technik & Service >

Forschungsprojekt KESS: Jede Beule hat ihren Sound

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Forschungsprojekt KESS: Jede Beule hat ihren Sound

19.07.2012, 17:53 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Forschungsprojekt KESS: Jede Beule hat ihren Sound. Neue Systeme sollen Karosserieschäden sofort erkennen (Quelle: imago)

Neue Systeme sollen Karosserieschäden sofort erkennen (Quelle: imago)

Wie kam der Kratzer in den Lack? Bagatellschäden sorgen beim Leihen eines Mietwagens oder beim Carsharing oft für Frust. Bald soll ein neues Überwachungssystem helfen. Es registriert selbst kleinste Beulen, wenn sie verursacht werden, und alarmiert automatisch die Zentrale.

Ärgerliche Bagatellschäden

Es hätte so ein schöner Wochenendausflug werden können. Eben hat man sich noch darüber gefreut, dass es für den Mietwagen ein Upgrade gab. Und jetzt dotzt irgendjemand auf dem Parkplatz das Auto an und macht sich aus dem Staub. So erholsam die zwei Tage im Süden auch waren: Mit der Selbstbeteiligung und dem ganzen Papierkram beim Autovermieter ist das Wochenende verdammt teuer bezahlt.

Das hat mittlerweile auch die Wissenschaft erkannt: "Vor allem Bagatellschäden führen bei Miet- oder Carsharing-Fahrzeugen immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Kunden und Anbietern - ein Ärgernis, das eine Wachstumsbremse für künftige Mobilitätskonzepte darstellt", schimpft Professor Karl-Ludwig Krieger, der Leiter der Forschungsgruppe "Elektronische Fahrzeugsysteme" der Universität Bremen.

Geht es nach Thomas Niemann, könnte sich solcher Ärger bald erledigt haben. Niemann ist Entwicklungschef beim Automobilzulieferer Hella in Bremen und forscht gemeinsam mit Krieger und seinen Studenten am elektronischen Dellen-Detektiv.

Wie klingt eine Beule?

Offiziell heißt das Projekt "Konfigurierbares elektronisches Schadenidentifikationssystem" (KESS)" und meint eine Technologie, die permanent über die Unversehrtheit der Karosserie wacht, mögliche Schäden protokolliert und diese umgehend weitermeldet.

Dabei setzen die Wissenschaftler auf sogenannte piezoelektrische Folien, die wie Mikrofone permanent mithören und einen Schaden am Geräusch erkennen. An wichtigen Knotenpunkten der Karosserie sollen eine Handvoll dieser Sensoren auf die Rückseite von Blech und Kunststoffteilen geklebt und dann mit einer Steuereinheit verbunden werden.

Diese analysiert die Köperschallwellen, vergleicht die Signalverläufe mit gespeicherten Werten und kann so ein Schadensereignis herausfiltern und dem jeweils betroffenen Bauteil zuordnen, erläutert Niemann: "Eine Beule am Kotflügel klingt anders als ein Kratzer auf der Motorhaube oder eine Verformung, die man an der Tür in das Blech drückt und die dann von selbst wieder herausspringt."

Auto 
Tacho-Betrug: sechs Milliarden Euro Schaden

Der ADAC fordert höhere Manipulationssicherheit. zum Video

Sensoren erkennen selbst Kratzer sofort

Sobald die Elektronik eine Delle detektiert, wird das samt Fahrzeugdaten und möglicherweise auch der GPS-Position des Wagens automatisch an die Zentrale des Miet- oder Carsharing-Unternehmens übertragen. Noch bevor das Auto zurück ist, kann der Schaden so protokolliert und eine Reparatur vorbereitet werden.

Der Fahrer kann nachweisen, dass bei einem Schaden am stehenden Fahrzeug wohl Fremdverschulden vorliegt. Versteckte Vandalismusschäden bleiben nicht mehr unentdeckt. In gravierenden Fällen kann man eine Fahndung nach dem Fahrerflüchtigen einleiten. Und beim Mietvertrag für den nächsten Kunden ist der Vorschaden bereits protokolliert. "In einem dunklen Parkhaus ums Auto gehen und nach Kratzern suchen, kann man sich dann schenken", sagt Niemann.

Feldversuch startet

Bislang ist KESS nur ein Forschungsprojekt. Doch gemeinsam mit dem Carsharing-Anbieter Cambio aus Bremen wollen die Entwickler jetzt in den Feldversuch gehen. "Wir rüsten demnächst die ersten 20 Fahrzeuge aus und erproben das System in den nächsten zwei Jahren", sagt Niemann.

Wenn es sich dort bewährt, sollte die Serienumsetzung relativ schnell gelingen. Außerdem denken Niemann und seine Kollegen auch schon an eine Lösung für die Erstausrüstung direkt bei der Produktion des Wagens sowie an Anwendungen bei der Sicherung teurer Ladung oder empfindlicher Fahrzeugteile wie der Batterien von Elektroautos.

Allerdings müssen die Entwickler vor allem für den Einsatz bei Carsharing und Mietwagen noch am Preis arbeiten. "Denn mehr als 100 Euro darf das Nachrüst-Set später nicht kosten", sagt Projektleiter Niemann. "Sonst zahlt man besser gleich die Selbstbeteiligung."

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige
AnzeigeGebrauchtwagensuche
Welcher ist Ihr nächster?

Finden Sie hier Ihren neuen Gebrauchten:

 


Anzeige
shopping-portal